Montag, 10. September 2018

10.09.18 Mit Tom Jones nach Kalmar

Der Wind hat uns fest im Griff.
Auch wenn morgens, halb acht, eigentlich noch kaum etwas von ihm zu spüren ist. Aber er kommt, später, und das auch noch uns entgegen. Bevor die richtigen Böen gegen Mittag losgehen, wollen wir möglichst schon im Hafen von Kalmar liegen.
Wegen der frühen Stunde gibt es nur "Gnadenbrot" statt Frühstück. ´Ne Tasse Kaffee und etwas ältliche Fertigwaffeln von real - fällt in die Kategorie geht so.
Kurz vor halb neun werfen wir den Motor an, machen Ari los und tuckern raus auf den Kalmarsund. Tucker, tucker, tucker ... ist das öde.
Ich hatte schon am Vortag einen penetranten Ohrwurm im Kopf - Is not unusual (Klick) von Tom Jones. Kennt ihr das, wenn man eine bestimmte Melodie nicht mehr los wird? Schlimm!
Ich habe zur Heilung über deezer gleich ein ganzes Best-of-Album von Mr. Jones runtergeladen, um wenigstens auf einen anderen Titel zu kommen. Und so kam es, dass wir - völlig allein auf dem Kalmarsund - wie eine mobile Dorfdisko die arme kleine Soundanlage aufdrehten und Tom-Jones-Klassiker rauf und runter spielten. Natürlich gespikt mit der einen oder anderen Tanzeinlage á la Charlton aus der Serie "Der Prinz von Bel-Air". Wat hatten wir Spaß.

Wie schon erwähnt, waren wir die gesamte Zeit völlig allein auf dem Kalmarsund unterwegs. Das Gewässer ist auf dieser Strecke immerhin rund 5 km breit und wir fuhren 35 km weit mutterseelenallein hier lang.


Na gut, nicht ganz alleine ...
Der neue Wasserturm von Kalmar (den musste ich aber auch erstmal googlen)



Nach gut drei Stunden hatten Motorelend und Dorfdisko ein Ende, denn wir wollten anständig in den Hafen von Kalmar einfahren.




Zu unserem Glück hatte die Tankstelle am Beginn des Hafens noch genau 15 Minuten lang geöffnet.
Schnell legten wir an, riefen den Tankwart über ein dort installiertes Direktruf-Telefon und 5 Minuten später kam er mit seinem Transporter auch schon angebraust.


135 Liter Diesel und sehr viele schwedische Kronen später legten wir keine 200 m weiter am Steg an.
Hier werden wir jetzt die nächsten zwei bis drei Tage bleiben und dem Wetter damit eine reale Chance geben, vernünftige Windrichtungen auf den Plan zu bringen.
Ostwind wäre schon mal etwas sehr Nettes, Nordost ein Traum, überhaupt, alles aus Ost und Nord wäre mal eine Leistung.

In der Zeit werden wir Kalmar mit etwas mehr Ruhe als auf dem Hinweg besuchen und es uns nochmal richtig gut gehen lassen.
Der Hafen ist kaum wiederzuerkennen. War hier auf der Herfahrt (am Wochenende und noch in der Saison) kaum ein freier Platz zu ergattern, haben wir dieses Mal große Auswahl. Wir wählen trotzdem einen ruhigen Platz am Rande, um uns langsam an Stadttrubel zu gewöhnen.


Unser Stegnachbar ist sehr ... ähm .. futuristisch
Abends noch ein Anruf in die Heimat - Junior hat Geburtstag! Alles Guter, Großer!!!



Sonntag, 9. September 2018

09.09.18 Borgholm auf Öland

Lange schlafen, zum Aufwachen richtig Zeit lassen, erst recht zum Frühstück.
So ein Hafentag ist auch mal was Schönes.

Wir sind mit allem fertig und bereit, die Burgruine zu erstürmen. Gut, wir kommen 500 m weit, da fällt uns diese "interessante" Wolkenformation im Süden des Kalmarsundes ins Auge:


Huch, Regenwolken mit dickem, weißen Böenkragen. Na, dann mal schnurstracks zurück zum Boot. Wir wettern den kleinen Guss unter Deck ab und machen uns in den letzten feinen Nieseltropfen erneut auf in den kleinen Ort, Richtung Burgruine. Ein kleiner Marsch von 1,5 km durch den Ort direkt am Hafen ...

Ich ... schaffe ... es .... ich ...will ... es .... mitnehmen ... 

....und die Parkanlage Borgehage (ein Wald, urig wild und natürlich belassen) ....



und schon standen wir ihr zu Füßen ...

Für die vielen abgestorbenen Bäume fanden wir keine Erklärung 

Alles Wichtige zum Bauwerk findet ihr hier ==> klick.
Erst einmal lerne ich, dass es keine Burg- sondern eine Schlossruine ist. Der nette Mensch an der Kasse verweist auf eine App fürs Handy, welche als elektronischer Gebäudeführer funktioniert - sehr modern. Das Bauwerk ist auch als Ruine noch sehr beeindruckend. Wir stromerten eine ganze Weile durch die Innen- und Außenanlagen und die kleinen Installationen im Museumsteil.
Hier ein paar fotografische Eindrücke:







Von ganz oben hatte man eine sehr schöne Aussicht ... 

.... ich könnte hier ewig sitzen und gucken ... 

... auf den Kalmarsund und die schwedische Ostküste ...

... auf Borgholm ... 

... und auf unser Boot. Ari ganz allein im Hafen.

Da sind wir wieder runtergegangen - aber Harry musste vorgehen. Brr, dunkel.

Beim Verlassen der Anlage gönnen wir uns noch ein Eis auf den Weg. Juchu, endlich mal nicht die ewige Langnese-Speisekarte, sondern "Einheimisches".
Und da ist für mich sofort klar, was ich nehme: Lakritz-Eis:


Geformt wie eine gute alte Salmiakpastille (die sehr guten, ausm Osten!) und LECKER! Das Eis innendrin mit Lakritzgeschmack, der Außenmantel statt Schokolade aus deftigstem Salmiak und Lakritz. Der Oberhammer. Warum gibt es sowas nicht in Deutschland. Selbst Magnum hat hier eine Lakritzsorte im Angebot .... mimimi.



Den Rückweg legen wir direkt durch den kleinen Ort.

Uns gefallen hier in Schweden immer wieder die liebevoll gepflegten kleinen Parkanlagen. Egal, wie klein der Ort ist, man findet sie fast überall.


Zurück am Boot sind wir ein wenig fußlahm und halten ein Siesta. Der Rest des Abends wird mit Kochen, Essen, Musik hören, Fotos sichten und Blogschreiben verbracht.

Morgen soll es weiter nach Kalmar gehen. Noch herrscht leichter Wind aus Süd, aber für 15 Seemeilen verträgt man das schon mal, fast direkt auf die Nase - der Motor muss es richten. Dort warten wir dann auf das richtige Wetterfenster, um Richtung Heimat weiter zu kommen.
Und ein wenig zu feiern gibt es ja auch noch ...



Samstag, 8. September 2018

07.+ 08.09.18 Ein bisschen in Eile

07.09. Örskär - Figeholm

Geschüttelt und davon sehr gerührt - so wachen wir heute morgen auf, nachdem uns der Handywecker um sieben Uhr angebrüllt hat. Die Bucht an sich war ja passend, aber wir hatten in der gestrigen Eile nicht bedacht, was hier an Schwell reinkommt. So wurden wir im Schlaf ordentlich durchgeschaukelt, was einer guten Erholung etwas im Weg stand.
Der Tag begann grau in grau - man merkt, dass der Herbst bald Einzug hält. Dichte Hochnebel stehen über Land und See. Wir gönnen uns noch ein mageres Frühstück, gehen an Heck und Bug Ankerauf und düsen bei bestem Segelwind aus der Bucht. Hui, da pfeifen Böen bis 23 Knoten (rund 40 km/h) durch die Schären und schieben den dicken Hintern von Ari mit über 6 Knoten Geschwindigkeit das Fahrwasser entlang. Leider bleibt uns dieser Spaß nicht lange erhalten. Nach drei Stunden fahren wir schon wieder unter Motor. Der Wind hätte zwar noch "gerade so"gereicht, aber die Welle vom Starkwind der Nacht steht noch und passt nicht so recht zu diesem lauen Lüftchen von 12 Knoten. Und das, wo heute wieder eine lange Strecke mit gut 50 Seemeilen vor uns liegt.
Klar, wir könnten auch kürzere Tagestrips machen, aber das lässt das Wetter und unser Terminkalender nicht zu. Am  19.09. (Mittwoch) müssen wir wegen wichtiger Termine am Ende der Woche spätestens in Neuhof sein. Und momentan kommt der Wind wieder genau da her, wo wir hin wollen - das Schicksal eines Seglers. Ich beginne, mir Sorgen zu machen ...
Heute, in Figeholm angelegt, haben wir die Pole-Position für die nächsten Tage - hoffen wir.

Der Hafen hatte uns schon bei unserem ersten Stopp hier vor drei Wochen gut gefallen. Im Gegensatz zu "damals" haben wir diesmal eitel Sonnenschein, als wir Ari im Gästehafen an der Heckboje festmachen. Der Hafenmeister begrüßt uns (das einzige Gästeboot) persönlich am Steg, mit Handschlag und einem freundlichen "You're welcome". Beim Bezahlen des Liegeplatzes bekomme ich einen kleinen Stapel Unterlagen in die Hand gedrückt. Neben der Quittung und dem Markierungsbändchen für das Boot noch ein Informationsblatt zum Hafen und zum Ort (nett!) sowie einen .... Notfallplan. Bitte was?! Er grinst und wiederholt auf deutsch "ihr Notfallplan".
Tatsächlich ist da drinnen alles aufgeführt, was wir in verschiedenen Gefahrenfällen machen sollen oder auch besser nicht. Na holla - das hatten wir ja auch noch nicht.



Hier noch ein paar Fotos von heute:


Endlich mal ein Adler, der stillsitzt ... 


Mikado für Fortgeschrittene: der Weg durch die Untiefen. Ein Tipp: grün ist rechts





Der Törn des heutigen Tages - leider nur zum Teil. Ich hatte vergessen, am Tablet rechtzeitig die Aufzeichung zu starten. Losgefahren sind wir beim Ankerzeichen im Bild ganz oben.














08.09. Figeholm - Borgholm (auf Öland)

Noch ein vorerst letztes Mal früh aufstehen. Der Wind ist uns für unsere Strecke nur mäßig gelegen. Am Anfang günstig aus Südwest kommend, dreht er leider ab Mittag nach und nach auf Süd - ja, da wollen wir hin. Also wieder gegen sieben Uhr raus aus den schön warmen Federn, kurzes Frühstück und in den Restminuten des nächtlichen Regenfalls das Boot zum Ablegen vorbereitet. Als der Regen aufhörte, legten wir ab und fuhren durch den Weg durch die Schären raus Richtung Kalmarsund. Kaum waren wir auf dem freien Wasser, stießen wir doch tatsächlich auf segelbaren Wind. Schnell die Segel hoch, das Seglergrinsen aufgesetzt und dabei die ersten Sonnenstrahlen genossen. Die Wolken lösten sich rasch auf, der Wind trieb Ari ordentlich voran - wir hatten Spaß.
Aufgrund des angesagten Winddrehers konnten wir nicht so einfach aufs Ziel drauflos, sondern mussten es uns mit zwei Kreuzschlägen erarbeiten. Segeln "auf der Kreuz" ist nicht mein Ding. Ständig fährt man gefühlt am Ziel vorbei, kommt nur langsam näher, fährt wieder dran vorbei  ... nichts für ungeduldige Menschen wie mich!

Borgholm auf Öland, wir kommen. Nach gut sieben Stunden und mit 41 Seemeilen im Kielwasser fuhren wir kurz vor halb fünf  in den schönen, großen und sehr leeren Hafen von Borgholm ein. Trotz kräftigen Seitenwindes legten wir sauber an und verschnauften erstmal bei einem Anlegerbier. Der Tag war sportlich! Bei Wind von 4 bis 6 Beaufort hatten wir, hoch am Wind (er kam so knapp es ging von vorn), dauerhaft ordentlich Schräglage. Das spürten wir am ganzen Körper, denn selbst das Sitzen im Cockpit war heute anstrengend - vom Steuern ganz zu schweigen.
Wir erlaubten uns, den Rest des Tages mit Kochen, Essen und Nichtstun zu vernieseln. Da morgen kräftiger Südwind den Sund hochzieht, kommen wir nicht weiter. Also bleiben wir hier und und schauen uns ein wenig im Ort um. Schon von weitem grüßte eine große Burgruine. Die muss natürlich erkundet werden.
Die Fotos des Tages:


Der Hafen Borgholm und die Burgruine vom Wasser aus.




Zick-zack den Sund hinab ... 


Donnerstag, 6. September 2018

05./06.09.2018 Wo bleibt der Elch?


05.08. Södertälje - Fifång
Mit wehenden Fahnen verließen wir den Hafen Södertälje. Nicht, weil ich noch immer keinen Weg gefunden hatte, unser Liegegeld loszuwerden, sondern weil die Jungs vom Kanalbau wieder ihre Arbeit aufnahmen ... bam-bam-bam - es werden Stützen in den Boden gerammt.
Nach ein paar Seemeilen ging das Umfeld von hässlichem Kanal ....



...wieder in malerische Landschaft über.


Akribisch suchte ich das Ufer ab. Es war hier so einsam, es gab so viel Wald mit Schilfgürtel am Ufer - es muss hier einfach Elche geben. Das Thema Elch Sichtung steht auf unserer Schwedenliste noch auf der to-do-Seite. Ha, ich seh was, da läuft was braunes durch den Wald zum Wasser. Ja, ja, jaaa.... zeig dich (die Kamera im Anschlag).... eine Kuh, mpfff. Bevor ich noch wahnsinnig wurde, kam zum Glück die Einfahrt in unsere heutige Ankerbucht. Ganz tief drinnen, kurz vorm Flachwasser hatte sich ein Bootsverein eine kleine Steganlage hingebastelt.


Da diese schon gut belegt war, warfen wir den Anker kurz davor ins Wasser, gruben ihn tief ein (mit dem Rückwärtsgang) und setzten uns bei schönstem Abendwetter mit einem Bier ins Cockpit. Man, waren wir müde. Wovon war uns irgendwie nicht klar. Schnell noch eine Pizza belegt, ab in den Ofen und mit einem schönen Glas Rotwein genossen. Das machte unsere Müdigkeit nicht gerade weniger. Also kämpften wir nicht lange und packten uns in die Koje - der nächste Tag sollte für uns mal etwas früher starten.

06.08. Fifång - Örskär
Segeln steht auf dem Programm  Also, auf unserem. Ob das Wetter das auch so sieht, wird sich noch zeigen. Kurz nach sieben steigen wir bestens ausgeschlafen aus der Koje und machen uns noch ein kurzes Frühstück. Noch ein wenig Aufräumen, Boot klarmachen und Ankerauf. Halb neun hatten wir die Insel schon hinter uns und fuhren zum Fahrwasser, welches uns südlich aus den Schären bringen sollte. Noch unter Motor, der Wind lag noch in den Federn.
Nach knapp 9 sm setzten wir Großsegel und Gennaker (das große bunte Vorsegel für schwache Winde) und ... bewegten uns immerhin vorwärts. 3,5 bis 5 Knoten (um die 7 bis 9 km/h) Geschwindigkeit sind jetzt nicht so der Bringer. Wir haben heute eine Strecke von über 60 sm vor uns, da geht Bummeln gar nicht. Also Großsegel runter, damit aller Wind ins Gennaker geht, noch ein bisschen Segeltrimm (Segelstellung verändern) und schon... kam mehr Wind auf.


Von da an düsten wir mit 5 - 7 ktn voran, was eine Ankunft vor Sonnenuntergang möglich machte. Wir hatten nicht viel Lust drauf, im Dunkeln in einer unbekannten Bucht vor Anker zu gehen
14 sm vor dem Ziel ging uns der Wind aus. Mit 6 - 7 ktn von schräg hinten ist eine dicke Bavaria nicht sonderlich zu beeindrucken. Gennaker runter, Motor an und der untergehenden Sonne entgegen.

Klarieren der Leinen vom Gennaker
Unsere Ankunt war eines kleines Rennen gegen die Sonne. Wer gewinnt? Liegen wir noch vor dem Sonnenuntergang vor Anker?





Und der Gewinner heißt: Ari!


Kurz vor Sonnenuntergang (hier oben: 19:37 Uhr) warfen wir den Anker - Mist, der rutscht. Wieder Ankerauf, an anderer Stelle neu gesetzt - hält. Aber jetzt würden wir von der einlaufenden Strömung in Richtung von Felsen getrieben. OK, Ankerauf (nein, wir haben keinen Hunger) und noch eine neue Stelle gesucht. Anker runter, eingegraben, den zweiten Anker diesmal mit ins Spiel gebracht und vom Heck aus versenkt, jetzt wieder ein Stück nach vorn fahren und beide Anker sind eingegraben.
Und noch vor dem Sonnenuntergang fertig. Erster!



Einer räumt das Deck auf, der andere macht Essen.... warm. Ja, heute gab es mal Dosenfutter. Und wir müssen leider zugeben, daß Kohlrouladen aus der Büchse echt lecker sind.

Hier noch, kurz vor dem Einschlafen auf der Tastatur, der heutige Track und ein lustiger Anker-Kringel: