Freitag, 24. Juni
Es ist schon bald elf Uhr, als wir das "Standardprocedere Urlaubsmorgen" entspannt und erfolgreich abgeschlossen haben. Nun aber zackig, denn wir haben noch viel vor.
Wir möchten heute Læsø kennen lernen. Das hiesige Restaurant vermietet unter anderem auch drei Elektroautos. Dieser hier, ist nach wenigen Minuten unser, zumindest für diesen Tag.
Man gibt uns eine kurze Einweisung in die Besonderheiten des Fahrzeugs und dann geht es auch schon los. 91 Kilometer Reichweite, signalisiert uns das elektronische Display. Die Mitarbeiterin des Restaurants versichert uns, es seien letztendlich locker über 100 Kilometer "depending on the speed". Wir schalten vorsichtshalber schon mal alle unbenötigten elektrischen Verbraucher aus. Statt der Klimaanlage nutzen wir dann vorsorglich die heruntergekurbelten Scheiben, um uns bei rund 24°C von der Seeluft durchpusten zulassen.
Am Ende des Tages werden wir die grün markierten Orte erfolgreich abgefahren und erwandert haben und um es vorwegzunehmen, unser batteriebetriebener Untersatz hat die von uns auf etwa 50 Kilometer geschätzte Gesamtstrecke mit weniger als einer halben Batterieladung gemeistert. Allerdings gelten hier auf Læsø auch Idealbedingungen für Fahrzeuge dieser Art. Verkehrsleere, meist anderthalbspurige, Straßen ohne Ampeln auf denen wir so zwischen 40 km/h und 60 km/h "schnell" unterwegs waren, um uns in Ruhe während der Fahrt die Landschaft anschauen zu können. Das stört hier niemanden, denn in der gesamten Zeit fuhr ein einziges Fahrzeug auf und überholte uns dann. Bei Gegenverkehr nutzen beide Fahrer den stets gut gemähten Seitenstreifen, um einander mit leicht gedrosselter Geschwindigkeit zu passieren. Uns kamen den gesamten Tag vielleicht ein Dutzend Fahrzeuge entgegen. Irgendwie paradiesische Zustände. Ansonsten gibt es eine zweispurige Route die die Orte "Westhafen" (rot, 1), Byrum (rot, 2) und den "Osthafen" (rot, 3) verbindet. Ein Teil der Sackgassen Richtung Küste sind gut ausgebaute Schotterpisten. Entsprechend gut gepudert hatten wir unseren Peugeot dann auch wieder am Abend im Restaurant abgegeben.
Doch nun zu unserer Erkundungstour. Wir starten, wer hätte es gedacht, bei Nummer "1, grün" in Østerby Havn (Osthafen), um nach - na? - richtig "2, grün" Byrum, zu fahren. Byrum ist einer der drei größeren Inselorte, wobei zu erwähnen ist, dass ganz Læsø weniger als 1.800 Einwohner zählt. Bei einem kurzen Rundgang kommen wir auch am Læsø Museum vorbei, das im Wesentlichen die Inselgeschichte thematisch behandelt. Wegen des schönen Wetters gehen wir aber nicht hinein.
Unser Ziel ist der Thorwald Hansens Tårn (Turm). Ein 17 Meter hoher Aussichtsturm auf einer kleinen Anhöhe in Byrum. Er wurde 1927 von Thorvald Hansen gebaut, welcher Holzschuhmacher, Fahrradreparateur und ehemaliger Seemann war. Vom Turm aus hat man eine schöne Aussicht in die Weite Læsø´s.
Doch die Küste ist hier noch einige Kilometer entfernt und die Sicht zu diesig, als das hier ein vorzeigbares Panorama entstanden wäre. Wir behalten die schöne Erinnerung im Kopf.
Wenige Autominuten weiter südlich erreichen wir unter "3, grün" Læsø Saltsyderi. In der Salzsiederei Læsø Saltsyder wird das Salz durch das Eindampfen von gesalzenem Grundwasser des unter Naturschutz stehenden Gebiets Rønnerne gewonnen, das direkt vor der Salzsiederei liegt. In der Salzsiederei wird das Salz in offenen Eisenpfannen nach alten Siedetechniken von Hand gemacht. Mit etwas Glück kann man den Siedern bei der Arbeit in den Siedehütten zusehen.
Hier ist einer von mehreren Siedeöfen zu sehen. Alle werden noch mit Holz befeuert. Die Feuchtigkeit der dampfenden Salzlache wird mit dem ständig wehenden Wind durch die geflochtenen Seitenwände der Salzhütte nach draußen geblasen.
Diese Salzkristalle finden wir in aus Weidenholz geflochtenen Körben. Dort steht das Siedesalz zur weiteren Trockung bis es verpackt werden kann.
Das gesamte Areal erinnert an einen Westernhof ...
Nicht ganz so stilvoll, dafür deutlich moderner, fahren wir weiter in den Südwesten von Læsø. Auch hier befinden wir uns, wie im gesamten Süden der Insel, in einem Flachwassergebiet. Das Flachwasser ist gut durchströmt und dadurch nur halbwarm aber sehr sauber.
Vom Parkplatz aus (4, grün) haben wir die Möglichkeit barfuß durch ein vielleicht 80 Meter breites wadentiefes Fließ zu stapfen, bevor wir die rund 4
Kilometer lange vorgelagerte Insel mit traumhaften Sandstrand erreichen ...
Strahlender Sonnenschein sorgt bei angenehmen Wind für Wohlfühltemperatur. Und wir haben die Badehandtücher nicht dabei ...
Das Wasser ist hier für Ostseeverhältnisse aufgrund der geringen Tiefe fast warm (selbst für Harry´s Verhältnisse).
Am Strand finden wir natürlich die "üblichen Verdächtigen" ...
... und den Rückenwirbel eines Seehundes, Schweinswales oder wer weiß das schon ...
Wir haben in etwa die Hälfte der für heute geplanten Tagesdistanz geschafft und brechen auf in den Nordwesten der Insel. Dort erwartet uns bei "5, grün" der "Westhafen".
Neben einem Yachthafen gibt es hier auch eine Fährverbindung zum dänischen Festland, genauer Frederikshavn.
Bei unserer Runde durch den Hafen sehen wir dann tatsächlich die Finnen wieder, die uns mit ihrem Boot (rechts im Bild) im Fycksesund (Hardangerfjord) begegnet waren. Was für ein Zufall!
Minuten später läuft gerade diese millionenschwere "Y7" des Greifswalder Herstellers Y-Yacht´s hier im Hafen ein. Sieben steht hier für 70 Fuß Länge oder 20,35 Meter. Durch die sehr schmale Hafeneinfahrt wird diese Yacht von einem Ehepaar dirigiert. Ein eigens reservierter Liegeplatz in direkter Zufahrt erleichtert neben den Bugstrahlrudern vorne und hinten, das Anlegen. Dennoch ein beeindruckendes Schauspiel ...Natürlich stehen, wie in fast allen skandinavischen Ländern, auch hier üppig bepflanzte Blumenkübel im Hafen. Diese Blüten haben uns besonders gut gefallen. Erinnert ein wenig an eine Passionsblume.
Am Strandabschnitt von "6, grün" finden wir nichts Außergewöhnliches und fotografieren nur diese windgepeitschte Kiefer ...
Vor unserem letzten Ziel des heutigen Tages, kommen wir kurz bevor wir Horneks "7, grün" erreichen noch an einem kleinen Binnensee vorbei, den wir eher zufällig zwischen dichtem Buschwerk am Straßenrand entdecken.
Der Tritt auf die Bremse mit anschließendem Verlassen des Autos wird mit dieser Ansicht belohnt ...
Eigentlich ist der gesamte See ein Naturidyll, doch die Sonne steht ungünstig und wegen der angrenzenden Viehweiden kommen wir nicht an das gegenüberliegende Ufer. So bleibt die Totale unfotografierbar und uns nur die Erinnerung. Unheimlich schön! Mittendrin schwimmt ein etwa entengroßer uns unbekannter Vogel. Auch mein gutes Zureden will ihn nicht dazu ermuntern, näher zu kommen. So bleibt er gut 60 - 80 Meter entfernt im Gegenlicht. Nichts für einen guten Schnappschuß, obwohl ich alles gebe. Die vierte uns unbekannte Vogelart in einem Urlaub, von denen wir immerhin drei Arten später identifizieren konnten. Wir kommen uns schon ein wenig wie Sielmann vor.
Für die jüngeren Leser: Heinz Sielmann war ein deutscher Tierfilmer, Kameramann, Fotograf, Buchautor, Produzent, Zoologe und Publizist, der überwiegend in den 70´ger und 80´ger Jahren die Fernsehzuschauer mit seinen "Expeditionen ins Tierreich" bannte. Seither wollte ich auch immer mal hauptberuflicher Tierfilmer werden. Na ja - jetzt bin ich immerhin gelegentlicher Tierfotograf und Tierfilmer.
Hier, direkt nebenan, ist im Hintergrund schon die Küste von Horneks zu erahnen und da fahren wir jetzt hin.
Hier erwartet uns dieser Traumstrand (zumindest für dänische Verhältnisse, was keine Kritik sein soll) ...
Doch Katrin fühlt sich wegen der ganztägigen Sonnen-intensiv-Bestrahlung nicht mehr gut und so brechen wir nach ein paar Minuten Rast im Schatten und diesen Aufnahmen wieder auf, um plangemäß zurück zum Boot zu fahren.
Stillleben am Strande ...
Viele Eindrücke haben wir ausschließlich auf Film festgehalten. Diese lassen sich hier so nicht angemessen wiedergeben. Daher endet die heutige Rundfahrt an dieser Stelle. Zwei Tag bleiben wir noch auf dieser Insel. Morgen, Samstag, ist sowas wie Ruhetag und gleichzeitig Midsommar-Samstag in Skandinavien.
Vermutlich melden wir uns erst am Sonntag mit einer Fotoserie zum Südosten von Læsø wieder.
Bleibt uns gewogen und weiterhin neugierig. Danke für´s Lesen.
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| Katrin & Harald |































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