Freitag, 17. Juni 2022

16. Juni 2022 Von LEIRVIK nach HAUGESUND

Da uns heute mit gut 27 Seemeilen kein langer Törn bevorsteht, läuft unser Morgen recht entspannt ab. Erstmal Kaffee, dann Frühstück, dann Aufräumen .... und das übliche Prozedere vor dem Ablegen läuft an. Unsere französischen Nachbarn, ein älteres Paar, machen im selben Moment klar zum Ablagen. Wir hatten schon bei deren Anlegen und unserer Hilfe dabei bemerkt, dass die beiden tatsächlich keine Sprache außer ihrer eigenen sprechen. Sie kann ein paar Schlagworte in Englisch, aber das war es dann auch schon. Harry fast sich ein Herz und all seine Schulvokabeln und versucht sich in einem üblichen Stegplausch über das Woher und Wohin. Die strahlenden Gesichter der beiden über die (hörbare) Mühe, die sich Harry macht, sie in ihrer Sprache anzusprechen, ist kaum in Worte zu fassen. Aha, sie wollen weiter nördlich und ja, wir fahren südlich, weil der Urlaub nach sechs Wochen zu Ende geht. Zu mehr reicht es nicht, war aber genüge, um (als Deutscher in Norwegen) ein wenig Gastfreundschaft zu zeigen. Sie werden Harry auf ewig in ihrem Herzen tragen 😇   Kurz nacheinander legen wir ab.

Es ist wie versprochen trocken, aber mit kleinen feinen Nieselschauern muss noch gerechnet werden. Für den Nachmittag versprach die Wettervorhersage Aufheiterungen bei 17 Grad. Allerdings sollen wir wieder sehr wenig Wind direkt auf die Nase bekommen - die Segel werden also weiterhin eingerollt bleiben. Mit vorsichtigem Optimismus auf einen schönen sonnigen Nachmittag starten wir um dreiviertel zehn den Motor.


Es geht ein letztes Mal vorbei an dem Riesen "Pioneering Spirit" in der Bucht unseres Hafens und später an der Werft mit den vielen Kränen und maritimen Bauprojekten.

Das Wasser ist wieder fast spiegelglatt; kein Wunder bei 2 Knoten Wind. Die einzigen Wellen kommen vom regen Schiffsverkehr, kaum das wir auf dem Fjord unterwegs sind. Fähren, Schlepper und  Frachter sowie die mit uns den Hafen verlassende Segelyachten verlangen sofort unser aller  Aufmerksamkeit, damit aus dem Knäuel aus sich kreuzenden Kursen schnell wieder geordnete Verhältnisse werden. 





Der Motor tuckert, wir haben den üblichen Knoten Gegenstrom (bei ablaufendem Wasser...?!?!???) und der Himmel über uns wird langsam etwas freundlicher. 


Wir haben während unseres Aufenthaltes hier im Fjord gelernt, auf aufgeregt fliegende Möwenschwärme zu achten. Oft befinden sich unter ihnen im Wasser Schweinswale auf der Jagd. Wie aber ist es mit vielen - auffällig vielen - auf einem Fleck schwimmenden Möwen? Dann sind fischende Normalbürger dabei, ihren Fang zu putzen und die Abfälle an die wartende Meute zu verteilen 😊

Besonders frech finde ich ja die Möwen auf dem Bugkorb und dem Motor des Bootes


Fahrt unter Motor ist eine sehr langweilige Angelegenheit. Da ruft es nach alternativen Beschäftigungen für den, der nicht den Autopiloten und die Umgebung überwacht. Da die todo-Liste für das Boot nicht mehr viel hergibt und auch der Steuermann mit Essen und Trinken versorgt wurde, war für mich Müßiggang angesagt. Unsere Bordbibliothek ist reich gefüllt. Neben Fachbüchern und Revierführern für Nord- und Ostsee gibt es auch Biografien und Reiseberichte -  natürlich von Seglern. Da unsere eigene Zeit unter Segeln gefühlt ewig her ist, ist dieses Buch des "Non-stop-Einhand-Erdumseglers" Moitessier gut für die Seele. 



Und dann kommt der Moment, in welchem wir den Hardangerfjord verlassen. Gut, natürlich, kein genauer Punkt, aber die Wasserfläche wird immer breiter, man sieht gut die offene See und die Berge rücken mehr und mehr in den flauen Hintergrund:


Mach es gut, Hardangerfjord, du hast uns viel gegeben aber auch wieder einmal sehr geprüft. Die leidige Wetterprüfung haben wir auch beim zweiten Mal nicht bestanden - wir stehen einfach nicht auf so viele  regennasse Tage ohne segelbaren Wind. Aber deine Landschaften sind so atemberaubend schön und machen weiterhin Lust aufs Entdecken. Jedoch sehe ich uns hier eher mit dem Auto, sollten wir noch einmal wiederkommen. Alles, was vom Wasser aus ging, haben wir unserer Meinung nach erlebt und gesehen. 

Der Landschaftswechsel wird an der Küste schnell deutlich. Es wird wieder flacher und sieht mehr nach Schärengebiet aus.

Kurz vor Erreichen der Einfahrt in den Haugesund







Die Ein-/Ausfahrt in den Sund ist gesäumt von einer großen Werftanlage. Dahinter geht es fast unmerklich in alte und neue Speicher- und Wohnhäuser über. Mittendrin ein mittlerweile gewohnter Anblick - ein dickes Kreuzfahrtschiff hat am Aussenkai der Stadt festgemacht.



Am Innenkai, in dessen hinteren Bereich auch wir wieder festmachen, liegen die für das Kreuzfahrtschiff benötigten Schlepper. Ohne diese dicken Brummer kommt so ein großes Schiff - dieses hier hatte eine Länge von über 300 Metern - nicht mehr allein bzw. schadfrei aus dem Hafen.



Noch dick eingemummelt fahren wir am Innenkai der Stadt entlang.

Letzten Endes liegen wir fast auf den Meter genau wieder auf dem selben Liegeplatz wie auf dem Hinweg. Das ist gar nicht so selbstverständlich, denn der innere Hafenbereich ist schon gut gefüllt. Die Promenade ist voll von Menschen. Am frühen Nachmittag und unter der Woche, selbst bei dem schönen Wetter, etwas ungewöhnlich - wenn man das Kreuzfahrschiff draußen bei seinen Überlegungen vergisst. Der typische Tourist ist auch hier schnell zu erkennen. Viele tragen ihre Bordkarten sichtbar an Schlüsselbändern um den Hals. 















Für den Rest des Tages beschert uns der Wettergott einen warmen und sonnigen Aufenthalt auf der Promenade, im Cockpit und später nochmals mit einem Bier auf der Bank vor unserem Liegeplatz.  Den Sonnenuntergang um 23 Uhr (!) erleben wir nicht mehr, da liegen wir schon tief schlafend in unseren Kojen.

Morgen werden wir noch hierbleiben. Die Wetteraussichten schreiben das ins Logbuch. Aber dazu im nächsten Post mehr.

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