Sonntag, 12. Juni
Schon der morgentliche Blick aus der Luke des Salons Richtung Mast verheißt nichts Gutes. Der Himmel grau in grau und es regnet. Der Wetterbericht sollte Recht behalten, was das Wetter des heutigen Tages betrifft und alle Wetterdienste waren sich heute mal einig. Die Tageshöchsttemperatur für Ulvik hatten wir mit 13°C bereits erreicht. Diese würde auf 10°C sinken, wenn wir Norheimsund im Südwesten erreicht hätten. Wir selbst messen 16°C - und fühlen uns dabei gleich besser.
Gegen 10:00 machen wir die Leinen los und uns auf den Weg. Knapp 30 Seemeilen, die heutige Distanz. Doch die Sache hat ein Gutes. Wir fahren jetzt sozusagen Flussabwärts und ab 11:00 setzt die Ebbe ein. Die fallende Tide lässt das Wasser Richtung Nordsee abfließen, wodurch wir bei geringer Motordrehzahl locker 6 Knoten machen, denn der Wind ist mal wieder im wahrsten Sinne des Wortes gegen uns. Unserer Hauptfahrrichtung Südwest bläst er direkt im Mittel entgegen, wobei er kräftig hin und her dreht. Die Windstärke, zu Beginn 5 Knoten, später 8 kn in Böen 27 kn (6 Bft).
Es ist dann irgendwann deutlich nach 11:00, doch wir haben unverändert die Strömung gegen uns. Sie schwankt so um einen Knoten. Es regnet leicht, dann sehen wir für Minuten einen kleinen blauen Fleck am Himmel. Kurz danach schüttet es wie aus Kübeln.
Es ist 13:00 durch und die Strömung beträgt jetzt 2 kn in Spitzen 2,5 kn - Gegenstrom! "flussaufwärts!" bei seit 2 Stunden fallender Tide. Wie kann das sein???
Plausible Erklärungsversuche fallen uns hierzu nicht ein. Vielleicht hat ja einer unser segelerfahrenen Leser eine Idee hierzu.
Kurz bevor die die Hardangerbrücke erreichen, briest der Wind auf 12 kn (4 Bft) auf. Der Hardangerfjord mach hier einen leichten Knick und verläuft etwas südlicher als zuvor. Das ist unsere Chance und wir setzen die Segel.
Doch der Wind dreht noch weiter rum als sich der Fjord hinter seinem Knick biegt und so hat sich das Thema nach einer Viertelstunde und 1,4 gesegelten Meilen schon wieder erledigt. Der Motor läuft wieder, die Segel sind eingerollt.
Bei der derzeitigen Gegenströmung ist auch nichts mehr mit aufkreuzen. Auf der gesamten heutigen Fahrt sehen wir tatsächlich nur eine Fähre und ein Motorboot. Niemand ist sonst auf dem Wasser unterwegs.
Grundsatzfragen kommen auf. Unsere Schlechtwetterquote in diesem Urlaub ist dermaßen übel, dass man sich ganz sachlich fragen muss, ob es das wert ist, seinen Urlaub für eine Reise nach Norwegen, vielleicht sogar Skandinavien generell, zu opfern. Denn sowohl unser letzter Norwegentörn als auch der letztjährige Schwedentörn fielen ähnlich aus.
Hinzu kommen die miserablen Windverhältnisse in diesem Jahr in deren Konsequenz wir in diesem Urlaub bisher 375 sm unter Motor gefahren und lächerliche 351 sm gesegelt sind. Ein vernichtendes Ergebnis, das mich auch dann nicht besser stimmen würde, wenn morgen 20 Schwertwale vor uns synchron Salti schlagen würden.
Nach insgesamt 6 Stunden laufen wir dann im Regen im Hafen von Norheimsund ein. Nach GPS haben wir in dieser Zeit eine Distanz von 29,6 Seemeilen zurückgelegt. Durch die Gegenströmung des Wassers waren es hingegen 35,6 Seemeilen Fahrt durch´s Wasser, also genau 6 Seemeilen weiter, flussabwärts, bei fallender Tide. Was stand da bei Wikipedia: "Ein Troll ist ein unberechenbares Fabelwesen der nordischen Mythologie, das die Naturkräfte verkörpert ... "
Morgen ist Wäschewaschtag, weswegen wir noch einen Tag hier bleiben, und dann am besten schnell weit, weit weg ...















Ihr Lieben, wenn wir Eure Fotos anschauen, sieht alles nach einem wunderschönen Törn aus. Aber Ihr musstest ja viel Geduld und Ausdauer haben. Da können wir nur raten: der nächste Törn muss Richtung Süden gehen ! Wir haben nach 14 Tagen auch heute einen Regentag gehabt, konnten aber trotzdem 3 Stunden wandern. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege in einer Woche in der Höhe von Göteborg, falls Ihr da lang schippert. Ganz liebe Grüße Christine und Gerd
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