Mittwoch, 15. Juni 2022

15. Juni 2022 Von ROSENDAL nach LEIRVIK

Es ist halbneun Uhr morgens und ... irgendetwas stimmt nicht. Es ist hell da draußen - zu hell. Kaum zu fassen, aber die Sonne scheint. Na das hebt sofort die Stimmung. Wir hatten uns schon auf den vorhergesagten Vormittag ohne Regen gefreut, aber Sonne war dabei nicht als Teilnehmer gemeldet. 

Vor lauter Freude gönnten wir uns ein schönes, ausgiebiges Frühstück und machten dann uns und das Boot klar zum Ablegen. Was für ein Anblick: 



Gut, ja, wieder mal kein Wind, aber motoren bei trockenem Wetter ist nur noch dreiviertel so schlimm.

Über den Bergen hängen noch dicke Wolken, aber die sind eher ungefährlich



Heute geht es gut 20 Seemeilen weiter nach Nordwest, nach Leirvik. Dieser Hafen liegt schon recht nah am Ausgang des Hardangerfjords.

Unser Beweisfoto für warmes und trockenes Wetter


Motor und Autopilot arbeiten - Zeit für uns und eine kleine Sommerparty

Leider wird dieses Wetter hier im Hardangerfjord nicht so bleiben. Schon ab Freitag regnet es vielerorts wieder ergiebig und bis über das Wochenende hinaus. Also - weg hier.

Die Sicht ist heute wieder viel besser. Schon aus 25 km Entfernung sehen wir die Kräne der Anlage hinter unserem Zielhafen.



Schnell noch einen gesunden Snack, bevor es an eine ungeliebte Aufgabe geht ... 



... der Stauraum unter unserem Bett in der Bugkajüte bedarf dringend einer Reinigung. Hier lagern u.a. die (aktuell leeren) Kanister mit dem Reserve-Diesel, heimliche Bierreserven (fast aufgebraucht), ein paar Ersatz-Leinen und -Fender und anderes, was man nicht täglich/wöchentlich benötigt. Aufgrund der Ausmaße des Stauraums kein leichtes Unterfangen. Aber endlich kann dieser Bereich nach dem Säubern auch richtig abtrocknen. In den letzten Tagen war das nicht möglich. Also - ran ans Werk: 

Im Bereich hinter mir ist einer der zwei Wassertanks des Bootes (150 Liter) eingebaut.

Während dessen an Deck:

Hier gab es vermutlich einen Motorschaden; das kleine Weiße wird geschleppt

Es gibt heute wieder ein wenig mehr Individualverkehr auf dem Fjord. Neben den üblichen Fähren endlich wieder andere Segler. Dieser hier hatte wirklich die Ruhe weg. Bei ganzen 6 Knoten Wind (man sieht es am einfallenden Vorsegel) ist er so langsam, dass er in Ruhe nebenbei angeln kann.


Gleich sind wir da. Die Kräne hinter dem Hafen zeichnen sich nun deutlich ab. 


Aber erst müssen wir uns noch mit diesem Frachter einigen. Er muss unsere Fahrlinie kreuzen, um an sein Ziel zu kommen und wartet nur noch, dass wir endlich weg sind. 



Jedoch kommt von schräg hinten dieser schnelle Katamaran auf... 


... deutlich mit dem selben Ziel wie wir und sehr deutlich wichtiger als wir. Eine Schnellfähre mit der Aufgabe eines Krankenwagens. Jetzt ergibt für uns der im Hafenbereich immer bereitstehende Elektro-Krankenwagen einen Sinn. Er wird wohl den letzten Weg bis zum Krankenhaus übernehmen.
Deshalb nimmt Harry etwas Gas weg und macht damit dem schwimmenden Krankenwagen Platz, so dass er vor uns die schmale Zufahrt zwischen den vorgelagerten Inseln nehmen kann. Das wiederum bringt den Frachter nun etwas aus dem Konzept. Er geht zurück auf seine ursprüngliche Kurslinie und wartet ab, bis wir uns nach dem Ambulanz-Katamaran endlich vom Acker machen. Erst dann legt er deutlich seinen gewünschten Kurs an, mit welchem er hinter uns durchgeht.

Kaum haben auch wir die enge Durchfahrt passiert und bestaunen einen in der Bucht vor Leirvik liegenden Riesen-Katamaran...


... kommt die nächste Schnellfähre mit Ziel Leirvik reingeschossen. 



Anders kann man das Tempo nicht bezeichnen. Draußen auf dem freien Wasser fahren diese Fähren rund 26 Knoten schnell und diese hier scheint noch nicht viel langsamer zu sein. Das Ergebnis ist eine deftige Heckwelle, die Boot und Harry und mich ordentlich durchschaukelt. Als sich alles wieder beruhigt hat bleibt noch Zeit, den vor uns liegenden Riesen zu bestaunen. 


Die Pioneering Spirit ist ein Schwergut- sowie Pipeline-verlegendes Arbeitsschiff des schweizerischen Offshore-Dienstleisters Allseas. Das Schiff ist das weltweit größte Arbeitsschiff und überdies das größte jemals gebaute Schiff nach Bruttoraumzahl und Breite. Die Gesamtkosten des Schiffes werden auf drei Milliarden US-Dollar geschätzt. Mehr dazu auf Wikipedia.
An diesem Koloss mit einem nicht ganz 12m-langen Segelboot vorbeizufahren ist schon sehr beeindruckend.

Nachdem wir an der zum Hafen gehörenden Tankstelle nun auch die drei Reservekanister wieder mit Diesel (für fast genau 2 Euro der Liter) gefüllt hatten, fuhren wir gegen 14:20 Uhr in den noch ziemlich leeren Gästesteg des Hafens. Der am Nachmittag aufkommende kurze Schauer mit etwas Niesel störte nicht mehr - die Mischung machts 😉

Jetzt, am Abend, ist der Gästesteg schon recht international geworden. Es liegen nun Segelboote aus Frankreich, England, den Niederlanden und Deutschland hier. 

Mit dem morgigen Törn (nochmals unter Motor) nach Haugesund legen wir uns für das Wochenende schon mal in Startpositition. Es soll ... eventuell ... vielleicht ... höchstwahrscheinlich ... eine recht stabile Wetterlage mit Westwind- bis Nordwestwind kommen, die sich mit normalen Windgeschwindigkeiten sogar ein paar Tage halten soll.  Diese würden wir nutzen, um ein gutes Stück südlich die Küste Norwegens hinabzusegeln.  Vorgestern war noch für das kommende Wochenende schwerer Sturm für die Südwestküste Norwegens angesagt, den wollen wir aber nicht. Also bitte für uns Daumendrücken, dass das diesmal so wie jetzt angesagt bleibt. Und bloß nichts laut aussprechen .... pssst ... die Trolle hören doch mit. 

Wir halten euch auf dem Laufenden.

Katrin & Harry


 





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