Samstag, 11. Juni
Wir haben uns entschieden, heute noch einen Tag in Ulvik zu bleiben. Noch einmal richtig ausschlafen, irgendwann in Ruhe frühstücken und dann sehen wir weiter.
Der Tag begrüßt uns zunächst etwas düster. Doch es herrscht annähernd Windstille und so machen wir aus dem Cockpit dieses Foto.
Blick nach Südwesten entlang des Ulvikfjordes. Im Hintergrund der Folgefonna. Der Folgefonna ist mit einer Fläche von 207 Quadratkilometern Norwegens drittgrößter Gletscher. Sein Name bedeutet: Land, das nicht bewirtschaftet wird.
Bei einer Tageshöchsttemperatur von 17°C ist heute alles an Wetter dabei, was der April so bietet. Nach einem kurzen Regen entsteht ganz kurz dieser Regenbogen, den Katrin gerade noch so im Foto festhalten kann.
Bevor wir uns dann zu Fuß auf den Weg machen, die Gegend ein wenig zu erkunden, haben wir noch ein kleines BootsCheck- und Wartungsprogramm vor uns.
Wir müssen mal wieder den Seewasserfilter für den zweiten (externen) Kühlwasserkreislauf des Motors reinigen. Ein Kunststoffsieb, das die Schwebeteilchen aus dem Meerwasser filtert, bevor es durch den Wärmetauscher des Motor gepumpt wird, um dann durch den Auspuff alle paar Sekunden ausgespuckt zu werden. Hört sich merkwürdig an - ist aber Yachtstandard. Je nach Gewässer setzt sich dieser Filter unterschiedlich schnell zu. Hier in den Fjorden scheint eine wöchentliche Reinigung sinnvoll zu sein und die Dauert nicht länger als fünf Minuten.
Mit der Duschpumpe verhält es sich ähnlich. Alles, was zuhause einfach abfliest, wird im Boot durch elektrische oder manuell Pumpen dorthin gepumpt, wo es dann abfließen kann. Leitungen mit Gefälle bei denen die Physik das übernimmt, lassen sich an Bord nur für die wenigsten Aufaben sinnvoll einsetzen.
Und dann waren da auch noch unsere beiden SeeWC´s mit ihren mechanischen Wasserpumpen. Diese befördern das Seewasser zum Spülen in die "Schüssel" und danach in den Auffangtank. Durch das Salzwasser werden diese Pumpen mit der Zeit immer schwergängiger. Alle etwa 3 Wochen müssen diese dann mal neu abgeschmiert werden. Dauert ebenfalls nur 5 Minuten. Das Wort "wartungsfrei" gibt es auf einem Boot nicht.
Dann ist noch Tanken angesagt. Seit unserem Urlaubsstart lief der Motor bis heute genau 59,4 Stunden. Bei Wasserfahrzeugen berechnet man den Verbrauch nicht in Bezug auf die gefahrenen Kilometer oder Seemeilen, sondern auf die Betriebsstunden des Motors. Wir haben einen Verbrauch von knapp 3 Litern pro Stunde. Bei rund 60 Betriebsstunden gehe ich von 160 Litern Diesel aus, die wir bisher während des Urlaubs verbraucht haben. Bei einem Tankinhalt von 210 Litern, hatten wir also noch einen Rest von 50 Litern Diesel im Tank. Zusätzlich haben wir immer 3 Kanister mit insgesamt 60 Litern gebunkert. Die haben wir heute nachgetankt, womit wir in etwa wieder halbvoll sind.
Warum sind wir nicht einfach an die Tankstelle gefahren? Die 60 Liter in den Reservekanistern sind inzwischen so um die 3 Jahre alt. Diesel hat im Gegensatz zu Benzin das Problem, dass sich Bakterien einnisten können, was dann zur sogenannten Dieselpest führt. Das passiert in Kraftfahrzeugen selten, da dort der Dieselumsatz im Tank viel höher ist. Wir kommen oft eine ganze Saison mit einer Tankfüllung aus. Das bedeutet, dass der selbe Diesel viel länger im Tank ist, als bei einem Auto. Hinzu kommt die Luftfeuchtigkeit im Tank, die auf dem Wasser viel höher ist, als auf der Straße. Ein Paradies für Dieselpestbakterien. Besonders anfällig für Bakterien ist Diesel, dem neben seinem Mineralölanteil auch Biodiesel beigemischt wurde, was an der Autotankstelle inzwischen selbst bei dem teuren "Premiumdiesel" der Fall ist. Daher gibt es an Bootstankstellen grundsätzlich reinen Mineralöldiesel, der dieses Problem verringert, nicht aber unmöglich macht. Kurz und knapp: Es war einfach an der Zeit den alten Diesel jetzt aufzubrauchen. Gott sein Dank, dass wir soviel Diesel verbraucht haben, weil wir immer so wenig Wind hatten. 😏
Auf unseren Spaziergängen sehen wir uns dann ja nicht nur die Landschaft an, sondern schauen uns auch gerne nach Kuriositäten um. Diese Möwe*in hat ihren Nistplatz auf einem nicht mehr als einen Meter hohen Baumstumpf eingerichtet, der sich direkt an einem Autoparkplatz befindet.
Er hält von einem Wagendach aus Ausschau ...
Die Region um Ulvik ist das Mekka des Apfelanbaus in Norwegen. Die Obstbauern in Hardanger nehmen für sich in Anspruch, den Champagner unter den Apfelcidern anzubieten. Was uns positiv auffällt ist, dass wir hier keine Großbetriebe sehen. Wir finden eine Vielzahl von Obstbaumgärten vor, die zwar sicherlich einige tausend Quadratmeter groß, nicht jedoch riesig, sind.
Bis hieraus Cider (Cidre oder auch Apfelmost) wird, vergehen wohl noch ein paar Monate ...
Kaum ein Garten, in dem nicht wenigstens ein Obstbaum steht.
| Auf einer Feuchtwiese entdecken wir diesen Brachvogel. |
Immer wieder regnet es auf unserer kleinen Tour, so dass wir dann irgendwann abbrechen und zurück zum Boot gehen.
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| Wenn ich groß bin, werde ich mal ein Kiefernzapfen. |
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| Die Dächer der alten Holzhütten werden hier typischer Weise mit Steinplatten gedeckt. |
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| Ein Austernfischer |
Morgen treten wir unsere Rückreise an. Also eine Rückreise von drei Wochen. Wir haben keine Eile und haben noch diverse Orte auf unserer Erledigungsliste, die wir anfahren können. Auch Wandertouren sind dabei. Jedoch wird das Wetter nächste Woche in dieser Region unbeständig bleiben, so dass es nicht sinnvoll scheint, sich lange in Hardanger aufzuhalten, obwohl wir das gerne würden.
Gerne hätten wir für zwei, drei Tage noch einen Abstecher in den Maurangerfjord, mit seinem Furebergsfossen (-wasserfall) und dem schönen Ort Sundal, gemacht, der am Fuße des Folgefonna (Gletscher) liegt.
Morgen geht es zunächst zurück bis Norheimsund. Hier werden wir erst einmal einen WäschewaschStopp einlegen und noch frische Vorräte bunkern, bevor es weitergeht.
Vom Urlaubsstart bis zu unserem entferntesten Ort, Eidfjord, waren es genau 680 Seemeilen (rund 1.260 km). Es bleibt also für den Rückweg noch genügend Zeit und Wegstrecke, um an bekannten und neuen Ufern viele weitere Kleinode der Natur zu entdecken.
Bleibt gespannt - wir sind es auch!
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| Katrin & Harald |

















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