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Freitag, 8. September 2017

02.-5.09.2017 Kurzurlaub zu dritt

Ein schwieriger Vorfall in unserer Familie band uns ein paar Tage an Berlin.
Als alles so weit geregelt war, packten wir unsere Sachen und flüchteten zum Boot. Entspannung und Ausruhen waren dringend notwendig. Aus diesem Grund waren wir auch nicht allein - meine Schwiegermutter musste dringend "raus" und auf andere Gedanken gebracht werden. Schon beim ersten Mal vor ein paar Wochen hatte Lilo die Seeluft tief eingeatmet und ein neues Hobby für sich entdeckt - Segeln! Was lag also näher, als sich zu dritt aus dem Staub zu machen.
Ein Wort unter Schwiegertöchtern zum Thema Schwiegermütter. Es gibt solche und solche. Lilo ist einer der äußerst seltenen Prachtausgaben - positiv gemeint. Sie mischt sich nicht ein, sie ist eher zu zurückhaltend und vor allem ist sie jung geblieben. Ja, diese Sorte Schwiegermutter gibt es wirklich und ich bin froh, in zweiter Ehe solch ein Glück erfahren zu dürfen.
So bin vor allem ich es, die Schwiegertochter, welche Lilo ermutigt, mit uns zu kommen. Wenn wir sie irgendwann einmal davon überzeugen können, dass sie uns nicht auf den Keks geht, könnten die Segeltörns der nächsten Jahren des öfteren zu dritt stattfinden.

Wir flogen am Samstagabend im Hafen ein und räumten unsere Sachen an Bord. Ein wenig rumgekramen, Wasser auffüllen, die mitgebrachten Lebensmittel verstaut und schon rief der erste Höhepunkt unseres Kurzurlaubs: Hafenfest in Neuhof.
Unser kleiner Hafen hatte sich hübsch gemacht. Die Gewerke vom Hafengelände (Bootsbauer und Motorenservice) stellten ihre Arbeit vor, der Betreiber des "Sundanglers" (Angelladen und -bootverleih) inklusive Hafenkiosk sorgte mit Grill und Räucherofen für leckere Fischgerichte.
Die Stimmung war bestens,


man traf sich mit anderen Seglern auf Bier und Schnack


und auf der Bühne sorgte ein Allround-Talent mit sehr guter Stimme und Improvisationstalent samt seiner musikalischen Verstärkung für Stimmung. Spätestens bei den Heimatliedern über die Ostsee sowie ein paar typischen maritimen Gassenhauern sang das ganze Publikum mit.


Bereits kurz nach Sonnenuntergang fielen wir uns unsere Kojen - zu aufregend war die letzte Zeit.

Am Sonntag, 03.09., genossen wir erstmal ein ruhiges und langes Frühstück. Da wir erst die Brückenöffnung (in Stralsund) um 12.20 Uhr nutzen wollten, hatten wir ausreichend Zeit. Der Wind hatte beschlossen, uns nach Hiddensee zu schicken. Eine gute Entscheidung.
Unter Segeln machten wir uns auf und bummelten auf dem Strelasund in Richtung Stralsund. Mangels Wind brauchten wir für die 5 Seemeilen fast 1,5 Stunden. Das war uns egal - wir waren sowieso früh dran und suchten ohnehin die pure Entschleunigung.


Ein schönes altes Plattbodenschiff wartet mit uns auf Durchlass
Zusammen mit mehreren anderen Booten warteten wir auf die Öffnung der Ziegelsteinbrücke. Als dann das grüne Signal für unsere Seite kam, rauschten wir im geordneten Pulk hindurch.
Vorbei am schönen Stralsund ...


... machten wir uns unter Motor auf ins Fahrwasser zwischen Rügen und Hiddensee. Unter Motor, weil das bisschen Restwind direkt aus Norden kam und wir genau dorthin wollten. Segeln fiel also aus.
Dieses Fahrwasser ist bei uns nicht gerade beliebt. Wir sprechen hier über eine Fahrrinne von ca. 6 Metern tiefe, die in das kaum einen halben bis rund einen Meter "tiefe" Wasser zwischen beiden Inseln gebaggert wurde.
Zum Glück fahren hier regelmäßig die Fähren zwischen Hiddensee, Rügen und Stralsund herum, so dass eine Versandung der Fahrrinne eher selten ist. Aber gerade bei einer Begegnung mit den größeren Fähren oder ordentlich Seitenwind wird das Fahrwasser gefühlt sehr schmal. Beim aktuellen Wetter (Sonne und 2-3 Beaufort Wind) war das alles kein Thema. Die Damen ließen sich vom Herrn an Bord durch die Gegend schippern ...


... und genossen Aussicht und Sonne. Uns kamen immer wieder Segel- und Motorboote entgegen - das Ende des Wochenendes warf seine Schatten voraus. Gut so - das bedeutete leere Häfen.


Unser Ziel war Kloster, der nördlichste der drei Sportboothäfen an der Ostseite Hiddensees.
Bereits bei der Einfahrt in den Hafen rief uns der Hafenmeister zu, das wir nicht im eigentlich gedachten neuen Teil unterkommen konnten. Draußen lief eine große Regatta und für deren Teilnehmer war dieser Hafenbereich reserviert. So quetschten wir in ins kleine hintere Hafenbecken, wo wir allerdings bei dem für Montag angesagten Starkwind aus West auch viel geschützter lagen. Vorerst als zweites Boot im Päckchen. Unsere Nachbarn fuhren aber am nächsten Vormittag ab, dann konnten wir direkt am Steg festmachen.


Die Regatta-Teilnehmer kommen rein, der neue Hafenteil füllt sich.
 Wir genossen die Abendsonne und fanden nach und nach zur Ruhe.
Wir kochten uns was Leckeres, schauten einen "Tatort" aus der Konserve und fielen später angenehm müde in die Koje.



Montag, 04.09.
Hiddensee wollte erobert werden. Nach einem ausgiebigen Frühstück schnürten wir die Schuhe und stiefelten die Hügel im Norden Hiddensees hinauf, Richtung Leuchtturm Dornbusch. Aufgrund des schlechten Wetters (5-6 Bft Wind, 17° C und jederzeit war mit Nieselschauern zu rechnen) waren wir nicht allein auf dem Weg. Trotzdem hatten wir das Glück, auf der Aussichtsplattform unter der Lichtkuppel fast allein den Weitblick genießen zu dürfen.





Bei Windstärke 6-7 (Bft) war es schon ein Abenteuer, die Aussichtsplattform des aktiven Leuchtturms zu umrunden. Was nicht angewachsen war, lief Gefahr, weggerissen zu werden.



Auf dem Rückweg zum Boot sahen wir aus wie ein japanischer Fotoclub. Jeder hatte einen Apparat zur Hand, ständig hockte einer von uns im Gras, denn überall war ein schönes Motiv zu finden.







Der Rest ist schnell erzählt. Am nächsten Tag reichte der Wind, um wenigstens bis Stralsund segeln zu können. Kurz vor der Stadt ging er uns aus und wir liefen unter Motor im Yachthafen Stralsund ein. Die Brückenöffnung um 12.20 Uhr hatten wir gerade so verpasst. Das gab uns Zeit für einen Besuch beim Italiener direkt am Hafen, ein paar Kugeln Eis zum Nachtisch und einer kleinen Siesta an Bord.

Am Folgetag zog es Lilo nach Hause. Uns erreichten schon auf Hiddensee schlechte Nachrichten und sie hatte nicht mehr die Ruhe, um weiter ein wenig Urlaub zu machen. Wir brachten sie zum Flixbus nach Stralsund und blieben selbst noch ein paar Tage an Bord. Es gab noch ein paar Dinge zu erledigen/zu reparieren, das Boot bedurfte innen und außen einer gründlichen Reinigung, usw.

Das Wetter selbst lud weder zum Segeln noch zum Verbleib an Bord ein. Es gab immer wieder Regen und der Wind stellte sich auf dauerhaft Starkwind mit Sturmböen ein. Eine gute Zeit, um sich mal richtig auszuschlafen, zu lesen oder Hörbücher zu hören, in Ruhe zu kochen und hier und da die Erledigungen abzuarbeiten.

Heute, Freitag den 08.09., hat das Wetter endgültig gewonnen. Der Wind frischte mal wieder ordentlich auf und der Regen stellte sich auf Dauerfall ein. Wir sind ausgeruht und die to-do-Liste ist abgearbeitet. Wir räumen Ari auf, schließen sie ab und machen uns auf den Weg in die Heimat.
Bis zum nächsten Mal, Dicke ....


Mittwoch, 23. August 2017

21./22.08.17 Seefest

Seefest ist ein zweideutiges Wort.
Als Substantiv steht es für enorm viel Spaß auf dem Wasser. Den hatten wir an allen vier Tagen, passt also bestens.
Aber als Adjektiv steht es für einen stabilen Magen - und den konnte ich nicht so richtig bieten. Aber ich greife schon wieder vor. Am Anfang des dritten Urlaubstages angefangen:

21.08.217 Ystad (Schweden)


Ystad liegt regenschwer im Morgenlicht. Es hat bis in die Nacht immer mal wieder geregnet. An Deck perlen große Wassertropfen in der matten Sonne. Vom Strand hinterm Anleger hört man die Wellen rauschen - was für ein Morgen!
Das Wetter ist so beständig wie schon das ganze Jahr nicht. Wir haben wieder 4-5 Bft Wind in der Wettervorhersage, nur diesmal aus Nordwest (an beiden Vortagen kam er aus Südwest). Das heißt für uns wieder halber bis raumer Wind (von der Seite bzw. von schräg hinten), da wir fast genau 180 ° nach Süden wollen. Die Welle ist nochmal ein wenig höher angegeben als am Vortag und sollte mit durchschnittlich(!) 1,50 m für genug "action" sorgen.

Wir verlassen den Yachthafen von Ystad gegen halb zehn. In der Einbuchtung des südschwedischen Festlandes dümpelt der Wind mit schlappen 3 Bft und kommt eher aus Richtung West, was ihn für einen Segelwind eher von schräg vorn macht (um dies zu erklären, müsste ich ziemlich in die Segelphysik abdriften, das wird leider etwas zu lang und ist mit Worten allen schlecht zu beschreiben).


Parallel zu uns verlässt ein schöner Traditionssegler den großen Hafen in Ystad. Schon kurz danach folgt eine moderne Fähre - die beiden nebeneinander ergeben einen schöner Kontrast:


Beim genauer Hinsehen erkennt man auf dem großen Segler, wie die Mannschaft in den Rahen arbeitet, um die Segel zu setzen. Was lobe ich mir unsere Rollsegelanlagen, die man beide direkt aus dem Cockpit heraus mit Leinen bedienen kann. Da oben möchte ich nicht bei jedem Wetter stehen müssen:


Nach und nach kommt Wind auf und setzt sich erstmal für eine ganze Weile bei 4 Bft fest. Die Welle ist mit ca. 0,75 m akzeptabel und wir rauschen gen Rügen. Nach dem ersten Wachwechsel sitze ich im Cockpit rum und merke, dass das irgendwie nicht mein Tag ist. Die erst leichte Schräglage geht mir auf den Keks, ich habe eigentlich gar keine Lust auf die mindestens siebenstündige Tour, das Wetter soll ja auch noch rauer werden und überhaupt ... Seekrankheit zeigt sich bei jedem Menschen anders. Bei mir genau so! Dazu kommt wohl oder übel auch ein rebellierender Magen. Die leichte Übelkeit kann ich noch lange unterdrücken, das geht leicht mit etwas Ablenkung und einer sofort eingenommenen Reisetablette. Als jedoch Hände und Füße ganz eicht anfangen zu kribbeln, steht alles auf Alarm. Das ist bei Harry und mir gleich: gesellen sich Kreislaufprobleme zur Übelkeit, dann geht es meist ganz schnell. Ich springe regelrecht auf und sage zu Harry nur "ich muss ans Steuer". Er übergibt es mir sofort, ohne weitere Frage. Noch ein paar Fakten (aktueller Kurs und eventuell kreuzender Schiffsverkehr, der beachtet werden sollte) und schon lässt er mich in Ruhe. Wir kennen das beide. Es ist eigentlich beeindruckend, wie sehr man sich mit Konzentration auf etwas anderes als sich selbst ablenken kann. Seekrankheit ist viel Kopfsache. Nach ungefähr 20 Minuten am Steuer kann ich schon wieder grinsen - ist mal wieder gut gegangen. Ich nehme die zweite Reistablette etwas früher als empfohlen und bin für dieses Mal verschont geblieben.
So können wir die zweite Hälfte der rund 50 Seemeilen Strecke bei stärker werdendem Wind mit satten 5 Bft und Wellen bis zu 2 m richtig genießen. Dazu blauer Himmel und Sonnenschein - ein weiterer perfekter Segeltag.




Harry kann nicht mehr aufhören zu grinsen. Es macht einfach nur Spaß. Zwar wird es knapp 15 Seemeilen vor Rügen schon richtig rau, aber Ari läuft, lässt sich gut steuern, denn die Segel sind leicht gerefft (also die Segelfläche wurde durch einrollen der Segel verkleinert).

Allerdings zeigt sich die Welle ziemlich keck. Mittlerweile direkt von der Seite kommend schaut sie locker über den gut einen Meter hohen Rand des Bootes. Fast so, als wollte sie nachsehen, ob sich ein Übersteigen der Bordwand und ein Besuch im Cockpit lohnt. Zwei, drei von ihnen zogen das auch gnadenlos durch und landeten ihre Gischt mit großem Platsch - auf uns. Wir nahmen das mit breitem Grinsen hin und sahen zu, dass das nicht allzu oft passiert. Wenn man diese Wellen anrollen sieht, kann man ihnen mit ein wenig Geschick am Steuer auch aus dem Weg gehen.

Hier ein kleines Beispiel, welches es nicht ganz ins Cockpit geschafft hat.
Wieder vor dem Hafen Lohme angekommen, holten wir die restlichen Segel ein. Mehr schlecht als recht, der starke Wind und die selbst so nah am Land recht hohe Welle machten es uns nicht gerade leicht. Im Hafen mussten wir dann feststellen, dass der Wind fast ungebremst durch das Hafengelände düste. Beim Einfahren in die Box kam er dann direkt auf die Seite - na, das kann ja ein Spaß werden. Da es das Wetter draußen nicht zuließ, ließen wir uns an die Dalbenreihe der Boxen treiben und machten sozusagen am Straßenrand fest, um unser Boot vorzubereiten. Dazu wurden die Leinen vorbereitet, die Fender liegen verteilt an Deck und der Bootshaken wurde aus seiner Halterung genommen. Wir sprachen alles durch, legten ab und Harry fuhr Ari in eine freie Box. Aber nur bis zur Mitte des Bootes .... der Dalbenabstand war doch tatsächlich nur wenige Zentimeter zu schmal für unser Boot, wir steckten fest. Na toll - und das bei diesem Wetter. Harry zottelte das Boot mit Hilfe des 55-PS-starken Motors wieder heraus und machte das einzig Richtige. Raus aus der Boxengasse, im Vorhafen eine Wende gefahren und die Boxen nochmal völlig neu angesteuert. Alles andere bringt bei solchem Seitenwind nichts. Die Gasse im Hafen ist für ein 12m-langes Boot viel zu schmal, als darin abenteuerliche Rangierversuche im Wettstreit mit dem Wind zu fahren. Im zweiten Anlauf in die benachbarte Box flutschten wir rein und machten mit Hilfe der am Steg wartenden Segler anderer Boote fest. Das ist übrigens auch normal: gerade bei solchen Bedingungen wird keiner mit seinem Boot alleine gelassen. Jeder weiß, wie schwierig es ist, bei starkem Seitenwind in eine tiefe Box zu kommen, ohne sein Boot, das seiner Nachbarn oder die Steganlage zu beschädigen. Vor allem, wenn Alleinsegler reinkommen, steht - übertrieben gesagt - der halbe Hafen am Steg und bietet seine Hilfe an.


Wegen des Wetters gut angezogen, heizten wir im Gewusel des Anlegemanövers und kräftigem Leinengezerre ordentlich hoch und waren dementsprechend durchgeschwitzt. Die Aktion wurde deshalb erstmal bei einem Anlegerbier verdaut.

Beim späteren Kochen des Abendessens musste ich tatsächlich den kardanisch aufgehangenen Herd aus seiner Verankerung befreien und schwingen lassen, weil wir selbst im Hafen Schräglage hatten.

Geschlafen haben wir natürlich recht schnell. Wegen der Geräuschkulisse allerdings nicht so gut. Ich war ab 4 Uhr wach und kaute in Gedanken auf den Terminen der kommenden Woche rum. Klar, dass ich am folgenden Tag müde in die Gegend schaute und so gar keine Lust hatte, abzulegen - am Morgen rauschten immer noch die gleichen 5 Bft durch den Hafen wie am Vortag. Ich hatte keine Lust auf das gleiche Theater.




22.08.17
Was für ein Wunder - der Wetterbericht behält Recht.
Gegen Mittag flaut der Wind etwas ab und rutscht auf 4 Bft. Wir halten beide unsere Nase in den Wind. Harry hat auch schon einen genialen "Ablegeplan". Kaum 30 Minuten später legen wir butterweich ab und fahren ohne Probleme aus der Box und aus dem Hafen. Die Welle ist noch recht hoch. Wir setzen nur das Vorsegel und lassen uns vom Rückenwind um die Ecke bis zur Stubbenkammer schieben. An der nordöstlichen Ecke Rügens nehmen wir das Großsegel dazu und Ari kommt langsam auf Fahrt. Die Ostseite Rügens macht schon mehr Spaß. Wir haben jetzt Halbwind und schon geht es mit gut 8 Knoten gen Süden. Der Spaß wächst mit jeder Meile. Auch ich werde langsam fitter. Harry übernimmt die etwas anstrengende Segelstrecke, ich werde die später nicht zu vermeidende Strecke unter Motor übernehmen. Zum Fotografieren reicht meine Fitness jedoch aus ....



Im Fahrwasser südöstlich von Rügen müssen wir hart an den Wind gehen, was die Schräglage des Bootes erhöht. Da steht Harry auf einmal eine ganze Etage unter mir ...


... während Ari durch die Wellen pflügt ...


... und ich mich oben auf der Kante austobe. Schöne Aussicht hier :)

Die Querung des Greifswalder Boddens und auch die restliche Fahrt den Strelasund hoch bekommen wir den Wind direkt auf die Nase. Da wir keine Lust haben, bis in die Nacht hinein zu kreuzen, legen wir diese Strecke unter Motor zurück. Am Ende des Tages werden wir gut zwei Drittel des gesamten Weges gesegelt sein - damit können wir leben.
Die Sonne bereitet sich auf den Abend vor und schafft im Zusammenspiel mit den aufziehenden Wolken eine schöne Atmosphäre. Wir sind weit und breit das einzige Boot:


Für den besseren Überblick stelle ich mich links und rechts auf die Cockpitbank, da ich nicht über die Sprayhood gucken kann - da fehlen mir einfach in paar Zentimeter. Der Autopilot hält den Kurs und ich gucke, das er das auch richtig macht. Harry liegt auf der Cockpitbank und genießt, wie auch ich, diesen Abschluss unseres Vier-Tages-Törns. 200 Seemeilen sportlicher Segelspaß bei bestem Wetter.
Mehr kann man einfach nicht verlangen.


Am Mittwochmorgen müssen wir leider unterbrechen und zurück nach Hause fahren. Die ersten Termine und Verpflichtungen stehen an.
Aber wir werden nach ein paar Tagen zu Ostsee und Boot zurückkehren.




Sonntag, 20. August 2017

19./20.08.17 Purer Segelspaß

19./20.08.2017

4 Wochen Urlaub - das ist schon mal gut. Leider haben wir in dieser Zeit auch einige Termine in Berlin zu beachten. Somit bleibt keine Zeit, für einen längeren Segeltörn. Wir begnügen uns mit kurzen Ausflügen, das Ziel ist egal, Segeln wird zur Hauptsache erklärt.

19.08.2017
Entspannt starten wir ab Heimathafen Neuhof. Es ist irgendwie toll, kein Ziel und keinen Plan zu haben.
Wir trullern den Strelasund runter. Noch steht der Regen der Nacht als Dunst auf dem Wasser, aber die Sonne kämpft sich mehr und mehr durch.



Der Tag soll uns laut Wetterbericht mit Wind um 4-5 Bft und viel Sonne verwöhnen.
Wir queren den Greifswalder Bodden, die Sonne kommt endgültig durch und der Wind entspricht auch den Vorhersagen. 4 Bft von "schräg hinten" schieben Ari durch das Fahrwasser südöstlich von Rügen. Hier geht uns der Wind ein wenig ein, weil er schlichtweg an der Landabdeckung durch den südöstlichen Zipfel der Insel scheitert.
Mit ausreichend Abstand fahren wir die Ostseite Rügens hoch; vorbei an den Ostseebädern Baabe, Sellin und Binz. An der großen Bucht vor Saßnitz kommen Wind und Welle das erstmal so richtig auf Fahrt. 4-5 Bft und eine Welle bis knapp einen Meter machen sich bemerkbar - wir haben Spaß.


Eine Regenwolke verdunkelt die Kreisefelsen kurz vor der Stubbenkammer
Am Nordende Rügens unser Punkt der Entscheidung: weiterfahren bis Ystad oder im Hafen Lohme festmachen?
Meine fehlende gesundheitliche Fitness entscheidet für Lohme und wir biegen links ab.Drei Seemeilen vor dem Hafen ist die kreidige Steilküste zuviel für den Wind - er gibt auf und wir werfen den Motor an. Gut so, denn es zieht gerade ein Schauer über die Insel Richtung Kap Arkona - den müssen wir ja nicht unbedingt abbekommen.
Der eigentlich südwestliche Wind dreht sich um Arkona herum und kommt im Hafen Lohme als Westwind durch die Boxengasse.
Wir meistern den Anleger in der sehr tiefen Box und machen nach knapp 47 sm und siebeneinhalb Stunden Fahrt fest. Jetzt aber ein Anlegerbier - OK, ein geteiltes, der Magen ist ziemlich leer.
Während Harry den Liegeplatz für die Nacht beim Hafenmeister bezahlt, koche ich einen großen Topf "Miracoli", den wir anschließend verputzen. Seit dem Frühstück gab es nur einen Knoppers für jeden, der Hunger ist groß.
Danach fallen wir ins "Verdauungs-Koma". Wir schaffen jeder noch ein weiteres Glas Rotwein und zusammen einen halben Tatort von der Festplatte ...gegen 20.30 Uhr plumpsen wir müde ins Bett. Noch einen Blick durchs Kojenfenster ...



20.08.2017
Früh rein, früh raus. Halb sieben bin ich putzmunter und herrlich ausgeschlafen. Morgentoilette und anziehen, den Ofen für frische Brötchen vorgeheizt, den Heizlüfter gestartet (14°C, brrr) und raus in die Sonne. Über dem Hafen Lohme liegt der Zauber eines schönen sonnigen Morgens.

Die Landspitze rechts im Bild ist Kap Arkona

Harry sieht erst kurz vor dem Frühstück, wie früh es eigentlich ist. Ich grinse und freue mich auf eine frühe Abfahrt - wir haben uns Ystad in Südschweden als nächsten Hafen ausgesucht. Das Wetter wird mit hauptsächlich Sonne, erst am Abend Regen und um die 5 Bft angesagt. Mitten auf dem Wasser zwischen Rügen und Südschweden soll die Welle 1,10 m erreichen - das ist OK.
Kurz vor halb neun Uhr legen wir in Lohme ab. Bei strahlend blauem Himmel setzen wir kurz nach der Hafenausfahrt die Segel. Noch pendelt der Wind zwischen 3 und 4 Bft. Das ist in Ordnung - er kommt wieder aus Süwest und hat im Moment noch das Kap Arkona vor der Nase. Kaum daran vorbei, frischt alles auf. Der Wind steigert sich auf 4-5 Bft und die Welle wird höher und höher. Als der Meilenzähler mit 26 sm Halbzeit anzeigt, haben wir dauhaft kräftige 5-6 Bft, gerne auch mit einem Ausreisser in die 7 Bft und eine durchschnittliche Welle von ca. 1,50 m. Mittedrin immer wieder 3er- oder 6er Gruppen von Freaks - höheren Wellen mit schätzungsweise gut 2m Höhe, welche uns zusammen mit den 7er Böen ordentlich einheizen.Der stärkste Wind wird Harry in seiner Wache mit über 32 Knoten Geschwindigkeit angezeigt - das ist knapp vor Sturmbeginn.
Trotzdem macht die Fahrt Spaß. Ari lässt sich gut steuern, es erfordert nur sehr viel Konzentration und mit den Stunden körperliche Fitness. Die Welle läuft von schräg hinten auf  und Ari wird über alle nur erdenklichen Achsen geschaukelt.
Wir wechseln uns - bis auf eine Ausnahme - am Ruder stundenweise ab, um das gut zu packen. Ari düst mit durchschnittlich 8 Knoten durchs Wasser. Der schnellste Surf, an einer großen Welle hinab, bringt 12,6 Knoten auf dem Tacho.  Holla - da rauschte aber ein ordentliche Heckwelle hinter unserem Boot.
Ich kann so schlecht über die Sprayhood (Abdeckung über dem Niedergang) gucken ...

Seltsame Situation: der Große wird von zwei militärisch aussehenden Motorbooten begleitet

Quirliges Wasser und aufkommenden Regen im Nacken, aber Harry stört das (noch) nicht :-)
6 sm vor Ystad kommt von Westen her ein Regengebiet auf. Es komt schnell, sehr schnell näher. Der Regen an Land zog schneller durch, der übers Wasser bummelte noch ein wenig. Um ein Haar hätten wir es geschafft, zwischen den Niederschlägen trocken durchzukommen.

Gleich wird der Hafen von Ystad abgespült - gut so, wir sind gleich da

2 sm vor dem Hafen bekommen wir doch noch einen winzigen Schauer ab. Die Segel bergen wir fast trocken und ohne große Erschwerniss. Da hatte ich vorher, bei dem immer noch starken Wind, mehr Schwierigkeiten erwartet.
Mit dem letzten Schubs einer Welle düsen wir in den Hafen Ystad. Am Kai ist genau noch ein Platz frei. Harry dreht eine elegante 180°-Wende auf engstem Raum und wir legen bei kräftigem Seitenwind ohne Probleme an. Wir haben 56,4 sm im Kielwasser und brauchten dafür nur 7:11 h. Das ergibt eine Durchnittsgeschwindigkeit von 7,6 Knoten - whow!

Nach dem Regenschauer ist vor dem Regenschauer ...
Wir schaffen es kaum, das am Steg tänzelnde Boot vernünftig zu vertäuen, da zieht schon der nächste Schauer auf.
ZeIt für ein kleines Anlegerbier und für die Vorbereitung des Essens. Wir backen uns eine große, sehr einfache Pizza aus Fertigteig und schaffen sie tatsächlich komplett aufzuessen. Bei den quirligen Zuständen draußen auf der Ostsee haben wir das Essen den ganzen Tag über vergessen.
Jetzt liegen wir faul und ziemlich angematscht im Salon rum und lauschen den einlaufenden Welle vom Strand hinter der Seebrücke durch den offenen Niedergang des Bootes.
Wir wissen noch nicht, ob wir schon morgen oder erst am Dienstag wieder zurückfahren.
Solange ich am Donnerstag früh pünktlich am Hauptbahnhof stehe, ist alles andere (fast) egal ...


Mittwoch, 17. Mai 2017

13./14.05.2017 Kurz vor Toreschluss

Warum entsteht bei uns vor dem Urlaub immer diese Hektik?
Egal, wann wir mit den Vorbereitungen anfangen - am Ende wird es immer knapp....

Trotz schönstem Segelwetter dümpelte Ari in ihrer Box und ertrug geduldig unser Gewusel.
Mit großem Erfolg - weil fast fehlerfrei - konnten wir den Einbau des neuen Plotters abschließen.





Entgegen der alten Konfiguration ist der neue Plotter mittels Konverterkit in das Raymarine-Netzwerk eingebunden.
Jetzt wird die Windrichtung auch direkt auf Plotter angezeigt, ebenso die Wassertemperatur. Der Autopilot würde nun festgelegte Routen abfahren können. Alle Geräte beziehen ihre GPS-Daten vom internen GPS-Modul des Plotters. Bisher gab es nur positive Überraschungen und wir freuen uns über dieses schöne Navigationsgerät wie die Kinder.

Harry kümmerte sich um die Feineinstellung der Wanten (seitliche Halterung des Mastes aus dickem Draht) und sicherte alles mit Splinten, damit sich nichts mehr verstellen kann. Diese Arbeiten waren seit dem Stellen des Mastes überfällig.

Unter Deck wurde aufgeräumt, saubergemacht und sämtliche Lebensmittel und Getränke inventarisiert. Mit der Aussicht auf die hohen Lebensmittelreise in Norwegen werden wir so viel wie möglich einbunkern.
Für die langfristige Versorgung mit preiswertem Essen habe ich anschließend zu Hause zwei Brote gebacken und insgesamt 3 Liter Curry gekocht.
Das Curry kam gleich heiß in die Verpackung, wurde vakuumisiert und verschweißt. Das hält (Erfahrung vom letzten Jahr) gut 4 Wochen in der Kühlbox. Unterwegs oder nach einem langen Tag essen wir es dann pur als "dicke Suppe" oder ganz typisch mit Reis und ggf. Fleisch.

Das Brot wurde nach dem Abkühlen halbiert, ebenso verpackt und wird für eine Zeit meine  Vollkornbrot-Sucht beruhigen :-)















Große Sorgen macht uns noch der Einbau des Stromgenerators in die Backkiste. Der ursprüngliche Plan ging wegen Platzmangels in der Realität nicht auf . Die Suche nach einer schnellen "wenigsten-transportsicher-und-nutzbar"-Lösung raubt Harry die Nerven. Ich bin da aber bester Laune - es gibt kaum ein bauliches Problem, was der Skippi nicht gelöst bekommt.


In den Baupausen wurden wir mit schönstem Wetter verwöhnt, was das anschließende Weiterarbeiten unter Deck nicht gerade verlockender machte. Naja, noch eine Woche, dann beginnt der Urlaub und damit auch wieder Zeit, dass alles mehr genießen zu können.



links: das Dampferlicht war defekt; das Leuchtmittel musste dringend ausgetauscht werden. Dieses Licht müssen wir (neben anderen) anmachen, wenn wir im Dunkeln unter Motor fahren. Harry wurde dazu an einem freien Fall am Mast hochgezogen. Natürlich nicht per Hand, sondern über die Winschen.




Die Karten und Unterlagen für Norwegen sind vollständig.


Auch meine Hafenliste für den Weg von Skagen bis Kristiansand ist endlich komplett - dem Internet sei dank. Für widriges Wetter habe wir nun an der südnorwegischen Küste alle 20 Seemeilen eine geschützte Einlaufmöglichkeit mit Lage, Sattelitenbild und Beschreibung des Hafens in petto.



Für die weitere Reise habe ich einen Goldschatz gefunden: "1000 Orte für Fahrtensegler" von Per Assmus.

Der gute Mann ist zwischen 2001 und 2009 die gesamte Küste Norwegens abgefahren und hat fast jeden Hafen und fast jede Ankemöglichkeit getestet.

Im Buch sind alle diese Stellen - in Küstenabschnitte unterteil - mit Lage, Abdeckung gegen Wind und Welle, Versorgung und Besonderheiten vermerkt.

Zu einigen Orten gibt es zusätzlich noch ausführliche Tipps zu Sehenswürdigkeiten und "musst-du-gesehen/erlebt-haben".

Dieser Band 2 für die Küste vom südwestlichen Zipfel bis hoch ans nördliche Ende ist jeden Cent seiner 69 € wert.






Wenn es nach mir geht, können wir sofort los. Aber leider liegen noch ein paar Arbeitstage und Erledigungen vor unserer Abfahrt.
Momentan rechne ich damit, dass wir zwischen Sonntag (21.05.) und Montag (22.05.) ablegen.

Wann und wie und was der Wind zu unseren Plänen sagt ... werde ich hier berichten.