4 Wochen Urlaub - das ist schon mal gut. Leider haben wir in dieser Zeit auch einige Termine in Berlin zu beachten. Somit bleibt keine Zeit, für einen längeren Segeltörn. Wir begnügen uns mit kurzen Ausflügen, das Ziel ist egal, Segeln wird zur Hauptsache erklärt.
19.08.2017
Entspannt starten wir ab Heimathafen Neuhof. Es ist irgendwie toll, kein Ziel und keinen Plan zu haben.
Wir trullern den Strelasund runter. Noch steht der Regen der Nacht als Dunst auf dem Wasser, aber die Sonne kämpft sich mehr und mehr durch.
Der Tag soll uns laut Wetterbericht mit Wind um 4-5 Bft und viel Sonne verwöhnen.
Wir queren den Greifswalder Bodden, die Sonne kommt endgültig durch und der Wind entspricht auch den Vorhersagen. 4 Bft von "schräg hinten" schieben Ari durch das Fahrwasser südöstlich von Rügen. Hier geht uns der Wind ein wenig ein, weil er schlichtweg an der Landabdeckung durch den südöstlichen Zipfel der Insel scheitert.
Mit ausreichend Abstand fahren wir die Ostseite Rügens hoch; vorbei an den Ostseebädern Baabe, Sellin und Binz. An der großen Bucht vor Saßnitz kommen Wind und Welle das erstmal so richtig auf Fahrt. 4-5 Bft und eine Welle bis knapp einen Meter machen sich bemerkbar - wir haben Spaß.
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| Eine Regenwolke verdunkelt die Kreisefelsen kurz vor der Stubbenkammer |
Meine fehlende gesundheitliche Fitness entscheidet für Lohme und wir biegen links ab.Drei Seemeilen vor dem Hafen ist die kreidige Steilküste zuviel für den Wind - er gibt auf und wir werfen den Motor an. Gut so, denn es zieht gerade ein Schauer über die Insel Richtung Kap Arkona - den müssen wir ja nicht unbedingt abbekommen.
Der eigentlich südwestliche Wind dreht sich um Arkona herum und kommt im Hafen Lohme als Westwind durch die Boxengasse.
Wir meistern den Anleger in der sehr tiefen Box und machen nach knapp 47 sm und siebeneinhalb Stunden Fahrt fest. Jetzt aber ein Anlegerbier - OK, ein geteiltes, der Magen ist ziemlich leer.
Während Harry den Liegeplatz für die Nacht beim Hafenmeister bezahlt, koche ich einen großen Topf "Miracoli", den wir anschließend verputzen. Seit dem Frühstück gab es nur einen Knoppers für jeden, der Hunger ist groß.
Danach fallen wir ins "Verdauungs-Koma". Wir schaffen jeder noch ein weiteres Glas Rotwein und zusammen einen halben Tatort von der Festplatte ...gegen 20.30 Uhr plumpsen wir müde ins Bett. Noch einen Blick durchs Kojenfenster ...
20.08.2017
Früh rein, früh raus. Halb sieben bin ich putzmunter und herrlich ausgeschlafen. Morgentoilette und anziehen, den Ofen für frische Brötchen vorgeheizt, den Heizlüfter gestartet (14°C, brrr) und raus in die Sonne. Über dem Hafen Lohme liegt der Zauber eines schönen sonnigen Morgens.
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| Die Landspitze rechts im Bild ist Kap Arkona |
Harry sieht erst kurz vor dem Frühstück, wie früh es eigentlich ist. Ich grinse und freue mich auf eine frühe Abfahrt - wir haben uns Ystad in Südschweden als nächsten Hafen ausgesucht. Das Wetter wird mit hauptsächlich Sonne, erst am Abend Regen und um die 5 Bft angesagt. Mitten auf dem Wasser zwischen Rügen und Südschweden soll die Welle 1,10 m erreichen - das ist OK.
Kurz vor halb neun Uhr legen wir in Lohme ab. Bei strahlend blauem Himmel setzen wir kurz nach der Hafenausfahrt die Segel. Noch pendelt der Wind zwischen 3 und 4 Bft. Das ist in Ordnung - er kommt wieder aus Süwest und hat im Moment noch das Kap Arkona vor der Nase. Kaum daran vorbei, frischt alles auf. Der Wind steigert sich auf 4-5 Bft und die Welle wird höher und höher. Als der Meilenzähler mit 26 sm Halbzeit anzeigt, haben wir dauhaft kräftige 5-6 Bft, gerne auch mit einem Ausreisser in die 7 Bft und eine durchschnittliche Welle von ca. 1,50 m. Mittedrin immer wieder 3er- oder 6er Gruppen von Freaks - höheren Wellen mit schätzungsweise gut 2m Höhe, welche uns zusammen mit den 7er Böen ordentlich einheizen.Der stärkste Wind wird Harry in seiner Wache mit über 32 Knoten Geschwindigkeit angezeigt - das ist knapp vor Sturmbeginn.
Trotzdem macht die Fahrt Spaß. Ari lässt sich gut steuern, es erfordert nur sehr viel Konzentration und mit den Stunden körperliche Fitness. Die Welle läuft von schräg hinten auf und Ari wird über alle nur erdenklichen Achsen geschaukelt.
Wir wechseln uns - bis auf eine Ausnahme - am Ruder stundenweise ab, um das gut zu packen. Ari düst mit durchschnittlich 8 Knoten durchs Wasser. Der schnellste Surf, an einer großen Welle hinab, bringt 12,6 Knoten auf dem Tacho. Holla - da rauschte aber ein ordentliche Heckwelle hinter unserem Boot.
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| Ich kann so schlecht über die Sprayhood (Abdeckung über dem Niedergang) gucken ... |
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| Seltsame Situation: der Große wird von zwei militärisch aussehenden Motorbooten begleitet |
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| Quirliges Wasser und aufkommenden Regen im Nacken, aber Harry stört das (noch) nicht :-) |
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| Gleich wird der Hafen von Ystad abgespült - gut so, wir sind gleich da |
2 sm vor dem Hafen bekommen wir doch noch einen winzigen Schauer ab. Die Segel bergen wir fast trocken und ohne große Erschwerniss. Da hatte ich vorher, bei dem immer noch starken Wind, mehr Schwierigkeiten erwartet.
Mit dem letzten Schubs einer Welle düsen wir in den Hafen Ystad. Am Kai ist genau noch ein Platz frei. Harry dreht eine elegante 180°-Wende auf engstem Raum und wir legen bei kräftigem Seitenwind ohne Probleme an. Wir haben 56,4 sm im Kielwasser und brauchten dafür nur 7:11 h. Das ergibt eine Durchnittsgeschwindigkeit von 7,6 Knoten - whow!
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| Nach dem Regenschauer ist vor dem Regenschauer ... |
ZeIt für ein kleines Anlegerbier und für die Vorbereitung des Essens. Wir backen uns eine große, sehr einfache Pizza aus Fertigteig und schaffen sie tatsächlich komplett aufzuessen. Bei den quirligen Zuständen draußen auf der Ostsee haben wir das Essen den ganzen Tag über vergessen.
Jetzt liegen wir faul und ziemlich angematscht im Salon rum und lauschen den einlaufenden Welle vom Strand hinter der Seebrücke durch den offenen Niedergang des Bootes.
Wir wissen noch nicht, ob wir schon morgen oder erst am Dienstag wieder zurückfahren.
Solange ich am Donnerstag früh pünktlich am Hauptbahnhof stehe, ist alles andere (fast) egal ...









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