Donnerstag, 12. August 2021

12.08.2021 Von Storön nach Stockholm

 Donnerstag, 12. August

 

Ich liege seit gestern vor Anker in einer in einer wunderschönen Bucht an der Insel STORÖN. Storön, war ich da nicht schon vor zwei Tagen? Ja, aber das war eine andere Insel mit demselben Namen. So ähnlich, wie bei Sandhamn, gibt es in Schweden viele Orte gleichen Namens über das Land verteilt.

 

Dort, wo Ankerplätze eingezeichnet sind, ist schon alles voll. Ich liege am roten Dreieck.

 

Mein Ankerplatz hat nur den Haken, dass er gegen westliche Winde, sowie Schwel (Wellen) aus Westen und Norden, nicht geschützt ist. Doch ich hatte Glück in mehrfacher Hinsicht. Zunächst war der Westwind, der in der Nacht aufkam, schwächer als vorhergesagt. Daher gab es Schwel nur durch Motorboote und Passagierfähren. Kleine Fähren mit einigen ´zig Meter Länge im örtlichen Linienverkehr und die ganz Großen der einschlägigen Veranstalter, die von Stockholm aus in aller Herren Länder unterwegs sind. Da kommt schon ab und zu eine ordentliche Welle in die Bucht gerauscht. Gut, wenn der Anker dann, wie bei mir, fest im Untergrund sitzt. Die Suppenteller sollte man in dieser Bucht besser nicht benutzen.

Sorge machte mir hingegen etwas Anderes. Bereits gestern hatte ich ja aufgrund des wenig halt bietenden Untergrundes zum Schluss zwischen 40 und 45 Meter Kette gestreckt. Damit lag ich zwar gut, hatte aber am Morgen beim Aufholen der Kette das Problem, das die Ankerwinsch zum Ende hin wegen Überhitzung des Elektromotors abschaltete. Nur ein thermischer Überlastschalter, wie sich später herausstellte. Da der Anker schon an der Wasseroberfläche zu sehen war, hatte ich die letzten Meter einfach per Hand aufgeholt. Nein – streichen wir das „einfach“.

 

Am hiesigen Ankerplatz hatte ich nun wegen der Ankertiefe von neun Metern, von vornherein rund 45 Meter Kette im Wasser versenkt. Genau kann ich das nicht sagen, da wir nach 30 Metern keine weiteren Markierungen an der 50 Meter langen Kette haben. Gestern Abend schwante mir bereits nichts Gutes, als ich daran dachte, dass ich heute bei Westwind in der nicht gerade großen Bucht, den Anker wieder einholen muss und die Winsch möglicher Weise zum ungünstigsten Zeitpunkt den Dienst versagt.

 

Katrin sagte dann in einem Telefonat, ich solle doch einfach zunächst einen Teil der Kette einholen, dann die Winsch abkühlen lassen und erst später die restlichen Meter Ankerkette samt Anker aufholen. Eine gute Idee, dachte ich.

 

Heute Morgen, so gegen halbzehn, ist an Bord alles erledigt. Vor zehn Uhr darf ich nicht losfahren, weil ich sonst zu früh im Wasahamn, Stockholm, ankomme. Also entscheide ich, jetzt einen Teil der Ankerkette einzuholen und gegen zehn Uhr den Rest, damit die Winsch Zeit hat, wieder abzukühlen. Wieviel Kette soll ich von den 45 Metern einholen, frage ich mich. Nach einer kurzen Überlegung entscheide ich mich dafür, 20 Meter Kette aufzuholen und 25 Meter im Wasser zu lassen.   Warum?   Erstens ist das rund die Hälfte, aber der entscheidende Grund ist, dass 25 Meter rund das Dreifache der Wassertiefe sind. Ein prüfungsrelevantes Thema beim Bootsführerschein. Benutzt man zum Ankern statt einer Ankerleine eine Ankerkette, so ist die korrekte Antwort: Die Kettenlänge im Wasser muss mindestens der dreifachen Wassertiefe entsprechen, damit der Anker hält.

Jeder Segler der oft auf See (gemeint ist das Meer) ankert, wird sagen: „Unsinn – das fünffache der Wassertiefe, ist als Kettenlänge erforderlich“. Und weil er damit Recht hat, hatte ich ja auch 45 Meter Kette im Wasser. Mit meiner Kabelfernbedienung vorne am Bug, starte ich die Winsch. Diese nuddelt und nuddelt und irgendwann kommt endlich die 30 Meter Markierung   -   so, noch fünf Meter   -   die 25 Meter Markierung kommt und ich lasse den Taster der Fernbedienung los   -   die Winsch stoppt.

Ich gehe in Ruhe wieder zum Heck und schaue auf mein Tablet, auf dem ja der Ankertrack läuft und sehe ganz eindeutig, dass der Anker bereits jetzt mächtig am Rutschen ist.   Oh – nein!   Ich renne nach vorne zum Bug, während mir durch den Kopf schießt: „Wenn jetzt die Winsch aufgrund von Überhitzung Ruhepause macht, habe ich ein richtiges Problem“. Ari ist mit dem Heckruder jetzt vielleicht noch 50 Meter von der kritischen zwei Meter Tiefenlinie entfernt. Vorsorglich hatte ich mir noch ein Paar dicke Gummihandschuhe neben die Ankerwinsch gelegt. Die Sorte Gummihandschuhe, die in der Chemie gegen fast alle Substanzen standhält und die entsprechend dick sind. Jetzt muss alles schnell gehen. Ich unternehme dennoch einen Versuch die Ankerwinsch mit der Fernbedienung zu starten.

 

Sie läuft an! Quälende Augenblicke vergehen, während die Winsch Meter um Meter der Kette aus der Tiefe holt.   Es kommt die 20 Meter Markierung und ich denke bereits über mögliche Optionen nach.   Ich kann, wenn die Winsch stoppt, Ari auf die gegenüberliegende Seite des Ankers fahren. Damit gewinne ich vielleicht 30 oder 35 Meter, die mich der Wind dann erstmal wieder zurücktreiben muss, was aber auch nicht länger als maximal eine Minute dauern würde.   Die 15 Meter Markierung läuft währenddessen über die Kettennuss in den Ankerkasten.   Ich könnte auch versuchen, mit Motorkraft rückwärtsfahrend, den Anker durch den Untergrund zu ziehen, bis ich wieder genügend Raum zur Verfügung hätte. Der Motor könnte das schaffen   -   ob der Winschenpodest im Bootsrumpf das aushält, ist fraglich.

 

Während die Winsch schon hörbar ungleichmäßig läuft, rattert die 10 Meter Markierung über die Kettennuss der Winsch. Ich beginne der Ankerwinsch, wie ein guter Coach, zuzureden. „Komm, die letzten zehn Meter – eigentlich muss der Anker jetzt schon an der Kette im Wasser über Grund hängen“. „Lauf, lauf …“.   Wenn der Anker allerdings an der Kette hängt, kommen zum Gewicht der neun Meter Kette, ja zusätzlich noch die 25 Kilogramm Gewicht des Ankers. Mir wird ganz anders. Und plötzlich schimmert etwas unter der Wasseroberfläche. Der Anker! Den Rest könnte ich im Notfall tatsächlich schnell per Hand aufholen, doch das Winschengeräusch eiert weiter. Ich habe Glück, nicht nur weil die Winsch durchhält, sondern der Anker ausnahmsweise so aus dem Wasser kommt, das er direkt in seinen Aufnahmeschaft gezogen werden kann. Das passiert auf Anhieb eher selten.

 


Bild oben: Der geschätzte Ankerpunkt liegt am roten Kreuz. Mit den 45 m Ketten hat sich Ari nur innerhalb des roten Kreises (Radius ca. 25 m) je nach Windrichtung, bewegt.

 

Ich laufe schnell zum Heck an den Steuerstand und setze meine Brille auf. Gut – es sind noch einige Meter bis in die Flachwasserzone – ich muss jetzt nicht hetzen! Ich fahre Ari wieder ein paar Meter ins tiefere Wasser und mache kurz Klarschiff an Deck.   GLÜCK  GEHABT!  

 

Inzwischen bin ich aufgrund meiner Ankererfahrungen zu der Überzeugung gekommen, dass große Kettenlängen ein entscheidender Faktor des richtigen Ankerns sind. Die Regel Wassertiefe mal drei entspricht der Mindestkettenlänge im Wasser, kann höchsten im Idealfall funktionieren. Ich weiß nicht, ob ich jemals einen Ankergrund hatte, den ich als ideal bezeichnen würde. Wassertiefe mal fünf ist in meinen Augen die Mindestanforderung und für die meisten Ankerplätze ausreichend. Im Zweifel muss darüber hinausgegangen werden. Von Ankerleinen erst gar nicht zu sprechen.

 

 

Ich bin jetzt unterwegs Richtung Stockholm, Wasahamn.

 

 Hier, einfach mal weitgehend unkommentiert, meine Fotoauswahl.


Es lebt sich nicht schlecht - hier in der Nähe von Stockholm (kurz vor Vaxholm).




Die Festung Vaxholm, im Schärengarten von Stockholm, wurde im Jahr 1548 erbaut.


Als ich hier langfahre, ist gerade richtig Verkehr auf dem Wasser.





Was von weitem, wie eine weitere Festungsanlage aussieht, entpuppt sich beim Vorbeifahren als eine Art Schrottplatz und ein ehemaliges Tanklager von ESSO.








Es lebt sich nicht schlecht - hier in der Nähe von Stockholm


 Der 170 Meter hohe Kaknästurm, ein Aussichts- und Funkturm ist seit 2018 für die Öffentlichkeit gesperrt.

 

 

 

 



Freizeitpark Gröna Lund - liegt direkt neben dem Wasahamn
 

 


 

Das Hafenzentrum von Stockholm

 

13:30 in Stockholm: Mein Anlegebier!

 

Blick aus meinem Cockpit (von rechts nach links): 

- Wickinger Museum, 

- Wasa Museum (hier geht es nicht um Knäkebrot, sondern das gleichnamige Segelschiff)

- Stadthafen (Ich nenne ihn jetzt mal so)

- Stege des Wasahamn(en)

 

Es ist 19:00. Ich mache mir etwas zu essen und danach vielleicht noch einen nächtlichen Stadtbummel. Vielleicht gibt es ja später noch Fotos?

 

Und ich war tatsächlich noch bis nachts, halbeins, unterwegs.  Hier ein kleiner Eindruck von  STOCKHOLM  BEI  NACHT.

 



 



Und da lag sie wieder, die Superyacht aus Nynäshamn, HEVEA, ...

... aber, das Bessere ist bekanntlich des Guten Feind.
Die hier dürfte ebenfalls bei gut 30 Metern liegen,
ist aber deutlich moderner.



 

 

 

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