Sonntag, 22. August
Es ist Sonntag Morgen und das Wetter stellt mal wieder unsere Planung auf den Kopf. Eigentlich sollte es ja über die südlichen Ålands und dann die südfinnischen Schären immer weiter nach Osten gehen. Wegen des Wetters hatten wir bereits einen Plan, wie wir durch eine Starkwindzone in drei Etappen bis nach Turku kommen könnten, bevor das nahende Tiefdruckgebiet in die gesamte Region Einzug hält.
Doch es gibt einen neuen Wetterbericht. Der prophezeit, dass das Wetterfenster, in dem wir nach Turku wollten, von drei auf anderthalb Tage zusammengeschrumpft war. In diesen anderthalb Tagen hätten wir gegen den zu diesem Zeitpunkt noch bestehenden Nordostwind über rund 85 Seemeilen weitestgehend motoren müssen, um den Großraum Turku zu erreichen, an welchem das bevorstehende Tief nur vorbeigezogen wäre. In Anbetracht der nochanstehenden vier Urlaubswochen von Katrin, hätte ich diesen Törn nach Turku in Kauf genommen, um im Anschluss, bei hoffentlich ruhigerem Wetter, die uns noch unbekannten Küsten kennen zu lernen.
Katrin ist das zu ungewiss. Wir entscheiden daher wieder umzukehren, denn auf der schwedischen Seite der Ostsee wird dieses Tief nur in abgeschwächter Form durchziehen.
Das ist die Karte des Seewetterberichtes für die Nacht vom 25. zum 26. August. Im rotvioletten Zentrum des Sturms soll es Böen bis 52 Knoten (10 Beaufort) geben. Die uns bekannten Häfen in den Ålands und den finnischen Schären sind nur bedingt gegen Wind und Schwell geschützt.
In einigen haben wir bereits bei Starkwind gelegen. Nach zwei Tagen Starkwind, waren fast alle Festmacherleinen zu einem guten Teil durchgescheuert, so dass wir diese nach unseren Törn in 2019 austauschen mussten. In den schlecht geschützten Häfen, fangen die Boote buchstäblich an im Hafen zu tanzen. Bei zehn Tonnen Bootsgewicht entstehen an den Festmachern und den Klampen an Deck, an denen die Festmacher belegt werden, unglaubliche Kräfte - das Material leidet enorm. Das ist keine Option, die man wissentlich und freiwillig eingeht.
Damit kippt unsere komplette Urlaubsplanung, denn das Tiefdruckgebiet wird sich, wenn auch nicht in voller Stärke, bis Ende der Woche halten. Dann noch einmal Richtung Osten aufzubrechen lohnt sich zeitlich nicht mehr. Wir brauchen ein neues Konzept - aber zunächst einmal, segeln wir in den Hafen zurück, aus dem wir gekommen sind - FURUSUND (SWE).
Als wir RÖDHAMN verlassen, sieht der Himmel so aus (Bild oben). Vor uns im Westen hingegen, scheint noch die Somme (Bild unten).
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| Inseln: Lilla (kleine) und Stora (große) Batskar (Bootschäre) mit dem Förderturm (links) |
Für unsere heutige Überfahrt von den Ålands nach Schweden ist Nordwind vorhergesagt. Tatsächlich kommt er dann zunächst aus West, später aus WestNordWest, was bei unserem Ziel einen Anwindkurs (schräg gegen den Wind) bedeutet. Doch wir können unser Ziel bei 14 - 16 Knoten Wind (4 Bft.) direkt ansteuern ohne aufkreuzen zu müssen. Das ist anstrengend, aber wir haben einen wirklichen schönen Törn bei nur leicht bedeckten Himmel und ungefähr 15°C, was allerdings auch hier am 60. Breitengrad für Mitte August nicht sehr viel ist. Eigentlich hat der heutige Segeltag nur einen entscheidenden Fehler - er geht in die verkehrte Richtung.
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| Noch einmal der Blick zurück nach Osten. |
Um 10:48 überqueren wir dann zum zweiten mal innerhalb weniger Tage die Zeitzone bei 019°40,355 min. östlicher Länge, nur in umgekehrter Richtung. So ist eine Stunde wieder geschenkt. Gleichzeitig wird es Zeit, die Ålandflagge einzuholen und die schwedische Nationale zu setzen.
Die Zeitzonen auf der Erdkugel liegen rechnerisch 15 Winkelgrad (360° geteilt durch 24 Stunden) auseinander. Da politische und wirtschaftliche Interessen einzelner Länder im Vordergrund stehen, verlaufen die Zeitzonen nicht, wie theoretisch gedacht, parallel zu den Längengraden, sondern weichen je nach Bedarf davon ab. So wurden die Ålands, die theoretisch "Deutsche Zeit" hätten, der finnischen Zeitzone willkürlich zugeordnet.
Ein paar Eindrücke von der Überfahrt ...
Land in Sicht ...
Wir haben inzwischen schon wieder den Leuchtturm von TJÄRVEN passiert, den wir heute auf seiner Nordseite umfahren haben. Vor uns liegen die äußeren, östlichsten Inseln des Stockholmer Schärengartens.
Auch hier bewölkt sich der Himmel jetzt zusehens, doch es wird trocken bleiben. Auf den letzten Meilen bis zum Hafen FURUSUND liefern wir uns noch ein Segelduell mit einer etwas kleineren Dehler 36. Die Dehler war mit uns zusammen in RÖDHAMN gestartet. Bei reichlich Wind sind wir klar im Vorteil, doch als in den Schären der Wind nachlässt, holt die Dehler immer weiter auf. Auf den freien Flächen im Schärengarten, zwischen denen der Wind wieder stärker weht, machen wir wieder Boden gut, doch letztendlich müssen wir uns kurz vor den Hafen geschlagen geben. Parallel holen beide Boote die Segel ein, doch wir haben die Segel schneller eingerollt und so liegen wir zuerst fest am Steg und können den Schweden sogar noch beim Anlegen helfen.













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