Montag, 09. August
Um 7:20 beginnt mein Tag. Erstmal die Lage vor Anker kontrollieren – alles, wie es sein soll. Dann ist der Wetterbericht an der Reihe, denn der entscheidet, wie es heute weitergeht. Es gibt keine wesentlichen Änderungen gegenüber der gestrigen Vorhersage – das bedeutet, es geht heute „eine Bucht weiter“.
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| Der Ankertrack zeigt viel Bewegung - aber kein rutschen des Ankers. |
Die Sonne scheint am leicht bewölkten Himmel und erst gegen 14:00 soll es beginnen zu regnen. Ich sollte aber auch nicht wesentlich vor 10:00 starten, denn vorher ist der Wind noch recht schwach. Diese Rahmenbedingungen passen jedoch ganz gut zu meiner heutigen Planung, denn mein Ziel liegt nur etwa 16 Seemeilen entfernt. Selbst bei einer Fahrt von langsamen 4 Knoten (= 4 Seemeilen pro Stunde), bin ich nach vier Stunden dort. Ich habe also noch über zwei Stunden Zeit.
Obwohl ich mich ganz in Ruhe auströdle und alles erledige, was mir so einfällt, bin ich irgendwann fertig und will los. Also starte ich schon gegen halbzehn den Motor und hole dann den Anker ein. Der längste Teil der Kette ist völlig sauber. Das spricht dafür, dass hier Sand und steiniger Untergrund war. Auf den letzten zehn Metern hingegen sind die einzelnen Kettenglieder mehr oder weniger mit Moder zugesetzt, während der Anker einigermaßen sauber an die Oberfläche kommt. Ich entscheide – das ich das so lassen kann und nichts gereinigt werden muss – also wieder nach hinten laufen, Gang rein und los geht´ s .
Die Ein- bzw. Ausfahrt dieser Bucht hat es in sich. In einem 90°-Bogen fährt man durch ein Nadelöhr zwischen den über und unter Wasser befindlichen Felsen hindurch. Mittendrin ein nur zweimetersiebzig tiefes Flach mit einer Breite von fünfundzwanzig Metern. Da sollte einem möglichst niemand entgegen kommen, da ja das GPS, nach welchem man hier im Teilblindflug durchfährt, auch noch seine systemeigene Ungenauigkeit mitbringt.
Doch es kommt mir niemand entgegen und Wind habe ich auch kaum, so dass ich diese Kurve in kleinster Fahrt (2,8 kn) in Ruhe meistern kann.
Draußen ist gleich eine große Freifläche, auf der ich Ari in den Wind stellen kann, um zunächst nur das Großsegel zu setzen. Als ich es öffne, spritzen mir erstmal die von der Segelfläche abperlenden Tropfen des gestrigen Regens entgegen. Mit den knapp drei Beaufort Südwind mache ich genauso so knappe vier Knoten Fahrt. Ich bin zufrieden, weil meine zickzack Kurse, durch die hier recht weit auseinanderliegenden Schären, abwechselnd auf Raum- und Vorwindkurs fahrbar sind, ohne halsen zu müssen. Für das Setzen der Genua ist der Kurs allerdings zunächst nicht geeignet. So cruise ich fast drei Stunden lang meinem Ziel entgegen.
Doch noch bin ich ja gerade erst einmal losgesegelt. Es ist gegen zehn. Ich bin allein auf weiter Flur. Nur eine kleine Fähre fährt emsig ihre Stationen auf den Schären ab und ein Motorboot mit Ladefläche kontrolliert die einzelnen Häfen und sammelt gleichzeitig den Müll ein.
Mal ist es sonnig, mal bewölkt und bei 20 Grad Idealtemperatur und T-Shirt-Wetter. Meine Segelschuhe trocknen noch im sonnigen Cockpit zu Ende. Der gestrige Regen war wohl etwas zu viel, zumal auch Goretex wenig nutzt, wenn das Regenwasser von oben in die Schuhe läuft. Alle anderen Kleidungsstücke, hatte ich heute Morgen noch geschafft in der Sonne zu trocknen.
Um viertel elf, sehe ich die ersten anderen Segelboote weit draußen. Noch habe ich meine Regenhose an, weil es ja noch regnen soll.
| Flugzeug der Küstenwache |
| Ein Graureiher ... |
| ... wie immer auf der Flucht. |
Eine halbe Stunde später bin ich bereits im JUNGFRU FJÄRDEN, einer Art Greifswalder Bodden in Miniatur, nur schöner. Inzwischen ist es sommerlich und ich ziehe vorzugsweise meine Schönwetter-Segelkleidung an, während parallel immer mehr dunkle Wolken aufziehen.
Am Mittag wird mein Kurs zum Wind etwas günstiger und ich kann zusätzlich die Genua setzen. Ich mache zeitweise auch mal über sechs Knoten Fahrt, aber meistens bleibt der Wind jetzt selbst bei nur fünf bis sechs Knoten.
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| Schwanensee? |
Ich befinde mich im „Endspurt“ meines heutigen Tages und
kann zum Schluss sogar noch in meine Bucht bis kurz vor den Hafen segeln. Dort
ist es fast windstill, was mir Gelegenheit gibt, ganz entspannt mein Anlegemanöver
vorzubereiten. Nullkommazwei Seemeilen weiter liege ich jetzt bereits fest
vertäut zwischen Steg und Mooring Boje. Wenige Minuten später fängt es an zu
regnen. Glück gehabt!
Gerade haben wir Wetter, wie im April und zwischen durch donnert es immer wieder, während ich am Nachmittag diesen Blog schreibe. Ob es morgen schon weitergeht, weiß ich im Augenblick selbst noch nicht. Muss ich ja auch nicht - ich habe ja Urlaub. 😜
Aber ich brauche noch ein wenig Bewegung und so schnappe ich mir Fotoapparat und Drohne und mache mich auf einen kurzen Ausflug.
Die kleine Sauna wurde jetzt an das andere Ende des Hafens verlegt.
Blick nach Norden. Stockholm liegt von mir aus bereits westlich, das heißt ich folge, um dort hin zu kommen, zunächst dem breiten Fahrwasser nach Nordost (nach oben-rechts), um dann in einem großen Bogen nach Westen (links) abzubiegen und wieder ein Stück zurück zu fahren. Die haben Stockholm wirklich sehr ungünstig in die Landschaft gesetzt ... 😜
Manche Dinge lassen sich anhand einer Seekarte doch einfacher erklären. An Punkt (20) bin ich jetzt. Mein Ziel, der Hafen "WASAHAMN" in Stockholm liegt bei der Zielflagge hinter Punkt (48). Bis dahin sind es noch gut 32 Seemeilen (60 km). Das wäre locker in sechs Stunden zu schaffen, doch Katrin kommt ja erst am Freitag Abend am Flughafen Arlanda, Stockholm an. Bis dahin werde ich noch an ein oder zwei Plätzen ankern gehen, bevor ich dann Freitag Vormittag Richtung Wasahamnen aufbreche. Ab 12:00 ist dort über Dockspot.com der Liegeplatz Nummer 4 für mich reserviert - 😂😂😂 - oder auch nicht - Ihr kennt ja inzwischen die Dockspot.com Geschichte.
Aber noch bin ich ja auf der Insel unterwegs, um zu fotografieren. Als ich dann diese Wolke sehe, entschließe ich mich, doch wieder zügig zurück zum Boot zu gehen.
Es ist Zeit für´ s Abendbrot. Heute gibt es Nudeln in Sahnesauce mit etwas Knoblauch und viel Parmesan. Dazu den Rest meines Salatkopfes mit Zitronen-Olivenöl-Dressing. Und natürlich, ein Wernesgrüner alkoholfrei. Alle Vitamine, die ein Mann braucht.
Zum Schluss noch meine heutige Bucht in der Seekartenversion ...





















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