Freitag, 27. August 2021

27.08.2021 Von UTHAMN auf STORÖN nach NYNÄSHAMN

 Freitag, 27. August


Kaum traute man sich bei den derzeitigen Wettervorhersagen überhaupt die Leinen loszumachen. In unserer geschützten Bucht hatten wir von den Sturmböen nichts mitbekommen. Nur der Regen prasselte mehr oder weniger die ganze Nacht. Heute morgen ist es trübe und windig  -  aber nicht außergewöhnlich.

Nach einem gemütlichen Frühstück legen wir gegen 10:00 ab und setzen das Großsegel noch in der Bucht. Natürlich stark gerefft, denn draußen erwarten uns Starkwind und Sturmböen. Doch als wir aus der Deckung unserer Bucht auf das offenere Hauptfahrwasser kommen passiert ... - ... nichts! Wir haben 12 Knoten Wind - in Böen 15 Knoten - Windstärke 4 (Beaufort). Zunächst denken wir an einen Zufall und warten ab. Als wir auch eine Viertelstunde später nicht deutlich mehr Wind haben, reffen wir das Großsegel aus (wir vergrößern es auf seine volle Fläche). Gerne hätten wir noch die Genua (das Vorsegel) zusätzlich gesetzt, doch das geht bei einem Vorwindkurs nicht (Begründung siehe vorhergehende Posts).

Also cruisen wir mit 5,5 Knoten bei eigentlich zu wenig Wind Richtung Nynäshamn, unserem heutigen Ziel. Was für eine Absurdität. Seit zwei Tagen soll hier der Sturm toben - oder auch nicht - ich weiß es nicht.


"Sturmfahrt"



Okay - hier liegen umgeknickte Bäume!  Das Ergebnis eines schweren Sturms aus 2019, das wir hier schon vor zwei Jahren vielerorts so und ähnlich gesehen haben. 





Das einzig aufregende an diesem Segeltag ist zunächst, dass wir tatsächlich fast genau vor dem Wind fahren (also der Wind fast genau von hinten kommt).  Weil wir aber auch im leichten Zick-Zack-Kurs zwischen den Schären entlang steuern müssen, steht eine Halse nach der anderen an. Zwischendurch immer der Blick zum Masttop, damit wir nicht ungewollt halsen. Das nervt auf Dauer ein wenig, da man sich dann kaum auf die Umgebung konzentrieren bzw. diese genießen, kann.

Die Halse  -  das Halsen,   ist nicht in wenigen Worten zu erklären, weswegen wir hier darauf verzichten wollen. Nur soviel: Halsen ist ein Standardmanöver beim Segeln, welches aber leicht zu Schäden führen kann, wenn es nicht sehr präzise und kontrolliert ausgeführt wird, was gleichzeitig die Schwierigkeit beim Halsen ist.







Wir genießen die Ruhe und Beschaulichkeit ...



... als plötzlich dieses Ungetüm an uns mit dem Getöse eines Düsenjets vorbeischießt. Ähnliche Antriebe haben wir bereits bei anderen schwedischen Kriegsschiffen gehört und vermuten eine Art Jetantrieb, wie er in Miniatur auch bei Jetbikes ("Wassermotorrädern") genutzt wird. Wir denken an HighTech-Marine und wundern uns noch, warum man uns im Vorbeifahren so freundlich zuwinkt. Über die AIS-Daten finden wir zumindest heraus, dass es sich hier um die  R 142 - Ystad  handelt, die uns hier gerade mit 35,5 Knoten (knapp 66 km/h) Fahrt passiert hat. Auf dem Wasser eine hohe Geschwindigkeit.


Am Ziel kurz im Internet recherchiert stellen wir fest, dass es sich hier um einen "Marine-Oldtimer" mit Düsenantrieb handelt. Daher auch der Lärm. 

"R 142 - Ystad" ist ein Boot der Norrköping-Klasse und mit drei Rolls-Royce-Proteus-Gasturbinen ausgerüstet, die auf drei Schrauben wirken. Auf Grund technischer Probleme sind selten alle drei Turbinen gleichzeitig im Betrieb, so dass die tatsächliche Höchstgeschwindigkeit auf 40 kn begrenzt ist. Eingesetzt wurden die ursprünglich zwölf Schnellboote dieser Klasse Anfang der siebziger Jahre (!) zunächst als Torpedoboote. Anfang der achtziger Jahre wurden diese Boote auf Lenkflugkörper umgerüstet und bereits 2005 außer Dienst gestellt. Heute kann man für umgerechnet rund 170 € ein Ticket für eine Rundfahrt vom Marinestützpunkt GALÖ nach Stockholm buchen.



Die Festung Dalarö ist eine Festung südlich von Dalarö. Die heutige Struktur wurde 1656 von Karl X Gustav aus Schweden erbaut.









Die schwedische Brigg TRE KRONOR ist ein erst 2005 fertig gestellter Nachbau eines Ostsee-Han­dels­schiffs aus dem 19. Jahrhundert.  Die schwedische Bezeichnung Tre Kronor leitet sich von den Drei Kronen im Schwedischen Wappen ab.  Heimathafen ist Stockholm, wo sie mir bereits auf meinem Hinweg begegnete. Ich hatte nur versäumt das Foto in den Post einzustellen.


Kurz vor Nynäshamn begegnen wir dann noch diesem schwedischen Kriegsschiff. Das scheint noch nicht ausgemustert zu sein, denn es trägt keine AIS Kennung. Warum nur?


Zum Schluß läuft noch diese schwedische Fähre mit uns in den Hafen von Nynäshamn ein. Wieder mal ein Tag der Großschifffahrt für uns.


Insgesamt hatten wir einen überaschender Weise entspannten Törn.  Zwischendurch gab es ganz kurzzeitig tatsächlich mal Böen bis zu 24 Knoten (6 Beaufort). Ansonsten eine entspannte Fahrt, genauso wie der Anleger im Zielhafen. Als wir gerade unter Deck gehen, fängt es an zu nieseln. So darf es sein  -  es darf aber auch mal wieder die Sonne scheinen  -  also für länger als fünf Minuten ... 😉

Zwei Nächte bleiben wir erst einmal hier, dann sehen wir weiter.   GUTE  NACHT !

 

Wir sind hier.

 



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