Mittwoch, 4. August 2021

04.08.2021 Järflotta (vor Anker)

 Mittwoch, 4. August


Es war eine unruhige Nacht. Trotzdem habe ich seit 19:00 geschlafen, wie ein Murmeltier. Die langgestreckte Bucht bei Järflotta ist gegen die See aus den südlichen Richtungen kaum geschützt. Nachts hatten wir Südwestwind und die großen Fähren nach Nynashamn fahren hier vorbei. Da kommt schon zeitweise etwas Bewegung in die Bucht und lässt Ari an der Kette schaukeln. Sobald man dann das Vertrauen in den Ankergrund gewonnen hat und entspannen kann, ist das ein unheimlich schönes Gefühl. So ähnlich, wie in einem ungedämpften Wasserbett, in dem ich mal auf einer Messe probegelegen habe.

Gegen vier Uhr früh kam dann der erste von vielen Ankeralarmen. Standardprozedere. Wieder hinlegen. Fazit: Ich mutmaße, dass Smartphones aufgrund ihrer Baugröße schlechtere GPS-Empfänger haben, als beispielsweise Tablets. Ist aber nur eine Annahme. Ich kann mir andernfalls nur nicht erklären, warum immer nur die Smartphones Alarm machen, während die selbe AnkerApp auf den Tablets tadellos und ohne Alarm läuft. Wie mehrfach angesprochen, gibt auch der parallel aufgezeichnete Track des Ankerns keinen Anlass anzunehmen, dass, mit der Ausnahme der Bucht vor Öland (siehe Blog), das Boot tatsächlich jemals abgetrieben ist. 

Weil es so schön geschaukelt hat, eigentlich aktuell immer noch schaukelt, bleibe ich heute lange im Bett und stehe erst um Viertel nach acht auf.

Weil durch den Südwind bedingt, das Cockpit teilweise im Sonnenschatten liegt, setzte ich mich mit dem ersten Kaffee des Tages raus. Es ist noch so kühl, dass man es mit langen Hosen und dünnem Pulli genau angenehm empfindet. Ich prüfe noch einmal den Wetterbericht. Die für heute und nächste Nacht angesagten Windböen fallen gemäßigter aus als ursprünglich vorhergesagt. Also entscheide ich - wenn sich der Wetterbericht bis heute Abend nicht ändert, bleibe ich noch eine Nacht hier und fahre erst morgen nach Nynäsham. Ich bin recht entspannt und zufrieden.

Ich nehme den Fotoapparat und mache ein paar Aufnahmen ...



In der Bildmitte sind noch die beiden Leuchttürme zu erahnen, an denen ich auf meiner gestrigen Anfahrt vorbeifuhr.

 

 
Beeindruckende Wolkenformationen ...

 

Eine Polische Fähre auf dem Weg nach Nynäshamn.



 

Ich könnte ja die Drohne steigen lassen, fällt mir ein. Gesagt, getan, bereite ich alles vor. Die Akkus sind ja jetzt frisch geladen - kann also nichts mehr schief gehen. Um Katrin gleich zu beruhigen - nein - ich habe die Drohne nicht versenkt. Insoweit ist alles okay. Doch als ich auf dem Vordeck sitze und das Smartphone mit der Drohne verbinden will, passiert nichts. Nach einigen Minuten beschließe ich, den ganzen Kram wieder mit unter Deck zu nehmen und nach der Ursache zu forschen.

Ich stelle fest, dass die Verbindung in den Systemeinstellungen daran scheitert, dass die Drohne die Eingabe des WLAN-Codes fordert. Katrin hatte vor der Abfahrt alles eingerichtet und ich hatte die Drohne ja seither bereits mehrfach benutzt. Welches WLAN-Passwort? Ich probiere Katrins Standard-Passwörter - nichts! Ich durchsuche die Transporttasche der Drohne auf etwaige Hinweise - nichts.

Dann entdecke ich auf der Innenseite des Akkueinschubs einen Hinweis auf der Drohne mit einem WIFI KEY. Den gebe ich ein - nichts. Der WIFI KEY besteht aus einer Kombination von Zahlen und Großbuchstaben. Vielleicht muss ich die Buchstaben tatsächlich groß schreiben. Das mache ich und es funktioniert. Das Smartphone meldet, dass die Verbindung hergestellt ist. Ich ärgere mich kurz wie sinnbefreit es ist, zwischen Groß- und Kleinschreibung zu unterscheiden, wenn ohnehin alle Buchstaben groß geschrieben werden - aber - gut.

Ich nehme die Ausrüstung, gehe wieder aufs Vordecke, schließe alles an und  -  keine Verbindung zwischen Smartphone und Drohne. Ich prüfe alle Verbindungen tippe hier und tippe da in den Menüs - nichts. Also wieder alles retour, unter Deck. Das Smartphone bestätigt, dass eine Verbindung zur Drohne besteht. Zeitweise erhalte ich sogar ein Bild von der Kamera der Drohne auf dem Smartphone - sekunden später ist es weg, ohne dass ich irgendetwas geändert hätte. Gut eine Stunde ist inzwischen vergangen und die Drohne ist nicht einsatzfähig. Immer wieder gehe ich in die Menüs, starte Smartphone und Drohne neu, dann mal wieder ein kurzer Kontakt zwischen beiden. Dann ist er sofort wieder weg.

Ich entdecke ein System, das sich wiederholt. Ich kann einen Kontakt zur Drohne herstellen, welcher endet, sobald ich das Smartphone mit dem USB-Kabel des Controlers verbinde. Warum??? Ich nehme war, dass sich in diesem Augenblick die selbststartende ParrotApp mit der Anfrage des Smartphones, ob ich die Verbindung zulasse, eine wahre Schlacht liefert. Abwechseln werden beide angezeigt, aber so kurz, dass es mir nicht gelingt in dem entscheidenden Bruchteil einer Sekunde, zu bestätigen, dass ich die Verbindung zulassen möchte. Ich nehme alle Komponenten, packe Sie wieder ein und will sie gerade in den Schrank zurückstellen, da packt mich der Gedanke: "Das kann doch nicht sein!"

Ich nehme wieder alles zurück auf den Salontisch, baue die Verbindung erneut auf und habe dann noch kurz zwei oder drei Mal den selben Fehler - plötzlich läuft es. Also wieder alles mit an Deck. Start und ...

 




Ganz hinten in der Mitte des Bildes liegt bereits Nynäshamn.






Diese Halbinsel muss ich morgen umrunden, um nach Nynäshamn zu kommen. Oder ich grabe heute Nacht noch einen kurzen Durchstich, dass würde mir drei der fast acht Seemeilen sparen.


So, jetzt noch schnell die Drohne einfangen.


Im Augenblick (es ist kurz vor 17:00) briest der Wind gerade auf und ich messe 14 Knoten am Windanzeiger. Etwa 20 cm Welle steht auf der Bucht. Das deckt sich noch mit dem Wetterbericht und soll am Abend abnehmen. Wenn ich richtig informiert bin aktualisiert WindyApp immer um 06:00 und 18:00. Ich werde das dann noch einmal prüfen, bevor ich mich entgültig entscheide hier zu bleiben. Nach Nynäshamn sind es von hier aus knapp 8 Seemeilen - also kann ich den Hafen im Notfall in anderthalb Stunden erreichen, bevor es dunkel wird. Nur das Anlegen dort könnte bei diesem Wind lustig werden. Ich hoffe daher, dass ich noch bis morgen hier bleiben kann. 

 

Und das konnte ich. Nachschlag für Nachtschwärmer, die jetzt noch online sind ...


 

Bleibt mir gewogen und weiterhin neugierig.   Danke für´s Anschauen und Lesen.




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