Samstag, 21. August 2021

20.08.2021 Von FURUSUND (Schweden) nach RÖDHAMN (Åland)

 Freitag, 20. August


Um 08:30 drücke ich den Startknopf unseres Diesels. Die Sonne scheint bei 14°C am wolkenfreien Himmel. Schnell ist das Großsegel gesetzt und wir fahren mit achterlichem Wind Richtung Nordosten und ich lasse den Diesel verstummen. Die meiste Zeit sind wir heute mit gemächlichen vier bis sechs Knoten Fahrt, dafür aber sehr entspannt, unterwegs.

Heute ist der Tag der Fähren, denn wir befinden uns auf einer der Hautverbindungswege zwischen Stockholm und den Destinationen der Ostsee, die von allen möglichen Fährbetreibern befahren werden. Schon nach wenigen Minuten kommt uns die Cinderella der Viking Line, ein fast 200 m langes Passagierschiff entgegen und passiert uns an einer Engstelle mit nicht mehr als 300 Metern Abstand. Beeindruckend. Aufgrund des hier geltenden Tempolimits von 8 Knoten (knapp 15 km/h) bleibt jedoch die erzeugte Welle solcher Großschiffe eher unspektakulär, sofern man nicht gerade mit einem Kajak unterwegs ist.

 

 

 



Wir passieren die Insel  RÅDMANSÖ  INFJÄRDEN, einem östlichen Außenposten für Autofähren, kurz bevor man auf die freie See fährt.  Dort legt gerade die Finnfellow ab und fährt wenig später an unserer backbord Seite vorbei (siehe unten).



 

Währenddessen nähert sich von achtern bereits die Baltic Princess der Silja Line. Sie wird uns in einem Abstand von rund 350 Metern passieren - gefühlt fast schon zum anfassen.




Es geht aber auch eine Nummer kleiner. Sprach ich neulich noch von sogenannten Superyachten  -  dann ist diese hier die Mutter der bisherigen Superyachten  ...

Audrey The First,  nennt sich das unter italienischer Flagge laufende Prachtstück. Sie bringt es auf stolze 118 Fuss (knappe 36 m). Im Internet finde ich unter diesem Schiffsnamen keinen Eintrag, mit Ausnahme der einschlägigen AIS-Schiffsfinder Seiten. Da hält sich jemand mit viel Geld aber sehr bedeckt.



Und als wäre das bisher noch nicht genug Schiffsverkehr gewesen, so kommt uns noch ein Passagierschiff der Flotte "Mein Schiff" mit der Nr. 6  aus dem freien Seeraum entgegen.



Da mich schon immer mal die Kerndaten solcher "Pötte" interessiert haben, war das doch Anlass genug, mal ein paar Details aus dem Internet und den gesendeten AIS-Daten zusammen zu tragen (sieh oben).





Dann ist es endlich soweit und wir erreichen um 12:00, nach rund 16 Seemeilen (oder auch: nautischen Meilen - nm) die offene See. Die beiden letzten und östlichsten Außenposten sind die Inseln  TJÄRVEN  im Norden (oberes Foto)  und  TORSKÄR  im Süden (unteres Foto). Beide liegen rund zwei Kilometer von unserem Kurs entfernt, weswegen die Fotoqualität etwas leidet.



Eine Vierteilstunde später kommt uns ein Greifvogel entgegen - es könnte ein Falke gewesen sein. Er unternimmt kurz den Versuch auf einer unserer Salinge zu landen. Das gelingt aber nicht, weswegen er weiter Richtung schwedische Küste fliegt. Seine Kraftreserven scheinen aufgebraucht und wir schauen ihm ein wenig traurig in der Ungewissheit hinterher, ob das wohl noch gut gehen wird.


Die  Saling  (bei uns aus Aluminium) ist im traditionellen Schiffbau eine Holzkonstruktion, die zu beiden Seiten neben dem Mast Befestigungs- oder Umlenkpunkte für die Wanten bietet, um den Mast oder Mastabschnitt von seinem oberen Punkt zu den beiden Schiffsseiten hin zu verspannen.



Ich mache mir ein paar Notizen zum Törn in mein "kurzzeit Tagebuch". Unter anderem schreibe ich: "Ari rollt in den Wellen zwischen Windsee und Dünung hin und her." Die Windsee - also die durch den Wind aktuell erzeugten Wellen - kommt achterlich aus südwest. Die Dünung - sozusagen die gestrige Windsee - kommt aus nordwest und damit querab auf uns zu. Die See hat knapp einen Meter und so pendelt das Boot in mehreren Achsen hin und her. Uns Beiden geht es gut - aber es ist anstrengend, den Körper permanent über Stunden im Takt von zwei bis drei Sekunden in die unterschiedlichen Richtungen auszubalancieren.

Die Sonne scheint bei vier Beaufort und 16°C. Ein angenehmes Reiseklima. Da wir vor dem Wind segeln - der Wind also fast genau von hinten kommt - können wir nur das Großsegel setzen. Das Vorsegel würde sich im Windschatten des Großsegeln befinden und somit "nicht funktionieren". Das hat aber zur Folge, das uns auf dem Vorwindkurs nur etwas weniger als die Hälfte der Segelfläche zur Verfügung steht und wir daher trotz des ordentliches Windes mit durchschnittlich fünf Knoten Fahrt recht langsam sind. Die Überfahrt über die gut 20 Seemeilen offene See wird daher rund vier Stunden dauern. Die heutige Gesamtdistanz wird gut 43 Seemeilen betragen.

Um 13:59 und 4 Sekunden überqueren wir eine Zeitzone Richtung Osten. Hierdurch entsteht eine Zeitverschiebung gegenüber der "Deutschen Zeit" von +1 Stunde. Es ist auf den Ålands und Finnland also eine Stunde später als bei uns zu Hause.


 

Damit haben wir auch gleichzeitig die Ländergrenze überschritten, holen die schwedische Flagge ein und setzen die Flagge der Ålands unter der Steuerbord-Saling.

 


 

Nach 32 Seemeilen haben wir um 14:40 den Leuchtturm  LÅGSKAR  an steuerbord querab (also in einem 90° Winkel zu unserem Kurs). Die Entfernung beträgt rund 9 Kilometer(!). Bei dem Wellengang ist es schon anspruchsvoll, das gewünscht Objekt bei einem Zoom von 600 mm überhaupt im Sucher des Fotoapparates zu behalten.


Kurz vor dem Ziel haben wir an backbord noch die Lilla (kleine) Batskar mit dem Förderturm zu einem ehemaligen Untertagebetrieb.




Um 17:44 Ortszeit sind alle Leinen fest gemacht und ich schalte den Motor aus.

 

Jetzt nur noch schnell zum Hafenmeister bzw. der Hafenmeisterin, das Liegegeld bezahlen.


Der Magen hängt uns in den Kniekehlen. Daher muss es schnell gehen und wir gönnen uns heute eine große Portion Miracolli mit frischem Parmesan und einer Flasche Rotwein. Das ganze im Cockpit bei 16°C und abendlicher Sonne. Wir sind tief zufrieden.




Am Abend werden wir dann noch mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt.



Gute Nacht!



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