Montag, 2. August 2021

02.08.2021 Batsviken, vor Anker

Montag, 2. August

 

Es war eine relativ kühle Nacht. Zum ersten Mal auf diesem Törn benötige ich eine zweite Bettdecke, während wie immer, wenn es nicht gerade regnet, der Wind durch die Fliegengitter der geöffneten Luken streicht. Eine Dauerbelüftung an Bord ist wichtig, da das Luftvolumen im Vergleich zu den Räumen zu Hause gering ist. Körper und Kochkünste erzeugen eine Menge Feuchtigkeit; die muss raus, weil sonst an kalten Tagen oder Nächten diese Feuchtigkeit an den Metall- und Kunststoffoberflächen der Innenräume kondensiert und am Schluss tatsächlich von der Decke tropft.

 Es ist Viertel vor acht als ich wach werde und aufstehe. Ich mache mir meinen obligatorischen Kaffee und gehe den Niedergang hoch ins Cockpit. 

 

So empfängt mich der neue Tag ...

 

Hier sind alle Oberflächen so gut wie trocken. Außergewöhnlich! Denn hier passiert in der Nacht das Gleiche, wie in Innenräumen. Die Luftfeuchtigkeit kondensiert an der Außenschale des Bootes und ganz besonders an allen Aluminiumteilen. Morgens stehen dann dicke Tropfen auf der gesamten Bootsoberfläche, auch wenn es nicht geregnet hat. Fast jeden Morgen – heute nicht.


 

 

Wir haben 19° C und die Sonne scheint am ungefähr zur Hälfte bedeckten Himmel. Neben mir schwoit eine Niederländische Segelyacht, die gestern am frühen Abend noch einlief. Es ist totenstill – kein einziges Geräusch. Minutenlang höre ich nur das Summen in meinen Ohren.

 


 

 

Eine Segelyacht fährt den rund einen Kilometer entfernten Schärenweg unter Segeln nach Norden. Unter Segeln?   Ich greife zu meinem Tablet und schaue in den Seewetterbericht. Südwestwind mit 7 Knoten (eine schwache 3 Bft.). Da ist heute aber jemand früh aufgestanden, um noch die morgendlichen Winde ein wenig zu nutzen. Nach einer langen „fast Flaute“ die von heute Vormittag bis in den frühen Abend andauert, dreht der Wind dann in der Nacht auf Nord, was ich nicht nutzen kann. Morgen früh ist es dann wieder schwach windig.

 

Während ich mir das in mein handschriftliches Tagebuch notiere und meinen Kaffee ausgetrunken habe, höre ich weit entfernt ein Verkehrsflugzeug vorbeifliegen und einen Fisch, der im Wasser nach etwas schnappt, stört die absolute Stille. Jetzt ist es wieder ruhig. 08:00, die Niederländer schlafen noch.

Mir fällt ein, dass die manuelle Spülung der Toiletten schwergängig ist und ich entschließe mich kurzerhand das gleich mal zu erledigen. Den Pumpkolben abgeschraubt und mit einem ZEWA trocken gewischt, ein wenig frisches Schmierfett und alles wieder zusammengebaut. Dauert etwa drei Minuten – jetzt noch die zweite Toilette.

 

Es ist halbzehn als ich entscheide mir Frühstück zu machen. Da ich noch nicht in der Stimmung bin, die eigentlich zu meiner im Augenblick perfekten Situation passt, möchte ich alles so schön, wie möglich machen. Frische Brötchen, zwei weich gekochte Eier, Kaffee und heute, wo ich höchstens die benachbarte Yacht stören könnte, möchte ich Musik zum Frühstück. Mir ist nach „Return Of The Rain“ von Paul Hardcastle. Die Sonne scheint zwar, aber dieses Lied erscheint mir jetzt perfekt.

 


 

Während ich unter Deck genussvoll mein Frühstück zelebriere, läuft draußen die Seenotrettung ein. Anscheinend haben die Niederländer ein technisches Problem. Das SAR-Boot, das mit vier Rettern besetzt ist, geht längsseits an die Yacht. Doch kaum fünf Minuten später legen sie wieder ab. Die Niederländer winken, sich bedankend, hinterher. Eine Stunde später gehen Sie Anker auf und verlassen selbst die Bucht. Wir rufen uns noch ein paar Höflichkeiten aus der Ferne zu. Sie bemerkt, dass man das (den SAR-Einsatz) nun wirklich nicht brauche. Wie Recht sie hat. „That´s sailing“ rufe ich zurück und wünsche noch „Fair winds“.


 

Ohrenqualle

 

Nun bin ich wieder alleine in dieser Bucht.  Es ist genau 11:00.  Eine Beschäftigung muss her. Ich werde mich jetzt selbst überraschen und später darüber berichten.  Doch als ich den Niedergang hochkomme, hat sich der Sonnenschein während ich den Blog schrieb, in diesen Anblick gewandelt ...

 


Wenige Minuten später regnet es. Ich schaue in den Wetterbericht ... - ... das soll bis 13:00 wieder aufgehört haben. Damit kann ich leben.


Nach dem Regen lasse ich erstmal die Drohne steigen. Besser gesagt ich möchte die Drohne steigen lassen, muss dann aber feststellen, dass sich seit meiner letzten Nutzung in Tjärö, dass ist jetzt dreieinhalb Wochen her, die Akkus schon wieder zur Hälfte entladen haben. Parrot Anafi hat das gute Stück hergestellt und ich halte von dieser Drohne etwa genauso viel wie von Mobiltelefonen der Marke Huawei und alle die mich gut kennen, wissen was ich von Huawei halte. Irgendwann sind die Akkus dann wieder geladen und ich starte den zweiten Versuch. Seht selbst ...

Die Bucht  Batsviken


Das Festland im Hintergrund

Die Küste im Norden

Blick nach Südost
 

 


 

Als gerade mal wieder die Sonne rauskommt, entstehen diese beiden Fotos ...

Hier brennt es nicht - es ist nur eine Wolke ...




Es ist Zeit zum Kajakfahren. Hier knipst mich Harry gerade, wie ich mit Schwimmweste den Niedergang hochkomme.


 


Am Ende meiner Bucht ist unterwasser alles mit feinem Kies bedeckt und die Wiese reicht bis an das Wasser. Ein Anblick der mich eher an einen Alpensee erinnert. 

Von dort aus habe ich diesen Blick zurück - die gesamte Bucht entlang.


Mit dem Kajak bin ich dann noch rund eine Stunde in den benachbarten Buchten unterwegs. Insgesamt eine Strecke von gut fünf Kilometern. Da ich trotz der wirklich schönen Gegend nichts entdecke, das völlig neu wäre und ich noch nicht fotografiert habe entsteht nur dieses eine Foto, um welches ich den Blog noch ergänze.


Wie es weitergeht, weiß ich bis jetzt selbst noch nicht. Daher schaue ich gleich mal in die Seekarte und den Wetterbericht. Mehr gibt´s dann morgen.



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