Freitag, 6. August 2021

06.08.2021 Nynäshamn

 Freitag, 06. August

 

Nynäshamn liegt etwa 60 Kilometer südlich von Stockholm und hat rund 15.000 Einwohner. Viele Schweden scheinen hier gerne Urlaub zu machen. In der Sommersaison ist der Hafenbereich vor allen Dingen durch den Bootstourismus frequentiert. Außerhalb des Hafens habe ich bisher keine bedeutsamen oder fotogenen Attraktionen entdecken können.

Kurz nach acht starte ich bereits zu meiner ersten kleinen Fotorunde des Tages ...


Blick auf meinen Steg und die Gebäude der Hafenmeisterei. Noch ist der Steg nur auf der hinteren Hälfte belegt. Heute Nachmittag wird der Hafen wegen des Wochenendes und den anstehenden Starkwindtagen mehr oder weniger ausgebucht sein. Gut, das ich schon da bin.


Ari ist aufgrund des orangefarbenen UV-Schutzes der Segel immer auf anhieb unter allen anderen Segelbooten zu finden. Regelmäßig werde ich in den Häfen auf diese Farbe hin angesprochen. "Do you have orange sails?"  -  "No - ist only the colour of the sunprotection!" ist das standard Frage- und Antwort-Spiel.

 


In diesem Hafen habe ich ein Problem. Eigentlich haben es hier alle Segelyachten  -  und das sind die vielen Motorboote, die hier mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Boxengassen des Hafens brausen. Im Vergleich zu einer 10 Tonnen Segelyacht wie Ari, kann schon ein kleines und leichtes Motorboot eine stärkere und größere Welle erzeugen. Diese rollt quer durch den ganzen Hafen und lässt die Segelyachten ordentlich tanzen. Aufgrund des hohen Gewichtes der Segelyachten, haben die Festmacher und Beschläge an Bord Höchstleistungen zu erbringen, bei dem Versuch, das schwimmende Gefährt auf der Stelle zu halten. Schon so manches Mal hatte ich den Eindruck, die Klampen reißen mir gleich aus dem Deck. So manchen Motorbootfahrer hätte ich dafür schon am liebsten den Hals umgedreht. 

Warum das gerade in diesem Hafen so schlimm ist, kann ich mir nicht erklären. Zumindest sind es aufgrund der Größe des Hafens unzählige Motorboote, die hier ständig rein und raus fahren. Um den Ruck durch die Heckwelle der Motorboote ein wenig zu lindern, habe ich jetzt ein zweites paar Festmacher am Bug befestigt, die mit einem Gummipuffer versehen und vorgespannt sind. Bei einer anrollenden Welle dämpft zunächst der vorgespannte Festmacher mit Gummipuffer das Einrucken. Während sich der Gummipuffer dann schon stark dehnt, fängt der zweite Festmacher erst an, seine Dämfung aufzubauen. So eine Art progressive Dämpfung in zwei Stufen. Das hat die Situation deutlich verbessert.

Als ich heute mit meinem Schwedischen Bootsnachbarn darüber sprach, meinte der nur: "Warte ab - morgen ist Starkwind, es ist wellig, da fährt sowieso kein Motorboot mehr aus dem Hafen". Recht hat er - Motorbootfahrer sind fast ausschließlich bei Schönwetter und glatter See unterwegs und dann blos nicht zu weit von Land weg. Sozusagen die Café-Racer unter den Bootseignern. Und wer das für eine Übertreibung hält, dem sei gesagt, das ich in den acht Jahren, die ich jetzt auf der Ostsee unterwegs bin, noch nicht ein einziges Mal ein Motorsportboot oder eine Motoryacht auf einer Überfahrt gesehen habe und auch keines, dass bei mehr als 30 Zentimeter Welle unterwegs gewesen wäre, ungeachtet der Bootsgröße. Ja, Katrin - anderes Thema.



Auf der gegenüberliegenden Seite gibt es schon die eine oder andere stattliche Villa im typisch Schwedischen Stil. Wie sagte Katrin mal so schön: "Je näher man Stockholm kommt, je größer werden die Villen und um so mehr Türme haben sie!". Richtig - und da diese nur einen Turm hat, bin ich noch zu weit von Stockholm entfernt - aber Ihr werdet das noch sehen.



Am Anfang meines Steges, kurz vor dem Hafenmeistergebäude, liegt dieses alte Schiff, dass schon seit Jahren als schwimmendes Restaurant dient.






Hier gehe ich morgen wieder meine "Harbour Fee" zahlen.



Hier schließen sich die Servicebereiche des Hafens und diverse Restaurationen an.


Jetzt, am Morgen, ist es hier wie ausgestorben. Abend wird es schwierig, noch einen Platz in einem der Restaurants (schwedisch: "Restaurang") zu bekommen.



 
Man gibt sich touristisch und international. Direkt hinter dem Hafen beginnt eine eigentlich eher biedere Wohngegend.
 
 
 

Hier liegt heute eine Superyacht - die HEVEA. Die von Southern Wind  2013 gebaute Yacht ist mehr als 31 Meter (102 Fuss) lang und wiegt über 62 Tonnen. Die Segelfläche beträgt 517 Quadratmeter (Ari hat 84 m²). Überraschender Weise handelt es sich hier um eine Charteryacht, die unter Maltesischer Flagge mit Heimathafen Valetta, läuft. Wie man mit der sogenannten Ausschiffung legal die Steuer, aber auch die Arbeitsrechte der Crew, umgeht, hatte ich bereits in meinem Nynäsham-Blog 2019 beschrieben.

Sollte sich jemand fragen: "Wo fährt man mit so einer Yacht eigentlich hin, wenn man mal tanken muss?"   Antwort: "Nirgends - Man lässt einfach einen Tankwagen kommen!" (siehe unten) ...    Die Bootstankstelle liegt direkt nebenan. Möglicher Weise kommt diese Yacht wegen Ihrer vier Meter Tiefgang nicht bis dorthin.
 
 
Morgens halbneun in Schweden.

 
 
 So, jetzt habe ich mir aber auch mal eine Pause verdient ...
 

 
 
 

 Hier entdecke ich an einem anderen Steg noch einen Explorer aus Aluminium. Die richtige Yacht, um die Welt zu erkunden - sozusagen das Gegenteil von Motorbootfahren. 😂

 
Schön hingegen ist diese ...
 

Die moderne Interpretation eines Wickigerschiffs. Hier ist am und im Rumpf fast alles aus Holz. Sogar die Waschbecken!   http://langskip.com/Langskip.COM/About_Langskip_1.html
 

Für den Mast und die Rahen nutzt man hier allerdings (vernümftiger Weise) Aluminium.

 
 
 
 
 
 
Doch jetzt ist es erst einmal Zeit zum Frückstücken und ich gehe zurück an Bord. Dort wartet dann später noch eine nicht ganz unwichtige aufgabe auf mich. 

Unter anderem hatte ich ja im Blog vom 3. August beiläufig erwähnt, dass ein Schraubstück eines Seewasserventile lose war und ich mich später darum kümmern werde. Zur Sicherheit hatte ich zunächst nur das sogenannte Kugelventil geschlossen. Kugelventil nennt man einen Absperrhahn der dadurch geschlossen/geöffnet wird, das man einen Riegel (hier blau, ganz links) um 90° in die  ZU -  bzw.  AUF - Richtung dreht. Beim Betätigen hatte sich am Dienstag überraschend das darüber befindliche Winkelstück, das hier mit den Wasserzulauf für das WC verbunden ist, mitgedreht, weil es völlig lose war.




Die heutige Kontrolle ergab  -  es hat sich nichts gelöst  -  das Winkelstück wurde nie festgezogen.  Da hat wohl der Meisterbetrieb aus Neuhof eine wenig meisterliche Arbeit geleistet.  Als ich die Verbindung zum Wasserzulauf-Schlauch löse, kann ich das Winkelstück schon per Hand und ohne Werkzeug um anderthalb Umdrehungen fester ziehen. 

Wir befinden uns hier unterhalb der Wasserlinie !!!   Diese sogenannten Borddurchlässe oder auch Seeventile gehen durch die Bordwand direkt unterhalb der Wasserlinie ins Wasser. Wenn hier etwas undicht ist, oder bricht, kann eine Yacht schlimmstenfalls sinken. Das hier bisher (zumindest dem Anschein nach) kein Wasser durch die lose Gewindeverbindung gelaufen ist, grenzt fast an ein Wunder.

Ich ziehe also alles fest, schließe die Schlauchverbindung wieder an, und lege vorsichtshalber ein paar Lagen ZEWA darunter. So kann ich später erkennen, ob alles dicht ist, sofern keine Wassertropfen auf dem Papier sind. Man, man ,man ... wenn du nicht alles selbst kontrollierst.
 
 
 
So, nach dem Schrecken, soll mich jetzt "die Muse küssen". Ich gehe Fotografieren.



Doch dann fällt mir ein - ich hatte ja schon im Blog von 2019 festgestellt, dass es hier in Nynäshamn an Historischem mangelt, eigentlich auch an schöner Natur, zumindest was den Bereich der Stadt betrifft. Nicht mal die von mir so oft gepiesenen Blumenkübel gibt es hier.




Ich habe mein Bestes gegeben und bin fast zehn Kilometer kreuz und quer gelaufen um das Highlight dieses Tages zu entdecken ...



Bei einem  MEGA ICA ,   also einer ICA - Filiale, die neben Lebensmitteln auch noch einen ausgedehnten Nonfood-Bereich hat, bekomme ich endlich meine heißgeliebten Kardamon  Knut (auch: Kardamom). Und so sehen Sie aus ...



Praktisch eine Art Schwedische Kardamonschnecke, nur dass die Schnecke hier "Knoten" genannt wird (https://www.kitchenstories.com/de/rezepte/schwedische-kardamomschnecken). Und weil ich voraussichtlich noch bis einschließlich Montag wegen des Starkwindes hier bin, habe ich mir gleich sechs Stück gekauft - für jeden Tag zwei.
 
Schwierig beim Nachbacken des Rezeptes dürfte sein, dass das Original hier neben Kardamonpulver (aus den Samen) nämlich keine Kardamonblüten (wie im Rezept), sondern zusätzlich grob gehackte Kardamomsamen enthält, die man bei uns nicht ohne weiteres bekommt. So hat man zum einen den gleichmäßig verteilten Geschmack des Kardamompulvers im Teig und zusätzlich, wenn man zufällig darauf beißt, eine kräftigere Note des gehackten Kardamoms. Die Blüten haben darin eigentlich nichts zu suchen. Kardamon gehört zur Familie der Ingwergewächse - hat aber geschmacklich nichts mit Ingwer gemein.

Abends bin ich dann tatsächlich noch einmal im HAMNGRILLEN. Als die Chefin, die kein Englisch spricht, micht sieht, lächelt sie und ruft etwas auf Schwedisch nach hinten. Es kommt die Bedienung, mit der ich mich gestern Abend unterhalten hatte und nimmt meine Bestellung in Englisch auf. Auf Schwedisch so ähnlich wie: Hamburgare Menu, Strips (Pommes) und ...

Weil ich erneut zufrieden bin, hinterlasse ich sogar eine Restaurantkritik.



So, morgen, stürmt und regnet es hier. Ich muss mir etwas einfallen lassen.


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