Mittwoch, 11. August 2021

11.08.2021 Von HASSELÖ-FLADEN nach STORÖN (bei BJURÖN)

 Mittwoch, 11 August

 

Es ist kurz nach Mitternacht, als ich das erste Mal von selbst aufwache. Ich kontrolliere die Bootslage auf dem Tablet. Es ist deutlich zu sehen, wie durch den geringeren Wind auch der Zug auf die Ankerkette abgenommen hat. Die Ankerkette wiederum, sinkt durch ihr Eigengewicht dadurch schon fast auf voller Länge zu Boden und zieht Ari damit weiter Richtung Anker. Der Schwoienradius ist kleinen geworden, das ist auf dem Track des Tablets deutlich zu sehen.

 

Die durch die Ankerkette verursachten Geräusche sind zwar leiser geworden, doch besonders in der Bugkajüte noch deutlich zu hören. Es ist wie ein dumpfes Grollen, wenn die Kette über Untergründe, wie Steine oder Felsen gezogen wird. Dabei übertragen sich Tonfrequenzen, ähnlich wie bei einer Gitarrensaite auf den Klagkörper des Instruments, nur das in diesem Falle der Rumpf der Ari der Klangkörper, das Instrument, ist. Aufgrund seiner Größe ist die Tonlage entsprechend tief – es rumpelt und grollt. Fast ein wenig gruselig anzuhören.

 

Aber die Gesamtsituation hat sich entspannt und daher schlafe ich schnell wieder ein. Ich habe immer noch meine Schönwettersegelhose, dicke Socken  und einen Fleecepulli an. Als ich gestern Abend in die Koje ging, wollte ich sicherstellen, dass ich im Fall der Fälle schnell am Steuer stehen und den Motor starten kann. Vor Sonnenuntergang hatte ich noch überlegt, den Anker wegen seiner Drift noch einmal neu zu setzen. Ich entschied mich dann dafür, einfach noch ein paar Meter Kette zu geben. Insgesamt hatte ich jetzt 40 bis 45 Meter Kette gestreckt.

 

Dadurch lag Ari schon im tieferen Wasser, weswegen ich mir Sorgen machte, ob ein Segler oder Motorbootfahrer, der möglicher Weise noch spät abends in die Bucht käme, das Ankerlicht auf der Mastspitze allein überhaupt bemerken würde. So stellte ich noch eine sehr helle Tischleuchte auf den Salontisch, die ich parallel über ihren USB-Anschluss laden lies. Ein Blick auf den Batteriemonitor zeigte, dass diese LED-betriebene Leuchte keinen messbaren Stromverbrauch erzeugte – das war gut. Nach draußen sollte das Licht eines voll beleuchteten Salons, deutlich für andere zu sehen sein. Eine Stirnlampe lag ebenfalls für den Fall bereit, dass ich des Nachts noch hätte „Ankerarbeiten“ durchführen müssen.

 

Es ist früher Morgen und die Sonne steht um dreiviertel fünf noch vor ihrem Aufgehen. Ich wache erneut auf und registriere, dass der Wind sich gelegt hat. Ein kurzer Blick durch die geöffnete Luke über der Koje im Bug, bestätigt – alles ist ruhig – Ari liegt quer zur Ankerkette im Wasser – das bedeutet, keine Gefahr! Noch angezogen, lege ich mich wieder hin, doch eine Stunde später fühle ich mich ausgeschlafen und stehe auf.

 


 

Die Sonne steht noch niedrig über dem Horizont und ich mache ein paar Fotos. Es ist wieder mal völlig still. So still, das ich das Rauschen in meinen Ohren hören kann. Selbst die Seeschwalben, die in der Nähe unterwegs sind, höre ich nur leise, wenn sie im Wasser landen.

 


 

Ich mache mir einen Kaffee, packe meinen Laptop wieder aus und beginne zu schreiben. Es ist gerade kurz nach sechs Uhr morgens. Drinnen und draußen messe ich 17° C. Die Gasflamme auf dem Herd erzeugt ein Geräusch, das mich irgendwie in ein Gefühl der Ruhe versetzt. Ich spüre die Wärme als ich neben dem Herd stehe, und muss an die Steinzeitmenschen denken, wie sie wohl morgens an ihrem Lagerfeuer gesessen und sich gewärmt haben. Hier wird anscheinend gerade dieses Urgefühl oder eine Sehnsucht bedient und das fühlt sich gut an.

 

Doch später am heutigen Tage geht es ja noch weiter Richtung Stockholm, zu der Ankerbucht, in der ich ja bereits gestern liegen wollte ...

 

Der Segeltag beginnt mit bestem Wetter. Wieder mal, bin ich nur mit meiner Schönwetterbekleidung und im T-Shirt unterwegs. Später noch ein langärmeliges Hemd darüber gezogen, damit ich nicht verbrenne. Ich habe wenig Wind und so geht es mit gemütlichen drei bis vier Knoten Fahrt voran. Bei einer Distanz von 16 oder 17 Seemeilen spielt das ja auch keine Rolle. Genusssegeln pur. Ich WhatsApp´e mit Freunden, telefoniere zweimal mit meinem Steuerberater, während ich am Steuer stehe (Gut - das könnte jetzt zu Missverständnissen führen) und genieße den Anblick, den mir die Landschaft so bietet.


Ein Pavillon auf einer Klippe. Muss es nicht ein erhabenes Gefühl sein, dort zu sitzen und auf das Meer hinaus zu schauen? Vielleicht mit einem Glas Rotwein oder Single Malt in der Hand. Je nach Uhrzeit versteht sich - Kaffee geht natürlich auch.



Die ersten Wolken ziehen auf und ich bin in etwa an der Stelle, an der ich gestern wegen des Gewitters umgedreht hatte.



Heussa - diese Wolke erinnert mich ein bisschen an gestern, aber Regen soll es heute erst später geben.



In Schlangenlinien geht es hier einen der Hauptfahrwege zwischen den Schären entlang. Hier sieht es schon wieder freundlicher aus. Als ich nach links schaue, kann ich weit in einen fjordähnlichen Wasserarm schauen. Da kommt aber was runter denke ich noch und greife nach dem Fotoapparat ...


Kaum den Auslöser gedrückt, fängt es plötzlich auch bei mir an zu tröpfeln. Gut - ein kleines Schauergebiet, da ziehe ich mir nur kurz meine Wetterjacke über. Der Regen ist gleich durch ...

 


 

Doch da habe ich mich gewaltig getäuscht.



War ich nicht gestern umgekehrt, um nicht durch das Gewitter fahren zu müssen ?

 


Ich gebe ordentlich Gas, denn das schlechte Wetter droht mich einzuholen. Eine Viertelstunde später merke ich, dass dieses Unwetter schräg hinter mir mit ordentlich Blitz und Donnerknall durchzieht. Nach etwa zwanzig Minuten ist dann alles vorbei und ich knipse noch dieses Panorama.

 


 

Vor mir sieht es dagegen schon freundlicher aus. Als wäre nichts gewesen.



Kurz darauf bin ich auch schon am Ziel. Doch meine Ankerbuchten dort sind voll. Hier in der Gegend gibt es kaum Ausweichplätze, denn der Meeresgrund ist hier an vielen Stellen zum Ankern zu tief. Also finde ich nur eine Bucht um die Ecke, die zwar sehr schön aussieht, aber zur falschen Richtung hin geöffnet ist. Bei dem Westwind, der gegen Mitternacht beginnt, stehen Wind und Welle genau auf dieser Bucht. Für diese Nacht muss es gehen. Mangels sinnvoller Alternativen, werde ich dann bereits morgen nach Stockholm einreiten.



Dieses Panorama wird der Bucht an sich nicht gerecht, da es die schöne U-Form zu einer Geraden biegt. Seht es einfach als Sinnbild, für meinen heutigen Ankerplatz.


Während ich das hier schreibe, zieht draußen gerade die nächste Gewitterzelle vorbei. Diese wurde im Wetterbericht genau so erwähnt, wie die von heute Mittag (nämlich gar nicht).



... und so sieht sie aus. Einige Male ordentliches Donnergrollen - dann löste sie sich über mir auf. Mein Bedarf an Blitz und Donner war für heute bereits gedeckt.

Zum Abschluss noch etwas zum Entspannen ...



Gute Nacht!



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