Sonntag, 25. Juni
Gestern Abend schaute ich noch einmal kurz nach 22:00 in den Seewetterbericht. In der Region um Finnhamn war schwacher Wind vorhergesagt, der auch wegen seiner aus Nord kommenden Richtung nicht zum Segeln taugt. Weiter draußen auf der freien See sollten aber 13 kn (4 Bft), in Böen 18 kn (5 Bft), ebenfalls aus nördlichen Richtungen, sein. Eine bessere Chance bekomme ich die nächsten Tage nicht, also starte ich am Sonntag früh. Nordwind ist nur bedingt gut, wenn man nach Nordosten muss, aber es sollte machbar sein.
Um 05:00 Uhr klingelt der Wecker. Gut er hätte geklingelt, wäre ich nicht schon vorher wach gewesen. Ich mache mir einen Kaffee und während die Brötchen im Ofen backen, bereite ich schon mal das Logbuch vor und trage unter anderem das zu erwartende Wetter für meine Fahrtroute ein.
Gegen 06:00 mache ich noch dieses Foto, denn das Wasser in der Bucht ist spiegelglatt und die Sonne steht noch tief. Beste Voraussetzungen für stimmungsvolle und farbenprächtige Bilder. Als seien die vor Anker liegenden Boote auf einem Spiegel festgefrohren. Draußen ist es feuchtwarm und so ist Ari komplett mit dicken Wassertropfen überzogen, obwohl es nicht geregnet hat.
Während meiner Vorbereitungen mümmle ich ein Brötchen notgedrungen noch am Morgen. Zwei weitere werden für den Törn vorbereitet. Um 06:28 bin ich klar zum ablegen und starte den Motor.
Oben: Hier bin ich schon rückwärts aus meinem Liegeplatz herausgefahren. Ari treibt, während ich die Festmacherleinen, die ich eben gelöst habe, ins Cockpit lege. Als alles verstaut ist geht es los. Zunächst quer durch das Feld der Ankerlieger ...
Am Ende der Bucht nehme ich jetzt die nördliche Ausfahrt. Durch einen recht engen natürlichen Kanal, der sich zwischen mehreren Schären befindet, geht es Richtung Fahrwasser. Grobe Richtung: NordOst ...
Nach gut zwei Stunden Motorfahrt komme ich dann in das Hauptfahrwasser, dass Stockholm in östlicher Richtung an die Ostsee anbindet. Hier sind immer reichlich Kreuzfahrtschiffe unterwegs. Dieses hier fährt gerade nach Stockholm ...
Das Hauptfahrwasser (siehe auch Karte ganz unten) verläuft von Stockholm aus in nordösticher Richung und hat etwa die selbe Ausrichtung, wie der Kurs, den ich nach Mariehamn schaffen müsste. Natürlich schlängelt sich so ein natürlicher Wasserlauf durch die Landschaft und so merke ich, dass ich draußen auf der freien See aufgrund des Nordwindes den Kurs nach Mariehamn gerade so nicht schaffen werde.
Daher entscheide ich mich auf der Fahrt, meine Route noch einmal anzupassen. Ich greife mir das Tablet und such mir eine nördlichere Ausfahrt auf die freie Ostsee heraus. Die ist schnell gefunden. Dadurch starte ich meine Überfahrt 10 sm, rund 19 km nördlicher, weswegen ich nach Mariehamn einen um 18° günstigeren Kurs habe und dann ganz entspannt und deutlich schneller segeln kann.
Die letzten Schären bevor die offene See kommt ...
Nach etwas mehr als 30 sm kann ich endlich die Segel setzen und der Diesel verstummt für die nächsten Stunden. Welch Wohltat. Vom östlichsten Teil Schwedens bis zum Beginn der Åland Inseln sind es nur 32 sm (rund 60 km). Etwa auf halber Distanz überquere ich gegen 14:00 eine Zeitzone. Ab hier gilt nicht mehr die Mitteleuropäische sondern die Osteuropäische Zeit, also +1 Stunde (siehe auch Karte ganz unten). Für die nächsten Wochen ist es bei mir also immer eine Stunde später.
Bevor ich den Wirtschaftraum der Ålands erreiche muss ich noch die Gastlandsflagge wechseln. Die schwedische kommt runter (oben) und die Ålandflagge wird gesetzt (unten). Die Ålands sind eine politischer Autonomie Region Finnlands. Die Haupstadt ist Mariehamn, die offizielle Sprache schwedisch und die Währung ist der Euro.
Das erste was man von den Åland Inseln sieht, ist dieser ehemalige Förderturm eines Untertagebaus (Gearbeitet wurde untertage wohl unter dem Meer, wenn ich dass richtig in Erinnerung habe. Leider habe ich die Webseite mit diesen Infomationen nicht mehr gefunden) ...
Als ich kurze Zeit später die Segel einhole, haben wir unsere 15.000 'ste Seemeile auf dem Meer gesegelt (knapp 28.000 km). Ab hier sind es dann noch einmal 10 sm Motorfahrt nach Mariehamn, denn der Weg führt Richtung Norden, wo der Wind herkommt.
Um 18:15 (MESZ) also hier 19:15 liege ich nach knapp 12 Stunden fest im Hafen von Mariehamn und schalte die Maschine aus.
Dieser schöne Kutter ankert direkt vor meinem Hafen.
| Weißwangen-Gänse |
Der Track meines heutigen Törns mit ein paar Zusatzinformationen ...
Distanz: 67,6 sm nach GPS (über Grund) - 72,8 sm nach der Logge (durch das Wasser). Die Differenz von 5,2 sm entsteht hier durch den Gegenstrom, weil der Nordwind das Wasser gerade nach Süden aus der Ostsee drückt, ich aber in die Gegenrichtung gefahren bin.
Es ist schon wieder halbzwei Uhr nachts. Ich glaube, ich kann jetzt noch gar nicht schlafen. Ich bin zu aufgekratzt. Es war eine schöne Fahrt - also die 32 sm unter Segeln 😉
Morgen schaue ich mich hier mal ein wenig um und mache bestimmt noch das eine oder andere Foto.
Bleibt gespannt - ich bin es auch.
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| Euer Harry |
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Willkommen in Finnland!! Liebe Grüße Christine und Gerd
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