Dienstag, 20. Juni 2023

20. Juni 2023, Stora Jolpan / Finnhamn

Dienstag, 20. Juni


Die Sonne tut sich heute Morgen noch ein wenig schwer, sich durch die dünne Wolkendecke zu arbeiten. Hier und da ist schon etwas Himmelsblau zu erahnen. Bei angenehmen 18°C sitze ich mal wieder mit meinem ersten Kaffee im Cockpit. Der Wind ist heute Morgen kaum zu spüren, so, wie es der SeeWetterbericht vorhergesagt hatte.

Meine Graureiher - Flugstudie

Die Ruhe in dieser Bucht wird nur durch das Zwitschern der Vögel unterbrochen. Gut, ab und zu höre ich das Gejohle einer Gruppe Jugendlicher, die hier mit insgesamt sieben Segelbooten angereist ist. Alle Boote liegen dicht nebeneinander und mit einem Heckanker gesichert, direkt mit dem Bug am Fels einer Schäre festgemacht. Sie alle liegen etwa 200 m entfernt. Erstaunlich, wie das Wasser den Schall überträgt. Doch wenig später ist wieder Ruhe eingekehrt.

Meine Nachbarn legen ab. Zunächst höre ich nur das sonore blubbern des Diesels. Dann klappert es ein wenig, als die Fender von der Reling abgenommen und ins Cockpit gelegt werden. Sie löst die Festmacher am Bug, er steht am Steuerrad, schaltet in den Rückwärtsgang und die Yacht gleitet fast geräuschlos, sich vom Holzsteg entfernend, nach hinten.

 

 

Sie sind noch nicht weg, da kommt ein Schiff der Polizei in die Bucht gefahren, dreht langsam am Ende der Bucht und kommt zurück. In ganz langsamer Fahrt, als würden sie konkret nach etwas suchen, fahren sie wieder an allen festgemachten Booten entlang und verlassen dann die Bucht, wie sie gekommen sind.   Nein, das Segelschiff, das gestern Abend hier noch vor Anker gegangen war, scheint ihr Interesse geweckt zu haben. Zunächst nur ein paar Fragen von Bord zu Bord, dann gehen sie längsseits und später an Bord des Segelschiffes.

 

Dort ist eine Jugendgruppe unterwegs, das hatte ich bereits gestern Abend hören können. Eine Art gebuchte Ausflugsfahrt mit Übernachtung an Bord. Mit dem Signal einer Schiffsglocke, werden alle an Deck zusammengeholt. Etwas Stimmenwirrwarr. Dann ist es ganz still. Zehn Minuten später, die Polizei ist noch an Bord, hört man die Jugendlichen einmal stimmungsvoll in der Art eines Stammesgesanges aufjohlen. Dann ist wieder Ruhe.

 


Oben: Die Hallberg-Rassy (siehe gestriger Post) liegt währenddessen immer noch vor Anker, keine hundert Meter entfernt. Nichts regt sich an Bord. Scheinbar bewegungslos befinden sich alle fünf Ankerlieger in einer Art Halbkreis um Ari herum. Das Wasser ist inzwischen fast spiegelglatt und das Blau am Himmel hat inzwischen mehr Anteil als die verbliebenen
Wolken.

 


Im Wasser entdecke ich Fische, die sich im Schatten der Ari tummeln. Es müssen hunderte sein. Einige sind gerade damit beschäftigt, den Bewuchs, der sich trotz des Antifoulings (ein biozidhaltiger Schutzanstrich gegen den Bewuchs im Unterwasserbereich des Bootsrumpfes) gebildet hat, abzunagen. Verderbt euch mal blos nicht den Magen, denke ich so bei mir. Aber gut, die Fische werden ja wohl auch nur an den Algen und nicht am Antifouling nagen, hoffe ich.

Betriebsamkeit regt sich. Zwei der Ankerlieger haben inzwischen ihren Anker aufgeholt und die Bucht verlassen. Warum fährt man heute bei Flaute mit seinem Segelboot raus? frage ich mich. Gut, vermutlich hat nicht jeder soviel Zeit wie ich.

Einzelne Schwalben fliegen im engen Bogen dicht an der Ari vorbei, während die Seeschwalben an der Wasseroberfläche fischen. Leider tun sie es hier nicht so spektakulär, wie in Uthamn, wo sie aus großer Höhe ins Wasser stießen. Platsch! Mal erfolgreich, mal weniger.

Während die Polizeikrontrolle immer noch im Gange ist, es muss schon eine halbe Stunde dauern, macht sich bei mir der Hunger breit.   10:50 Uhr - Zeit für's Frühstück.

Als ich nach dem Frühstück wieder an Deck komme, sind alle Ankerlieger bis auf eine Ausnahme verschwunden; die Polizei ebenfalls. Der Hafen hat sich sichtlich geleert. Es ist inzwischen fast Mittag. Es wird Zeit, dass ich mich auf den Weg mache, die Insel zu erkunden. Mit meiner Standardausrüstung, einem Seesack aus Segeltuch, Fotoapparat, kleinem Stativ, der GoPro und Ersatzakkus für alle Geräte, geht es dann los. 

 


Finnhamn besteht eigentlich aus drei miteinander verbundenen Inseln, besser gesagt: drei Schären und hat eine maximale Ausdehnung von rund 1,5 x 1,5 km. Eine dieser Schären ist Stora Jolpan. An der Einfahrt zum Hafen findet sich ein Inselplan und weitere Informationen zu diesem Eiland. Stora Jolpan wird mehrmals täglich von Fähren angefahren. Es gibt augenscheinlich ein wenig Tourismus, der bei Bedarf in Bungalows untergebracht wird. Die wenigen Straßen hier sind Schotterpisten und es gibt einen Naturstig und dem folge ich jetzt einfach mal.


Teils Waldweg ...


Teils steinig ...


Teils ein wenig wie Urwald ...

Nochmals entdecke ich ein "Waldbrettspiel" eine Schmetterlingsart ...



Ein Buchfink

Das erste Mal sehe ich in freier Wildbahn einen Girlitz ...


Ein Girlitz (Finkenart)


Eine Bachstelze


In der Nähe des Fähranlegers, am anderen Ende von Stora Jolpan, befindet sich dieser Mini-Supermarkt oder vielleicht besser: Tante Emma Laden. Dort gibt es eine Kühltruhe randvoll mit Langnese Eis. Die Firma nennt sich hier in Schweden anders, hat aber das selbe Logo.


Da muss ich nicht lange überlegen und kaufe mir eine Tüte Daim-Eis. Das passt auch zum Wetter, denn heute komme ich, obwohl nur knapp über 20°C, ordentlich beim Wandern ins Schwitzen.

Vielleicht 50 Meter entfernt, befindet sich der Hamnkrog (sprachlich angelehnt an die altdeutsche Bezeichnung: Hafenkrug), dem einzigen Restaurant der Insel. Der Hamnkrog macht auf der ganzen Insel Werbung für verschiedene Veranstaltungen, u. a. für das ganztägige Midsommar-Fest, dass morgen (21. Juni) stattfindet.


Ein Foto des Fähranlegers erübrigte sich. Eine Betonmauer! Denn hier in Schweden legen die Fähren meist gar nicht im eigentlichen Sinne an, das kostet zuviel Zeit. Vielmehr haben die Fähren Gummidämpfer an Bug. Mit denen fährt die Fähre vorsichtig gegen den Betonkai. Ist der Kontakt hergestellt, laufen die Maschinen im Vorwärtsgang weiter und drücken die Fähre gegen den Kai, während die Fahrgäste aussteigen.

Oben: Hier klappt vor dem "Anlegen" natürlich erst einmal die Bugnase hoch.





Eine Pfirsichblättrige Glockenblume





Immer wieder wird die Landschaft durch diese monolitisch wirkenden Granitfelsen unterbrochen, die dann mal eben zehn Meter oder mehr aus dem Erdreich empor ragen.






Das ist alles Ostsee - kein Süßwassersee!




Ein Haubentaucher













Ein Biwak mit Grillplatz, Feuerholz und Sitzgelegenheiten





Hain-Wachtelweizen



Dreieinhalb Stunden und 6,6 km später bin ich dann wieder am Ausgangspunkt angekommen. Den Teil mit der dicken roten Line habe ich heute abgelaufen.


Da mir morgen das Wetter noch nicht für die Weiterreise passt, bleibe ich einfach noch einen weiteren Tag hier. Zu erkunden gibt es ja noch genug.



Das war der Sonnenuntergang von heute Abend.

 

Ich sage für heute: Gute Nacht!

Bleibt mir gewogen und weiterhin neugierig.

Euer Harry



2 Kommentare:

  1. Wir beneiden Dich um Deine 20 Grad. Wir schwitzen hier in Berlin bei 31 Grad 😅. Was für eine entspannte Natur ! Liebe Grüße Christine und Gerd

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  2. Nach dem Lesen habe ich den Eindruck, mit dir unterwegs gewesen zu sein. Schön geschrieben! - danke fürs Mitnehmen, Skipper.

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