Dienstag, 27. Juni
Der Tag startet bei bestem Wetter. Ich sitze nach dem Aufstehen mal wieder im Schatten des Cockpits, trinke einen Kaffee und genieße das Drumherum.
Heute habe ich ein paar Aufgaben zu erledigen. Ich muss für die Weiterreise beide Wassertanks auffüllen und mal wieder saubermachen.
Unter Deck wird mit dem Akkustaubsauger von Dyson einmal gründlich durchgesaugt. Mit diesem Gerät sind wir ausgesprochen zufrieden. Die Saugleistung, insbesondere mit der Rotationsbürste, ist tadellos und der Akku hält lange, so dass wir über den Winter, wenn der Dyson zu Hause ist, die gesamte Wohnung locker mit einer Akkuladung schaffen. Nein, ich habe nicht vor Staubsaugervertreter zu werden.
Draußen im Cockpit hat sich ein unvorstellbarer Dreck angesammelt, der muss weg. Ich mache mir ja gerne zu allen möglichen Dingen so meine Gedanken. Unter anderem, dass das Leben auf dem Wasser einen Vorteil haben müsste, nämlich den, dass sich durch die Wasserumgebung kaum Staub ansammeln kann und man insoweit, so gut wie nie Staubwischen oder -saugen muss. Das Gegenteil ist der Fall, warum auch immer.
Da hier das Bootswaschen verboten ist, nutze ich das Restwasser aus einem der Tanks, das ich mir in einen Eimer abfülle. Also wische ich die glatten Flächen im Cockpit einmal durch. Noch immer finde ich Reste der Lindenblütenblätter, die wir uns in Västervik nach einem kräftigen Wind, der von Land kam, an Bord geholt hatten. Das ist heute auf den Tag genau einen Monat her. Während des Segelns pfeift stundenlang der Wind über das Boot. Kaum vorstellbar, dass jetzt immer noch Lindenblütenblätter aus irgendwelchen Ecken zusammengepustet werden.
Ich hoffe, ich war heute erfolgreich. 😅
Dann messe ich mal wieder die Wassertemperatur. 21°C testiert das Thermometer. Gerd, Du kannst wieder vorbeikommen - Badetemperatur!
So jetzt nur noch kurz ins Hafenbüro, das Liegegeld für einen weiteren Tag bezahlen. Dann ist der Tag meiner.
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| Mariehamns Seglarförening |
Hier in Mariehamn, wird das Liegegeld während der Geschäftszeiten in einem Segel-Bekleidungsgeschäft entrichtet. Ansonsten gibt es einen Automaten, ähnlich dem eines Parkhauses.
Gestern hatte ich ja schon angedeutet, dass ich mir heute eine alte Seefahrtssiedlung anschauen möchte. Die liegt nur etwa 500 m entfernt. Auf dem Weg sieht es zeitweise etwas bedrohlich aus, aber das Wetter hält sich stabil, auch die nächsten Tage.
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| Einsam und verlassen liegt Ari links außen. |
Als erstes fällt einem, wenn man von Süden kommt, diese hölzerne Pyramide auf. Es handelt sich allerdings lediglich um einen "Ausstellungsraum" mit einigen alten Ruderbooten. Rechts eine klassische Fähre, wie man sie auch oft in Schweden in der Nähe Stockholms antrifft.
Auf diesem Ruderboot, dass direkt an der roten Pyramide liegt, hat sich eine Dohle niedergelassen. Irgendwie schaut sie etwas grimmig drein.
Damit bin ich dann auch schon mittendrin. Das Sjökvarteret (Seeviertel) ist ein Gelände direkt am Ufer der Ostsee, auf welchem das Handwerk des traditionellen Bootsbaus genauso zu finden ist, wie Kunsthandwerk, Restaurants und Cafés und ein stückweit auch etwas Touristenrummel, denn hier kommen auch ettliche Besucher von den Kreuzfahrtschiffen aus dem Westhafen her.
Das Ganze hat aber auch Museums-Charakter, denn es gibt in den Holzhäusern viele Ausstellungsräume, die man kostenlos besuchen kann.
Die Traditionsschiffe liegen in einem kleinen, separaten Hafen. Drumherum die Hütten des Bootsbauhandwerks.
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| Klassische Taillen, sozusagen "Flaschenzüge" mit denen z. B. die Takelage durchgesetzt (gespannt) werden kann. |
| Eine Seeschwalbe |
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| Die alte Seefahrer-Kapelle |
Morgen soll es weitergehen, denn in einer Woche möchte ich in Helsinki sein. Wie so oft, ist das Wetter die Herausforderung. Es gibt drehende Winde und viel Leichtwind bis Flauten. Ich werde heute Abend nach dem 22:00 Uhr Wetterbericht entscheiden, was ich mache.
Das verrückte ist ja, dass die restlichen 180 sm (333 km) theoretisch in den verbleibenden sieben Tagen "kinderleicht zu schaffen sind". Ich weiß nur nie, wieviele Tage davon mir wegen Stark- oder Schwachwind verloren gehen werden. Andersrum möchte ich ja auch nicht übermorgen schon in Helsinki ankommen und dann eine Woche dort im Hafen liegen. Die richtige Taktik und immer eine ordentliche Portion Glück ist gefragt. Also drückt mal feste die Daumen!
Startbereit bin ich und genügend Verpflegung für die Tage bis ans Ziel habe ich auch.
Bleibt gespannt - ich bin es auch
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| Euer Harry |
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