Mittwoch, 21. Juni "Midsommar oder nicht?"
Heute ist kalendarisch der längste Tag des Jahres. Damit findet heute die Sommer-Sonnenwende statt und die Tage werden ab jetzt wieder kürzer, bis am Freitag, den 22. Dezember Tag der Winter-Sonnenwende ist. So die Theorie. Bei den Schweden ist das anders. Das liest man wenigstens im Internet auf den klassischen "Schwedenseiten". Dort heißt es zum Beispiel:
Seit 1952 wird das Mittsommerfest in ganz Schweden an dem Samstag gefeiert, der dem 24. Juni am nächsten liegt. Der 24. Juni spielt deshalb eine wichtige Rolle, weil er als der „richtige“ Mittsommertag („Johannistag“) gilt. Das Mittsommerfest hat mithin kein festes Datum – es findet frühestens am 20. und spätestens am 26. Juni statt. Das Fest beginnt traditionell schon am Freitag, dem Mittsommerabend.
Der Hamnkrog hier auf Stora Jolpan hat aber für heute Midsommarveranstaltungen angekündigt (soweit ich das richtig verstanden habe). Außerdem laufen hier seit gestern Abend reihenweise schwedische Motorboote ein, die jeweils die gesamte Familie an Bord zu haben scheinen.
Damit bin ich jetzt genauso schlau wie vorher, was das Datum des hiesigen Midsommarfestes betrifft.
Der Steg ist noch nicht ganz voll, aber die Lautstärke hier vor Ort ist gewöhnungsbedürftig. Nicht, weil hier die Stimmung der Motorbootfahrer so ausgelassen wäre, sondern, ich muss das so sagen, hier so eine Art "Erwachsenenkindergarten" eröffnet scheint. Unablässig dröhnt immer irgendwo ein Bugstrahlruder, denn Motorbootfahrer benutzen selten ihr Steuerrad. Das wäre auch zu leise. Und wenn man dann irgendwann fertig angelegt hat, wird erst einmal das Dinghy (Beiboot) zu Wasser gelassen, der Außenborder gestartet und wie blöd hier durch den Hafen geheizt, bis es den Segelyachten fast die Klampen aus dem Deck reißt. Und wenn das alles nicht genügt, hat bestimmt noch irgend jemand ein ferngesteuertes Spielzeugboot oder ein Motorproblem, wegen welchem dann hier rumgetönt und -gehämmert wird.
Paradiesisch war es hier bis gestern am frühen Abend. Jetzt möchte man hier als Segler nur noch schnell wieder weg. Unter guter Stimmung und Geselligkeit verstehe ich was anderes. Aber vielleicht wird' s ja noch. Der Tag ist ja noch nicht zu Ende.
Am Vormittag hatte ich mich zunächst mit der Törnplanung der nächsten Tage beschäftigt. Das Wetter, im Sinne von segelbaren Verhältnissen, stand im Vordergrund. Dazu passend hatte ich mir entsprechende Segelrouten ausgearbeitet und auch immer nach Ersatzhäfen oder Ersatzankerplätzen in der Seekarte für den Fall gesucht, dass es wegen der Midsommar-Festivitäten bzw. der jetzt bereits laufenden Sportboot-Saison bereits irgendwo voll sein sollte.
Das sind ziemlich viele Unwägbarkeiten, was mir im Augenblick nicht so gefällt. Insbesondere gute Ankermöglichkeiten nehmen nach rund 20 der 200 sm stark ab. Im finnischen Schärengarten habe ich praktisch keine geschützte Ankerbucht finden können. Das bedeutet, dass ich ab der Überfahrt zum Åland-Archipel bei Starkwind oder Sturm einen Hafen finden muss, der noch einen Liegeplatz frei hat und viele Häfen, insbesondere größere Häfen, gibt es dort nicht.
Das große Plus: Ich stehe zeitlich nicht unter Druck und versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich ja im allergrößten Notfall direkt nach Helsinki durchsegeln könnte, sofern wenigstens der Wind passt. Gut 200 sm (rd. 380 km), 36 Stunden Fahrt - machbar.
Aber was soll ich bereits jetzt in Helsinki? 😉 Katrin kommt erst in zwei Wochen dort an.
Mehr kann ich im Augenblick nicht tun, also widme ich mich wieder dem hier und jetzt, greife mir meinen kleinen Segelsack samt Kamera und ziehe los. Kurz hinter dem Steg ist es wieder ruhig. Keine Menschen mehr zu hören. Paradiesisch.
Nach wenigen Metern erreicht man diesen Kiosk, den ich aus allen Urlauben bisher nur geschlossen kenne. (Für) Heute hat er geöffnet.
Von dort hat man eine andere Perspektive auf die Bucht. So sieht es wieder idyllisch aus. Immer eine Frage, welches Bild man erzeugen möchte.
Ich bin unterwegs auf die nordwestliche der drei Inseln namens Idholmen. Hier gibt es deutlich mehr Ferienbungalows, die immer einige 'zig Meter auseinander stehen, sich aber immer eine zentrale Plumsklo-Anlage teilen. Das Wasser holt man sich vom ebenfalls zentralen Hahn. Es scheinen also bezüglich des Komforts eher rustikale Bungalows zu sein. Von außen sieht aber alles tiptop aus.
In der Nähe gibt es immer einen Badestrand, mit Grill und Kinderspielplatz. Manchmal mit Sandstrand; in der Regel aber flache, glatt geschliffene Granitfelsen. Nicht das Schlechteste.
Rings um die Insel liegen die Fahrwege über die ich morgen den "Finnhamn-Archipel" verlassen werde. Hier, zum Beispiel, geht es durch ...
Manche Felsen ragen wie ein Pier ins Wasser ...Immer wieder findet man knorrige Eichen und Kiefern, die hier unter erschwerten Bedingungen ihr Dasein fristen ...Und zur Ehrenrettung der Kormorane (ich beziehe mich hier auf den Post vom 2. Juni zum Thema: entlaubte Kormorankolonie) muss ich ergänzen: Nicht für jeden kahlen Baum sind die Kormorane verantwortlich.
Ja, dann habe ich rund drei Kilometer hinter mir und blicke auf einen Ausschnitt unseres Hafens ...
Zur Orientierung hänge ich noch den heutigen Track dran ...
Sollte hier heute noch anlässlich des Midsommars der Bär steppen, dann gibt es bestimmt noch ein paar stimmungsvolle Fotos.
Foto "Steppender Bär" 😜
Und das könnten die weiteren Etappen sein, bis ich planmäßig am 4. Juli in Helsinki festmache ...
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Bleibt weiterhin gespannt - ich bin es auch.
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| Euer Harry |











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