Montag, 19. Juni,
Nach sechs Tagen auf Storön soll es heute weitergehen. Drei Tage hatte ich hier vor Ort eingeplant. Die restlichen Tage des Auftenthaltes waren wetterbedingt, aber bereuen tue ich keinen davon. Heute kribbelt es mir allerdings wirklich in den Fingern. Ich will los.
Der Wind weht aus Nordost bis Ost mit 4 kn (2 Bft), in Böen 7 kn (3 Bft). Keine guten Voraussetzungen für einen Segeltag in Richtung NordNordOst und so starte ich die Maschine. Mein Tagesziel liegt ja nur rund 15 sm entfernt.
Ich bin kaum in den Schärenfahrweg nach Nordosten eingebogen, da schießt auch schon dieses Schnellboot der schwedischen Marine an mir vorbei. Nicht allzu nahe, denn diese Boote erzeugen eine heftige Welle.
Dann werde ich aber doch stutzig, als das Boot aus schneller Fahrt plötzlich aufstoppt, dann 90° nach Steuerbord, Vollgas, eine 180° Wende mit hoher Geschwindigkeit. Das Boot hat dabei eben mal eine geschätzte Krängung (Schräglage) von 30°, dann kurz geradeaus und aus hoher Geschwindigkeit erneut auf dem kürzesten Weg aufgestoppt.
Sonst haben wir an Bord auch immer einen einsatzbereiten Landungstrupp gesehen, doch dieses Schnellboot wirkt leer. Das ganze Manöver geht dann, bis ich das Boot aus den Augen verliere. Ich vermute, das war so eine Art Spezialtraining für den Steuermann oder sollte man hier besser Piloten sagen? Sah zumindest spektakulär aus.
Und dann wenig später die Überraschung ...
Das Wetter ist so la la, aber die Stimmung steigt, trotz der nur rund 5 Knoten Wind (2 Bft). Sie kommen von schräg vorne und die See ist relativ glatt. Also mache ich so um die 4 Knoten Fahrt, weil ich aus Faulheit "wegen der paar Meilen" nur die Genua (Vorsegel) setze.
Dann kommt unter Vollzeug diese (s.u.) Hallberg Rassy 42 (sozusagen der schwedische Mercedes unter den Yachten) langsam hinter mir auf. Diese Ketch von Anfang der 80'er Jahre, läuft mit Vollzeug mehr Höhe als Ari. Ich könnte, wenn ich wollte, denke ich noch. Doch eigentlich möchte ich ja nur ganz entspannt unterwegs sein. Außerdem habe ich vor, statt hart am Wind zu fahren wie die Hallberg-Rassy, später lieber einmal entspannt aufzukreuzen. Das tue ich dann auch. Ich kreuze noch schnell vor ihr durch, da ich auf Steuerbord liegend ausweichpflichtig wäre. Während ich noch für eine weitere halbe Seemeile "Höhe rausfahre", geht sie hinter mir durch und hat, als ich wieder nach Backbord wende, bereits rund eine halbe Seemeile Vorsprung. Dann kann ich doch nicht anders. Die Regatta ist eröffnet! Schnell ist bei dem bisschen Wind das Großsegel dazugesetzt und los geht es.
Die Hallberg-Rassy hat natürlich AIS und ich ziehe mir über meinen Plotter ihre Telemetriedaten zu Kurs und Geschwindigkeit. Und mein Plotter bestätigt, dass ich sie in rund einer halben Stunde eingeholt haben werde, denn sie läuft, warum auch immer, jetzt stets fast einen Knoten langsamer als Ari. Eine ganze Weile liefern wir uns dann im Windschatten einer langezogenen Insel ein Duell mit sagenhaften 2,5 - 3 Knoten Geschwindigkeit. Dann ist es irgendwann geschafft und ich kann mich Stück für Stück absetzen um ...
... ja, um sie dann eine halbe Stunde nach meiner Ankunft an meinem Ziel wiederzusehen. Ich war im Gegensatz zu ihr allerdings die letzten 3 sm unter Motor gefahren, weil der Wind drohte, völlig einzuschlafen.
Gut eine Stunde vorher (oben und unten) ...
... kommt uns beiden dieser historische Schoner an Backbord entgegen. Keine 5 Minuten später sehen wir einen scheinbar baugleichen Schoner (auch: Schooner) an Steuerbord ...
Der Logbucheintrag ist fällig.
Kurze Zeit später fängt es dann noch an zu regnen. Wegen der dunklen Wolken, die schon eine Weile entgegen der nordöstlichen Windrichtung auf Seehöhe, in nördlicher Richtung aufzogen, hatte ich mir bereits meine Schlechtwetterkleidung übergezogen.
Dann fielen tatsächlich mehrere Dutzend Tropfen. Das war' s. Regenkleidung wieder aus!
Das ist mein heutiger Liegeplatz ...
Hier möchte ich morgen noch einen weiteren Tag Aufenthalt machen, um mir die Gegend ein wenig anzuschauen.
Am Abend läuft dann noch dieser Zweimaster ein und geht vor Anker.
Oben: Mein heutiger Track. Unten: Die "Paradiesbucht" auf der Seekarte. Das rote Dreieck ist Ari.
Bleibt mir gewogen und weiterhin neugierig.
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| Euer Harry |














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