Samstag, 24. Juni
Das bunte Treiben des gestrigen Nachmittags setzte sich bis in die Abendstunden fort.
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| Kurz nach dem Sonnenuntergang |
Gegen 23:00 war dann aber schlagartig keine Musik mehr hier am Steg zu hören. Auch die Stimmen verhallten zu dieser Zeit. Später in der Nacht kamen die Menschen vereinzelt in kleinen Gruppen den Steg entlang, vermutlich auf dem Weg zu ihrem Boot. Heiterkeit lag noch in ihren Stimmen, die dann aber auch kurze Zeit später im Rumpf irgendeiner benachbarten Yacht verschwanden. Gegen Mitternacht mache ich noch kurz ein paar Fotos aus dem Cockpit.
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| Mitternacht |
Erstaunlich, wie hell es hier auf dem 59. Breitengrad Nord zu dieser Zeit noch ist. Dunkler wird es auch nicht mehr werden und um halbvier geht ohnehin schon wieder die Sonne auf. Kurz nach Mitternacht lege ich mich ins Bett, mache das Licht aus und muss auch kurz daraufhin
eingeschlafen sein.
Als ich am Morgen aufwache, scheint schon wieder die Sonne. Gegen neun Uhr haben wir aber gerade mal 14°C und es bläst ein leichter Wind aus Süd. Mit dem Kaffee in der Hand stehe ich im Cockpit und lasse noch einmal ganz bewusst diese Kulisse auf mich wirken. Für meinen Geschmack ist es viel zu voll hier, aber in Anbetracht des volksfestartigen Anlasses, war es auch schön, das einmal miterlebt zu haben. Trotz des heißen Kaffee' s wird mir jetzt selbst im Sonnenschein etwas kühl hier draußen. Es ist der Wind, der es unangenehm macht.
Die ersten Motoren starten und tatsächlich verlassen einige wenige Boote die Bucht, jedoch nicht so viele, dass man einen Unterschied zu vorher bemerken würde. Und - das nächste Boot kommt gerade herein.
Meine Nachbarn, die mit dem Segelboot, haben gerade abgelegt. Die beiden jungen Schwedinnen, die gestern so kühn an unserem Heck angelegt hatten, haben hierdurch nun einen richtigen Liegeplatz.
Im Augenblick bin ich ohne Landstrom. Als Landstrom bezeichnet man den elektrischen Strom, den man an einer dafür errichteten Säule am Steg "zapfen" kann. Manchmal ist der Landstrom im Preis des Liegeplatzes enthalten. Hier muss man ihn extra anfordern und bezahlen. Umgerechnet 9,50 € pro Tag ist ein stolzer Aufschlag zu den 26,50 € Liegegebühr, die wiederum preislich fair sind.
Aber der Hafenmeister hier in Finnhamn meint es gut mit mir, und als er mitbekam, dass ich alleine unterwegs bin und nachdem ich mich über "the most expensive electricity I ever had" (den teuersten Strom, den ich jemals hatte) beschwerte, macht er täglich einen Extrapreis für mich. Vorgestern sagte er stolz: "Today you only pay für a boat up to 3 meters". Ich bekam also den Liegepreis für ein Boot mit einer maximalen Breite von drei Metern. Das sind immerhin 6,50 € Rabatt. Meist wird das Liegegeld nach der Schiffslänge erhoben. Hier, wo man an der Mooringboje dicht an dicht nebeneinander liegt, ist die Breite eines Bootes entscheidender als seine Länge.
Vor drei Tagen, sagte der Hafenmeister, als er wie jeden Abend so gegen 20:00 Uhr seine Kassierrunde machte: "Have you seen, which price I make you today?" und hält mir noch einmal das Kartenlesegerät entgegen. Tatsächlich sind es nur 100 schwedische Kronen, umgerechnet also rund 10 € Liegegeld.
Heute habe ich nun keinen Landstrom. Vermutlich ist das Netz durch die vielen Nutzer hier im Hafen zusammengebrochen. Aber, ich kann mich erneut nicht beschweren, denn gestern hat der Hafenmeister nicht kassiert und meine Batterien halten, wenn's notwendig sein sollte, noch bis morgen Abend durch. Es sind ohnehin nur Kühlschrank und Laptop, die am Liegeplatz an den Servicebatterien saugen.
Das Wetter hingegen, genauer gesagt der Wind, bereitet mir inzwischen schon ein wenig Sorge. Täglich studiere ich im wahrsten Sinne des Wortes den Seewetterbericht. Ich lasse mir die unterschiedlichsten Taktiken durch den Kopf gehen, wie man mit dem Wind, so wie er für die nächsten Tage vorhergesagt ist, irgendwie unter Segeln nach Mariehamn kommen kann. Schwierig, um nicht zu sagen: Fast unmöglich. Das liegt daran, dass wir in der Region, damit meine ich das Gebiet zwischen Stockholm in Westen, Gotland im Süden und Helsinki im Osten, keine stabile Wetterlage mehr haben. Dadurch habe ich ständig wechselnde Winde. Ständig wechselnd sowohl in der Intensität, als auch der Windrichtung. Stunden mit Schwachwind oder annähernder Flaute, wechseln sich mit frischem oder kräftigen Wind aus allen möglichen Richtungen, jedoch mit Schwerpunkt aus Nord bis Ost ab. Wo muss ich hin? Nach Nordost.
Selbst, wenn ich im ungünstigsten Fall gegen einen Nordostwind aufkreuzen würde (was die Distanz zum Ziel von ca. 60 sm auf mindestens 100 sm erhöhen würde), muss er dazu aber auch über einen Zeitraum von 14 - 18 Stunden hinweg wehen. So lange wäre ich dann in etwa von hier nach Mariehamn unterwegs. Doch solange gibt es keinen Wind am Stück und so würde ich, egal, wie ich es derzeit anstelle, mitten in der Überfahrt zu den Aland-Inseln im Schwachwind verhungern. Gut, es gibt den Diesel, aber das ist für einen Segler nur in der Not akzeptabel.
Das Gute daran ist: Im Augenblick bin ich, alleine durch die langen Aufenthalte in Uthamn und hier in Finnhamn, voller Tatendrang und habe entschieden: "Ich segle da hin!" Zaubern kann ich natürlich nicht, aber schauen wir mal, vielleicht ist ja schon Weihnachten. Und wie Weihnachten wäre es, wenn der Wind am Montag und Dienstag etwas südlicher drehen und etwas gleichmäßiger atmen würde.
Hier vor Ort hat es sich heute bereits ein wenig entspannt und es gibt wieder einige wenige Lücken zwischen den Liegeplätzen. Ich gehe davon aus, das dass auch auf die anderen Häfen zutrifft.
Gerade gab es bei mir Kaffee & Kuchen. Für den Kuchen nehme man: 3 Eierwaffeln, beträufele diese mit nicht zu wenig Cointreau und bestreiche sie anschließend mit Nutella. Abschließend werden sie zu drei Lager übereinander geschichtet. Schmeckt wie feinstes Konfekt.
Ein erprobtes Rezept zum Backen eines Weißbrotes habe ich von Katrin auch bekommen. Damit ist mein Überleben zunächst gesichert.
Pläne habe ich für heute nicht mehr. Ich war ohnehin faul und habe das Boot nicht verlassen. Sollten die Umstände mich dazu nötigen hier noch etwas Schönes oder Interessantes zu fotografieren, dann lege ich hier noch einmal nach. Andernfalls war's das für heute.
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Bleibt mir gewogen und weiterhin neugierig.
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| Euer Harry |






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