Samstag, 10. Juni
Heute Nacht hatten wir tatsächlich eine Tiefsttemperatur von 1°C. Wir schliefen mit offenem Luk über unseren Kojen und das tief und fest, bis, ja bis der Morgen graute. Genau genommen graut hier der Morgen ja bereits seit dem Sonnenuntergang des Vortages.
Irgendwie bekommen es die Vögel hin zu wissen, wann Morgen ist. Zumindest die meisten Vögel. Tatsachlich hört man hier auch mitten in der Nacht ab und zu den einen oder anderen Vogel zwitschern. Es könnte so irgendwann zwischen vier und fünf Uhr morgens gewesen sein, als es dann losging. Im wesentlichen sind hier Lachmöwen, Spatzen und Schwalben für den Lärm am Morgen verantwortlich.
| Eine Schwalbe |
Einer dieser Krachmacher sitz dann gerne auf unserer Reling in der Nähe des Oberluks unserer Bugkajüte und trillert, was das Zeug hält. Aber irgendwie klingt es auch toll ...
Dennoch sind wir ausgeschlafen und starten den Tag wie gewöhnlich. Kaffee auf dem Sonnendeck. Später ein Frühstück. Danach ist heute Vorräte bunkern angesagt. Katrin muss morgen zwar für dreieinhalb Wochen wieder zurück nach Berlin. Ich darf hingegen weiter segeln, denn nach den dreieinhalb Wochen sind wir in Helsinki verabredet, so der Plan. Ich benötige also Vorräte für zunächst zehn bis vierzehn Tage. Der nächste Einkaufsstopp ist erst wieder in Mariehamn (Hauptstadt des Åland-Archipels) geplant.
Nach rund einer Stunde ist bereits alles an Bord verstaut. Als nächstes wollen wir einen entspannten Bummel durch die Stadt machen, die wir im großen und ganzen schon von einem Törn Nyköping, Sept. 2019 kennen. Hinweis: Nach dem Anklicken des vorhergehenden Links dort bitte etwas nach unten scrollen.
Verlässt man den Stadthafen und läuft 200 m Richtung Westen, dann erreicht man das Nyköpinghus, eine mittelalterliche Burgruine.
Im vorgelagerten Teich blühen gerade die ersten See- und Teichrosen.
Bei unserem Rundgang treffen wir natürlich auch wieder auf zwei Oldtimer. Einen Volvo Amazon, gebaut um 1969 (oben) und ein De Soto Fireflite, gebaut so um 1955 (unten).
Kleinstadt-Flair. Mal mit Fußgängerzone, mal verspielt ...
An der Storgatan (Hauptstraße) bzw. Stora Torget ("Großes Quadrat" sozusagen der Hauptplatz).
Västra Klockstapeln, der westlichen Glockenturm ...
Hier sind wir am Nyköpingsån, einem fast 160 km langen Fluss, der hier in Nyköping in die Ostsee mündet und über welchen wir mit dem Boot auf den letzten Kilometern angereist sind.
Hier am Nyköpingsån, beantwortet sich für mich dann auch eine Frage, die ich seit Monaten mit mir herumtrage. Am Nyköpingsån gibt es zwei Wasserfälle. Links und rechts des Flusses kann man mehrere Kilometer lang durch Parkanlagen laufen und dabei dem Fluss folgen.
Daran konnte ich mich noch erinnern, jedoch diesen Ort keiner konkreten Stadt zuordnen. Aufmerksame Leser dieses Blogs werden sich vielleicht noch an meine Einleitung zum Post von 02. Juli 2022 HALMSTAD erinnern, die ich dem Stichwort: "Ich erinnere mich genau" widmete. Hier ist er, der Wasserfall ...
... der am Tag der Aufnahme wenig Wasser im Vergleich zu 2019 führt. Das liegt hier allerdings nur an dem geschlossenen Wehr. Einige 'zig Meter einfernt fließt jetzt der Großteil des Wassers über eine Fischtreppe. Den Bereich kann man jedoch kaum einsehen. Daher kein Foto.
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| Sternkugel-Lauch |
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| Nyköpingsån |
Der Weg führt uns dann noch einmal an der örtlichen Bierbrauerei vorbei.
Kunst und Gewerbe am Nyköpingsån, kurz vor dem Stadthafen.
Und so endet unser Rundgang wieder an unserem Liegeplatz ...
Da dies unser letzter gemeinsamer Tag für die nächsten Wochen ist, haben wir beschlossen, hier im Hafen essen zu gehen. Katrin entscheidet sich für das Storhusqvarn - eine gute Wahl.
Etwas "angeschossen" vom heutigen Tag, sitzen wir beim Bier auf der sonnigen Terrasse.
Die freundliche Bedienung steht kurz danach am Tisch. Wir bestellen unter anderem ein sehr leckeres Lachstartar ...
Ich entscheide mich dann noch für Moules Frites, was ich frei mit frittierten Muscheln übersetzte. Eine andere Bedienung bringt kurze Zeit später ein Tablett mit einem großen Topf darauf. Ach - Miesmuscheln, denke ich so bei mir und bin zunächst nur mittelmäßig begeistert, bis ich gekostet habe ...
Später recherchiere ich noch einmal im Internet und finde bei Wikipedia:
Moules Frites oder Moules et frites, flämisch mosselen-friet, sind ein in Belgien und Frankreich sowie angrenzenden Gebieten populäres Gericht. Diese Speise besteht aus frischen, zumeist im Topf servierten Miesmuscheln in Gemüsesud, die mit Pommes frites serviert werden.
Frites bezieht sich also auf die Beilage und nicht auf frittierte Muscheln. Aber kein Problem, denn es waren die ersten Miesmuscheln in meinem Leben, die ich wirklich mit Begeisterung gegessen habe. Kein muffiger Geschmack, wie ich ihn bisher kannte. Die Muscheln selbst badeten in einer Sauce aus Sahne, Weißwein, feingehackten Zwiebeln und Schnittlauch und säuerlich eingelegten, milden Chilis. Dezent abgewürzt - perfekt! Als Beilage gab es die (was ich nicht wusste) obligatorischen Pommes und in viel Butter lecker angerösteten Toast. Der Hammer!
Satt und glücklich laufen wir die höchstens 150 m bis zum Boot und schauen uns bis zum Schlafengehen, bei geistigen Getränken, noch alte Urlaubs-Posts an.
Weil Katrin gerade mit unserem einzigen Sonnenuntergangsfoto von heute, Samstag, im Flugzeug sitzt und ich keine Kopie habe, müsst ich heute mal Eure Fantasie spielen lassen. Vielleicht setzte ich ihn später noch hier ein.
Sonnenuntergang!
Sonntag, 11. Juni
Für heute gibt es keine Tagesplanung. Um 14:30 Uhr muss Katrin am Flixbus-Terminal sein, dass hier in Nyköping etwa 1,3 km entfernt ist.
Nach unserem morgentlichen Kaffee fahren wir mit unserem Boot auf die andere Seite des Nyköpingsån. Dort liegt nämlich die Bootstankstelle des Hafens. Schnell sind 86 Liter Diesel nachgetankt und wir errechnen einen Durchschnittsverbrauch von 1,9 Litern Diesel pro Stunde. Zunächst sind wir über den extrem geringen Verbrauch überrascht. Die Erklärung: Ettliche Stunden lief die Maschine ja während unserer bisherigen 14 Ankertage nur zur Erzeugung von Strom für die Servicebatterien. Das ist für den Motor keine Belastung. Entsprechend niedrig ist der Verbrauch.
Wir wechseln erneut die Flußseite und legen wieder am selben Platz des Kai' s an. Wir sind seit gestern das einzige Gastboot hier im Stadthafen. Nach dem Frühstück widme ich mich noch dem Problem mit dem aus dem Tank auslaufenden Diesel. Definitiv ein konstruktionsbedingter Fehler am Tank bzw. dessen Abgängen für die Dieselverbraucher (Motor und Heizung).
Jetzt, wo der Tank wieder voll ist, sieht man bereits bei ruhiger Lage im Hafen, dass der Diesel durch die vier Gummistopfen "schwitzt", die man hier zum Abdichten verwendet hat. Grob fahrlässig, die Abgänge auf diese Weise zu kontruieren und erstaunlich, dass das ganze überhaupt so lange ohne größere Leckage gehalten hat.
Während des Törns sehe ich keine Reparaturmöglichkeit, also kann man nicht die Ursache, sondern bestenfalls die Folgen des Auslaufens von Diesel, versuchen einzudämmen. Letzteres im wortwörtlichen Sinn. Mit ettlichen Metern Panzertape baue ich um die Abgänge herum eine Art Becken mit vielleicht 0,5 Litern Inhalt. Am tiefsten Punkt dieses "Beckens" gelingt es mir mit einem schraubbaren Schlauchverbinder einen Abfluss vom Auffangbecken in eine Einliter Limonadenflasche zu bauen. Theoretisch kann das funktionieren, vorausgesetzt, dass Panzertape hält dem auslaufenden Diesel stand, ohne sich wieder vom Tank abzulösen.
Interessante Fragen kommen auf. Der (Muster-) Tank muss ja irgendwann einmal ein Prüfzertifikat erhalten haben, mit dem nachgewiesen wurde, dass der Tank und die Anschlüsse bezüglich der Dichtigkeit gegenüber dem Kraftstoff auch in einer Segelyacht mit Offshore-Zulassung, den Beanspruchungen auch in "schwerer See" standhalten kann. Wie kann es dann sein, dass es bereits im Hafen zu geringfügigen Undichtigkeiten kommt und bereits bei ganz normalen Segelbedingungen literweise Diesel, ein umweltschädlicher Gefahrstoff, austreten kann, weil die gesamte Konstruktion den Eindruck erweckt, von einem Azubi im ersten Lehrmonat entwickelt worden zu sein.
Gut, ich widme mich gedanklich wieder dem Urlaub.
Wahrscheinlich geht es morgen weiter und ich suche mir bei moderaten Bedingungen eine Ankerbucht. Details habe ich selbst noch nicht, bis auf den Wetterbericht.
Bleibt also gespannt - ich bin es auch und werde berichten.
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| Euer Harry |






























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