Freitag, 30. Juni 2023

28. Juni 2023, Von Mariehamn nach Jurmo (Åland Archipel)

 Mittwoch, 28. Juni



Um 4:30 klingelt mein Wecker. Heute soll es wieder weitergehen, doch vorher mache ich noch dieses Foto von der gerade aufgehenden Sonne ...


Der Windmesser zeigt im Hafen gerade mal 3-4 kn Wind (1-2 Bft) aus Nordwest. Die Windrichtung stimmt mit der Vorhersage überein, die Windstärke nicht. Um 6:00 starte ich den Diesel, löse die Leinen und lege in Mariehamn ab ...


Die Oberflächen des Bootsdecks sehen aus, wie mit Raureif überzogen, aber es ist nur Morgentau, denn die Luft ist feuchtwarm ...
 


Ich schlängele mich wieder den engen Schärenfahrweg zurück Richtung freie See. Das Fahrwasser ist gut betonnt (markiert).


Nach anderthalb Stunden (7:30) habe ich nach den ersten 8,5 sm schon den Förderturm auf der Lilla Båtskär querab an Steuerbord.

Lilla Båtskär (fotografiert aus ca. 6 km Entfernung)

Die Sonne scheint am wolkenlosen Himmel. Die Temperatur ist angenehm. Ich trage ein T-Shirt mit einem langärmeligen Hemd darüber. Das genügt völlig. Der Diesel schnurrt bei 1.800 U/min und ich mache gute 5,8 Knoten Fahrt, Kurs 180° - genau Richtung Süden (raus aus den Schären).

Inzwischen haucht der Wind mit 7 kn (3 Bft), aber fast genau von achterlich. So kann ich trotz den flachen See von nicht mehr als 15 cm Welle nicht segeln. Weiter draußen soll der Wind stärker sein. Die Schären wandern langsam achtern aus. Vor mir ist liegt die offene Ostsee und ich setze meinen Kurs mehr nach Südosten ab.

Dort mache gegen halbneun dieses Foto vom Leuchtturm Långskär, der 3,8 sm (7 km) weiter südlich vor dem Schärengürtel liegt.


Panorama  (bitte ggf. nach rechts scrollen)

 

In der Sonne trocknen seit heute Morgen meine Festmacher, die beim Lösen nass wurden, weil meistens Enden davon ins Wasser fallen.


Wasser wohin man schaut, denn inzwischen sind die Schären, durch etwas Dunst über dem Land, nicht mehr auszumachen.


Genau die richtige Zeit für ein Frühstück ...


Gegen 8:45 setze ich hoffnungsvoll die Segel bei 8 kn (3 Bft) Wind. Ich mache zunächst gut 3 kn Fahrt. Eigentlich zu wenig, wenn man eine Etappe von knapp 80 sm (rund 150 km) geplant hat, denn dann wäre ich bei gleichbleibendem Tempo rund 24 Stunden unterwegs.

Doch die Frage, wie lange ich es mir leisten kann, mit diesem Tempo unterwegs zu sein erübrigt sich, weil der Wind westlicher dreht und für mich wieder annähernd von hinten kommt, was schlecht ist.

Also habe ich bereits 30 Minuten später die Segel wieder eingeholt und den Motor gestartet.

Gegen Mittag hat dann der Wind auf 1 Bft abgenommen und ich beginne in der sengenden Hitze innerlich zu kochen. Das ist die Sache mit Theorie und Praxis. Im Wetterbericht steht zum Beispiel, dass die Tageshöchsttemperatur 21°C beträgt und alle die das lesen denken: Der hat es gut - Idealtemperatur zum Wohlfühen. Leider falsch!

Ich habe, weil ich ja durch ein Gebiet mit Untiefen fahre und außerdem auf andere Sportboote achten muss, nur zwei Möglichkeiten. Ich stehe entweder am Steuer in der prallen Sonne und habe dann Temperaturen von wenigstens 30° C, wobei ich ja angezogen sein muss, um mir keinen Sonnenrand zu holen. Denn wenn man 12 Stunden oder länger unentwegt in der Sonne steht, nutzt auch keine Sonnencreme mehr etwas.

Die 2. Alternative - ich setze mich in den Schatten, den die Sprayhood bietet. Dort habe ich allerdings 27°C gemessen und es bewegt sich kein Lüftchen. Gegen Mittag ist die Sonne dann soweit herumgewandert, dass ich ein wenig improvisiere und mir eine Art erweiterten Sonnenschutz baue. Zusammengefasst: Selbst bei angesagten "Wohlfühltemperaturen" kann es hier an Bord unerträglich werden und genau das ist es heute.


Zeitweise setze ich mich dann etwas mehr Richtung Bug. Dort gibt es wenigstens so etwas wie ein kleinwenig Fahrtwind. Dafür habe ich dann in dieser Zeit den Plotter nicht im Blick.

Gegen Mittag sehe ich dann noch eine Robbe in nicht alzu großer Entfernung im Wasser. Wie immer schaut nur ein Stück Kopf heraus und der beobachtet sorgfältig und bewegungslos. Ich greife zur Kamera, doch bevor diese fokussiert hat, ist die Robbe abgetaucht. Schade.

Am frühen Nachmittag ziehen dann Wolkengebilde auf, die mich auch nicht gerade entspannter machen. Droht ein Gewitter? Im Seewetterbericht war davon nichts zu lesen. Nicht einmal Wolken sollte es geben.


Das sieht für mich definitiv nach Gewitter aus ...


Doch wie von Zauberhand, löst sich dieses Wolkengebilde auf, als es auf' s Meer hinauszieht. Glück gehabt!


Etwa zur selben Zeit tyrannisieren mich hunderte von männlichen (da sehr klein) Mücken. Wir hatten es schon öfter, dass anscheinend ganze Schwärme von Insekten über das Meer ziehen und sich dann einen Landeplatz suchen. Das ist dann sehr unangenehm, weil einem das Viehzeug dann Stundenlang um die Nase summt und versucht unter Deck zu kommen. Also muss man alle Luken schließen und den Rest aushalten. In der Regel verstirbt dann der Großteil des Schwarms in der Hitze und das Deck ist voll mit hunderten von Insektenleichen, die man natürlich breit tritt, da man beim Segeln nun mal Bewegung an Bord hat.

Gegen 17:00 kann ich dann wieder auf einen nördlicheren Kurs gehen, um mein heutiges Tagesziel, die Insel "JURMO", anzusteuern, die rund 15 sm weiter im Landesinneren liegt.

Bei Einlaufen in dieses Fahrwasser kommt man dann zuerst an diesem Leuchtturm der Insel Utö vorbei.

Am Abend ist es dann geschafft, doch die Aufregung noch einmal groß. Bereits aus rund 2 km Entfernung kann ich grob erkennen, dass der kleine Hafen von Jurmo voll sein muss. Da mir allerdings eine Alternative fehlt, fahre ich hinein. Es ist eng, denn auch im Hafen gibt es mehrere Untiefen. Ich taste mich vorsichtig an den Liegeplätzen entlang, immer den Tiefenmesser im Auge.

Es ist knüppeldicke voll hier. Dann entdecke ich eine Absaugstation für das sogenannte "Schwarzwasser" der Yachten. Ich entscheide, dass hier heute niemand mehr seine Fäkalien absaugt und mache fest. Ein Notliegeplatz für eine Nacht, dass muss jetzt mal gehen, obwohl solches Verhalten eigentlich selber nicht leiden kann. Doch der nächste Hafen ist 50 sm (gut 90 km) entfernt und ankern möchte ich hier in der Gegend auf keinen Fall. Warum? Darauf gehe ich später noch mal in einem anderen Post ein.


 

Nun bin ich da. Vor unserem Boot, die Schläuche für die Absauganlage.



Jurmo ist eine schöne Inseln auf der Katrin und ich schon einmal vor ein paar Jahren waren. Gerne wäre ich noch wenigstens einen Tag hier geblieben, doch das Wetter drängt mich, morgen sofort weiter zu fahren.

Panorama

Daher nur schnell ein paar Eindrücke ...



Die Vegetation sieht überwiegend nach Heidelandschaft aus. Es wächst auch viel Erika, aber auch viele andere schöne Gewächse. Leider fehlt die Zeit. Vielleicht kommen wir (Katrin & Ich) auf dem Rückweg noch einmal hier vorbei.




Der Track meines heutigen Törns über 78 Seemeilen.

Panorama

Morgen geht es weiter.

Bleibt mir gewogen und weiterhin neugierig.

Euer Harry

P.S.: Heute, als ich das schreibe, bin ich schon 50 sm weiter östlich, in Hanko. Post folgt!





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen