Sonntag, 25. Juli 2021

25.07.2021 Figeholm

 Sonntag, 25. Juli

 

Gegen neun Uhr stehe ich auf – keine Lust – auf gar nichts. Eigentlich auch so ein unsinniger Spruch. Wegen der doppelten Verneinung bedeutet es ja genaugenommen: „Hey, super, egal was wir tun, ich habe Lust auf alles!“.

Eine Viertelstunde später gibt es Kaffee im Cockpit, bei 23°C, Sonnenschein und wolkenfreiem Himmel. Der Wind kommt aus NNE (Nordnordost) mit 8 – 12 Knoten (3 – 4 Beaufort). Aber eines ist anders. Neben mir liegen heute nur Segelboote; vier an der Zahl. Die kleinen Wellen schlagen glucksend von schräg hinten unter deren Heck. Die Böen pfeifen durch die Verstagungen der Masten. Das ergibt ein fast gruseliges Geräusch.

 


Drei Schwedische Familien sind mit ihren Kindern in kleinen Motorbooten unterwegs und kommen gerade zum Tanken. Stau an der Tankstelle. Sie machen augenscheinlich eine gemeinsame Rundfahrt durch die Schären. Nach dem Tanken geht es weiter.

 


Ein erster Seenotretter bezieht gerade mit einer vollgepackten Tasche das SAR- (Safety And Rescue) Boot.


 

Einige hundert Meter entfernt sehe ich plötzlich einen Opti hinaussegeln. Opti ist die Abkürzung für Optimist. Eine Bootsklasse, in welcher kleine Kinder das Segeln lernen. Uiih- denke ich, ein Kind alleine bei diesen Böen? Doch es folgt Sekunden später ein kleines Motorboot – alles gut- nur ein Segeltraining.

 

Der Wind heult inzwischen fast unaufhörlich. 

Ein Schwarm Wildgänse kämpft schwimmend gegen den NNE Wind an. Ob auf Futtersuche oder ebenfalls auf „Rundfahrt mehrerer Familien“ kann ich nicht erkennen.


 

Im Augenblick darf sie mal ausruhen ...

Ein älteres Ehepaar, die mit ihrem Wohnmobil auf dem Parkplatz hier am Hafen übernachtet haben, sitzt auf den Campingstühlen vor dem Fahrzeug in der Sonne. Sie serviert noch einen Kaffee nach dem Frühstück, während er die ganze Zeit nach unten schaut und etwas liest.


 

Eine niederländische Motoryacht legt ab und kommt mit tiefblubberndem Dieselmotor hier an die Tankstelle. Beim Anlegen ein eingespieltes Team eines Ehepaares, wenig älter als wir selbst.


 

Neben mir liegt ein kleines Kajütsegelboot. Der Eigner ist gerade an Bord gekommen und öffnet das Verdeck. Das Boot fährt unter schwedischer Flagge und norwegischer Gastlandsflagge. Mmh. ?


 

Über den Parkplatz kommt gerade ein grünes, dreirädriges, Moped mit Ladefläche. Ich denke zunächst an Matthias von Figeholms Marin, doch es ist jemand anders. Er dreht eine Runde auf dem Parkplatz und verschwindet dann wieder.

Der schwedische Segler neben mir, hat nun inzwischen die norwegische Gastlandsflagge eingeholt. Seine Frau kommt mit mehreren vollgepackten Taschen hinzu und belädt das Kajütboot.

Der zweite Seenotretter kommt und nimmt einen letzten tiefen Zug an seiner Zigarette, bevor er den Steg zum SAR-Boot betritt.

Während ich das alles in einem kleinen Büchlein notiere ist etwa eine dreiviertel Stunde vergangen. Ich stelle fest – ich habe hier die Poleposition und über alles den Überblick. Und – ich habe hier in Figeholm noch nie so lange in einem Stück im Cockpit gesessen.

10:20, die Seenotretter legen ab. Der Himmel bewölkt sich ein wenig. Ich bekomme Hunger und entscheide, dass genau jetzt Frühstückszeit ist und gehe unter Deck. Die Niederländer tanken derweil immer noch. Wie groß ist denn bitteschön so ein Motoryachttank?

Gegen halbelf ist allgemeine Aufbruchsstimmung im Hafen. Ich höre ein Bugstralruder. Nur drei oder vier Mal summt es kurz auf. So wie es sich gehört. Ein Bugstrahlruder ist ein elektrisch betriebener Propeller, der eine Yacht in Querrichtung verschieben kann. Eine Zusatzeinrichtung, die, im richtigen Moment betrieben, sinnvoll und sehr nützlich sein kann. Es ist allerdings vielerorts so in den Marinas, dass einige Skipper scheinbar ihre Yacht mit ´zig-fachen Stößen des Bugstrahlruders zu manövrieren versuchen. Das ist laut und nervend. Manchmal bin ich dann geneigt rüber zurufen: „Zum Lenken ist das Steuerrad da“!

Die Niederländer legen von der Tankstelle ab und die Motoryacht entfernt sich, während das sonore Blubbern des Diesels langsam verstummt. In der üblichen Arbeitsaufteilung, er steuert das Boot, sie räumt die Leinen und Fender auf, verschwinden beide langsam aus dem Blickfeld.

Neben mir auf dem kleinen Kajütboot wird von der Tochter der Frühstückstisch für vier Personen gedeckt. Also ein Ehepaar mit zwei Kindern, die genauso spät frühstücken, wie ich. Es duftet nach frischen Brötchen – meinen frischen Brötchen im Backofen.

Und während ich kurz nach ihnen schaue, fällt mir ein, dass die 5 Kilogramm Gasflasche auch nicht mehr ewig halten dürfte. Ein Blick ins Logbuch verrät mir, das Datum des letzten Tauschs: 01. Juni. Dreizehn Tage hatten Katrin und ich die neue Gasflasche dann noch im ersten Urlaub des Jahres genutzt; 19 Tage bin ich jetzt mit ihr unterwegs; macht zusammen 32 Nutzungstage. Sie müsste also noch rund drei Tage halten. Meine persönliche Faustformel für den Gasverbrauch an Bord ist: Ein Kilogramm pro Woche (7 Tage). 5 kg x 7 Tage = 35 Tage. Das spielt aber nicht so die Rolle. Ich habe noch 15 kg auf Lager. So viel können wir gar nicht verbrauchen, selbst, wenn Katrin viel Brot selbst backen sollte.


 

Am frühen Nachmittag gehe ich dann noch einmal joggen. Ich laufe insgesamt 8 Kilometer in 54 Minuten. Zu Hause schaffe ich in dieser Zeit fast genau zehn Kilometer. Allerdings weist die BergfexApp hier auch eine Höhendifferenz von acht Metern aus und die geht es etliche Male im Verlauf der Strecke hoch und runter. Insoweit relativiert sich die geringe „Pace“.

 

Schmunzler an Rande: Auf meiner gestrigen Kajaktour hatte mir die BergfexApp ebenfalls eine Höhendifferenz von genau acht Metern testiert. Okay, die Brecher, die hier nach Figeholm von draußen reinrollten, waren schon stellenweise, ich will nicht übertreiben, acht, neun, möglicher Weise sogar zehn Zentimeter hoch. Diese geringen Höhendifferenzen sprengen halt die Möglichkeiten eines normalen GPS-Empfängers.

 

Heute ist Flanksteak-Tag!   Was ist eigentlich Flanksteak?

„Das Flanksteak stammt aus dem hinteren, unteren Bauchteil (Flanke/unterer Rippenbereich) des Rindes. Der oval förmige Flank-Cut kommt aus den USA und wird dort schon lange für seinen intensiven Geschmack geschätzt. Der Bauchmuskel ist flach und sehr fein marmoriert und hat eine lange Faser. Bei Feinschmeckern und BBQ-Fans ist das Bavette sehr beliebt (mittlerweile auch in Deutschland), weil es trotz des geringen Fettanteils äußerst intensiv im Geschmack ist.“

 

In Deutschland hat man offensichtlich erst spät erkannt, dass sich dieser Teil des Rindes auch zum Kurzbraten eignet. Wer ein besonders zartes Stück erwartet, wird allerdings eher enttäuscht werden. Kurzbratgeeignet ist es nur medium gebraten, besser noch medium-rare (also: halbblutig). Andernfalls wird es zäh. Die normale Supermarktqualität liegt auch eher im Bereich „nicht ganz so zart“, die Steakhaus-Qualität ist da deutlich besser. Aber eines kann ich bestätigen: „Egal wo Du es kaufst – der Geschmack ist deutlich intensiver, als der anderer „Steakteile des Rindes“. Hier in Schweden ist es gebräuchlicher als in Deutschland und trotzdem nicht in jedem Supermarkt zu haben.

 


Heute gab es dazu wieder gebratene Worchester-Zwiebeln und Butterreis. Und weil das kleinste Stück, dass ich in Kalmar bekommen konnte, so groß war, muss ich morgen noch einmal Flanksteak essen. Das heutige Steak war übrigens relativ zart. Die Frage ist nur ...

- weil ich es aus dem Kühlschrank nahm und ca. 2 Stunden bei Raumtemperatur liegen ließ oder

- weil ich es heute schonender gegarrt habe oder

- weil es einfach Zufall ist?

Ich werde es wohl nie erfahren.    Mir graut es vor der kommenden Woche!

Bleibt mir gewogen und weiter neugierig. 

 

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