Donnerstag, 22. Juli 2021

21.07.2021 Figeholm

 Mittwoch, 21. Juli

 

Der Tag begrüßt mich mit 22° C und Sonnenschein. Gegen Mittag frischt der Wind auf. Selbst im Hafen messe ich Böen bis 15 Knoten (4 Beaufort).

 

Meinen ersten Kaffee trinke ich heute erst gegen 12:00 mittags. Der Appetit ist mir vergangen, die gute Laune auch. Zweifel plagen mich, wie und auch wann es hier weitergeht. Gegen 08:00 aufgestanden, habe ich mich den ganzen Vormittag mit dem schreiben des Blogs abgelenkt. 

Zwischendurch Recherchen zu Saildrive und Faltpropeller, deren technische Daten und deren Anbieter. Es gibt heute an Tag drei nach dem Propellerverlust weder ein Angebot noch eine Bestellung. Danny kümmert sich - erreicht aber nichts.

Ich liege inzwischen wieder alleine am Pier, den alle anderen Boote im Laufe des Vormittags verlassen haben. An der Bootstankstelle immer wieder Kinder, die vom Steg springen und baden. Die selbe Gruppe Jugendlicher, wie gestern, kommt mit ihren Jetbikes, tankt und albert herum. Es ist Ferienzeit in Schweden. 

 


Mich befällt ein Gefühl aus ständiger Unruhe, von Frust und Ratlosigkeit, was jetzt am besten zu tun ist. 

Langsam füllt sich der Hafen wieder mit neu ankommenden Booten. Einer großen Motoryacht, sie hat so an die 14 Meter Länge, helfe ich beim anlegen.

Ich komme zu keinem Angebot, weil ich, um über das Internet bei den Händlern von Propellern einzukaufen, zu viele Daten benötige, die ich nicht kenne. Aber - ich hatte mich vor rund 2 Jahren schon einmal für einen Faltpropeller interessiert und eine Firma SPW in Bremerhaven angesprochen. Nach einem Telefonat mit der dortigen Sachbearbeiterin hatte diese die Daten, die ich liefern konnte, in ein Computerprogramm eingegeben und dort die Parameter für den Propeller errechnen lassen. Ein paar Minuten später war klar, welchen Propeller ich spezifisch für dieses Segelboot mit dieser speziellen Motorisierung benötigen würde.

Um 13:02 fällt die Entscheidung. Ich rufe da einfach noch einmal an. Schnell bin ich zu einem Sachbearbeiter durchgestellt. Ich erkläre ihm was ich benötige und meine spezielle Notsituation. "Einen Faltpropeller kann ich Ihnen nicht kurzfristig anbieten, aber einen Drehflügler" sagt der gute Mann am anderen Ende. Ich erkläre, dass ich schon einmal ein Angebot von SPW erhalten hätte. Damals zu einem Einführungspreis des neuen Drehflügelmodells. Mein Budget gab das nur nicht her und Drehflügler seien ja nun noch einmal deutlich teurer als Faltpropeller. Der Mann fragt nach meinem Namen, um nach dem ehemaligen Angebot zu suchen.

"Herr Gr ... aus Berlin, eine Bavaria 39 mit einem Volvo Penta Motor D2-55. Ist das noch alles aktuell?" fragt er mich. Ich bestätige. "Na dann schauen wir doch mal. Den damals gewährten Rabatt von 10% ... - ... kann ich drin lassen. Ich kann Ihnen den passenden Drehflügler für 2.895,46 € anbieten". Das ist unwesentlich mehr, als ich ohnehin für den Faltpropeller eingeplant hatte! Bis wann ist der lieferbar, frage ich? "Wir müssen Ihn noch bauen" aber "Wenn Sie sich bis morgen (Donnerstag) früh 8:30 entscheiden, kann ich ihn noch am selben Tag in die Produktion geben. Am Freitag wäre er dann versandfertig."

Die eMail Adresse harald.gr ... @gmail.com ist noch aktuell? fragt er. Ich bestätige. Ich kann es nicht fassen. Um 13:13, 11 Minuten nach meinem Anruf, habe ich das Angebot auf meinem Laptop. Wir besprechen noch die möglichen Versandwege und -möglichkeiten nach Schweden. SPW hat verschiedene Expressdienstleister. Er wird sich erkundigen, wer am schnellsten Liefern könnte. Nach seiner Erfahrung sollte eine Lieferung nach Schweden bis ca. Dienstag nächster Woche möglich sein.

Wir verbleiben, dass ich mich noch im Laufe des Nachmittags bei ihm melde. Ich möchte mich erst mit Danny abstimmen und hören, welche Alternativen er inzwischen vielleicht hat. Doch dort ist alles ist unverändert. Um 15:00 sende ich meine Auftragsbestätigung an SPW und telefoniere sie sofort nach, um sicher zu gehen, dass die eMail nirgendwo liegenbleibt. Der Sachbearbeiter ist gerade unterwegs. Ein freundlicher Kollege bestätigt schon mal den Eingang meiner eMail. Er gebe die Information weiter.

Ich beschließe, auch eine Runde spazieren zu gehen und mir fällt gleichzeitig auf, dass ich heute abgesehen von meinem Mittagskaffee, noch nichts zu mir genommen habe. Ich nehme mir eine angefangene Packung mit zwei übrig gebliebenen Eierwaffeln und maschiere los. 

 



Ich entdecke einen Fahrradweg, der von Hafen Figeholm nach Oskarshamn führt. Es ist ein geschotterter Waldweg. Den gehe ich eine Weile entlang und vergesse schon bald meine Sorgen. Natur entspannt. Da klingelt das Mobilgerät. SPW. Man bestätigt mir alle gewünschten Inhalte zunächst mündlich. Als ich später an Bord komme, liegen Auftragsbestätigung und Rechnung schriftlich als eMail in meinem Postkorb.

Doch noch bin ich unterwegs. Hier und da gibt es die Gelegenheit meinen Fotoapparat zu zücken. 

Dieses Haus, ja eigentlich das gesamte Grundstück, hat den Charme passend für ein Gemälde  ...


... zum Beispiel passend für ein Aquarell ...

 

Man glaubt gar nicht, wie sehr das Fotografieren von Blüten und Schmetterlingen entspannt. Fast zweieinhalb Stunden bin ich dann unterwegs. 

 

Ein Rosenkäfer

Libellenarten zu bestimmen, habe ich aufgegeben.

Vermutlich ein "Brauner Grashüpfer"

Ein Schmetterling? Ein Falter? Ich weiß es nicht.

Ein Bläuling, doch davon gibt es viele Arten.

Schmalblättriges Weidenröschen

Die Wegesränder - mal Sumpfland ...

... mal Überbleibsel eiszeitlicher Moränen. Der Wald ist voller Geröll in allen Größen.

Pfirsichblättrige Glockenblume

Zwischendurch meldet sich noch Danny aus seinem Urlaub und beglückwünscht mich zu meiner Entscheidung, den Drehflügler zu nehmen. 

Während ich mich schon wieder dem Hafen Figeholm nähere, tauschen wir uns gerade darüber aus, wie sehr die Aussenwirkung eines Unternehmens, mit dem Handeln der dortigen Mitarbeiter steht und fällt. Ein fähiger und verlässlicher Mitarbeiter dort, lässt für dich das gesamte Unternehmen so erscheinen. Verlässt dieser das Haus oder es wird wieder einmal umstrukturiert, so kann sich der Eindruck von der Kompetenz eines Unternehmens binnen kürzester Zeit umdrehen. So gerade von uns beiden, im Zusammenhang mit mit der Suche nach meinem Propeller, erneut erlebt. "Xy, der arbeitet nicht mehr bei uns" heißt es dann am anderen Ende der Leitung und eigentlich müsste man antworten "Ja, das merkt man!"   Ich schweife ab.

Der hintere Hafen mit dem Büro des Hafenmeisters, den Sanitär- und Service-Bereichen.




Schwedischer geht es nicht ...

Die Sonne hat inzwischen wieder die Überhand am Himmel gewonnen und auch ein Stück weit an meiner Verfassung. Doch noch ist nicht aller Tage Abend. Es bleibt noch genügend Spielraum für Dinge, die zum Thema Propeller noch richtig Ärger bereiten könnten. Ich will weder daran denken und das hier schon gar nicht ausmalen, aber ich habe da so einige Szenarien im Hinterkopf und hoffe, dass ich mich irre.

Es ist genau 00:40 des Folgetages als ich diese letzten Zeilen schreibe. Ich habe meinen Blog-Rückstand endlich aufgeholt. Morgen, also heute, nur später, werde ich noch ein paar Fotos vom Mittwoch einfügen, bevor ich den Blog veröffentliche.

Bleibt mir gewogen und weiter neugierig.




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