Mittwoch, 14. Juli
Seit heute gelte ich als vollständig Corona geimpft. Aber das hat hier bisher noch niemanden in Schweden interessiert. Genau so wenig, wie das Tragen von Schutzmasken. Heute ist mein achter Tag in Schweden und ich habe bisher eine einzige Person, es war natürlich eine Asiatin, mit Atemschutzmaske gesehen. In den Läden gelten ausschließlich die Abstandsregeln und es sind überall Spender mit Desinfektionslösung aufgestellt. Das ist Coronaschutz auf Schwedisch.
Aber eigentlich interessiert mich heute nur ein Thema – die GPS-Antenne.
Wie jeden Vormittag gehe ich ins Hafenbüro, das hier gleichzeitig mit dem Tourist Office gekoppelt ist, und zahle mein Liegegeld von 320,- SEK inklusive electricity.
Ich beschließe einen Stadtbummel zu machen. Heute nach dem System, ich entscheide spontan an jeder Kreuzung in welche Richtung ich gehe. Das hat mich in der Vergangenheit schon zu interessanten Punkten geführt. Heute lande ich irgendwann in einer eher langweiligen Wohngegend Kalmars. Zumindest stoße ich dort auf ein ICA (eine große Schwedische Supermarktkette), wo ich mir zur Abkühlung mein tägliches Daim Eis hole. Kalmar, 30°, die Sonne brennt – meine Frisur sitzt – Dreiwetter Taft! Oder so ähnlich.
Zwischendurch schaue ich immer wieder auf mein Mobilgerät. Keine SMS, kein Anruf!
Auf meinem Weg Richtung Hafen kommen ich dann noch an einem Hemköp (eine andere große Schwedische Supermarktkette) vorbei. Dort besorge ich mir Kardamonknut, die letzten Beiden, und ein Flanksteak. Am Nachmittag bin ich dann wieder zurück an Bord. Ich beginne mich zu ärgern und schon einmal hochzurechnen, nach wie vielen Tagen die Summe der Liegegelder die Kosten für die GPS-Antenne übersteigt. Die nächste Frage ist folglich, ob es gescheiter gewesen wäre über SVB zu bestellen, denn die versenden ihre Produkte an deutsche Segler in aller Welt. Aber was nutzt es im Zweifel, wenn deutsche Lieferkompetenz auf schwedische Paketdienste trifft – vermutlich nichts. Ich höre schon Katrin sagen: „Steigere Dich nicht immer so in die Sachen hinein“! Vermutlich hat sie Recht, aber ich bin eben so.
Um 18:00 Uhr schließt Baltic Shop. Ich gehe los und bin eine Viertelstunde vorher da. Hoffnung mache ich mir wenig, aber ich will es zumindest versucht haben. Der Chef kommt mir entgegen und gestikuliert sinngemäß, warum ich denn erst jetzt komme. Ich stutze und er sagt: „Ich habe Ihnen doch heute Vormittag eine SMS geschrieben“. Noch einmal schaue ich auf mein Mobilgerät. Nichts. Egal – die GPS-Antenne ist da.
Auf den Weg zu Ari komme ich an einem Coop (noch eine andere große Schwedische Supermarktkette) vorbei, dass direkt am Hafen liegt. Ich möchte die Antenne sofort einbauen, also gibt es heute kaltes Abendbrot. Ich nehme mir eine Salatschüssel und fülle Sie mit Leckereien aus der Salatbar. Neben dem üblichen „Gemüse“ kommen Avocado, Schafskäse und Krabben mit hinein. Da mir die Auswahl an Salatdressings nicht passt, weil ich zum Teil deren auf Schwedisch beschriebenen Inhalt nicht deuten kann, greife ich auf eine Flasche 1000-Island-Dressing aus dem sonstigen Salatsoßensortiment zurück.
Jetzt schnell an Bord.
Der Einbau der Antenne gestaltet sich dann doch etwas komplizierter als gedacht. Die neue Antenne passt nicht in das Loch der Alten. Ich habe damit gerechnet, dass ich neue Schraubenlöcher bohren muss, nicht aber damit, dass das 22 mm Loch für die Kabeleinführung jetzt an einer anderen Stelle liegt (beide Antennen sind von Raymarine). Auch das sogenannte Spur – Kabel, welches bei dem Seatalk-ng-Netzwerk die Einzelgeräte an den Verteiler anbindet, lässt sich nicht durch den Steuerstandtunnel ins Heck schieben.
Die Steuerbord-Kajüte habe ich in Vorbereitung auf das Einziehen dieses Kabels schon fast ausgeräumt. Jetzt muss ich doch noch das Steuerrad vom Steuerstand demontieren, damit ich das dahinter befindliche Instrumentenpanel abschrauben kann. Als alles freigelegt ist, läuft das Verlegen des Spur – Kabels recht gut. Die Seatalk-Stecker werden mit einer Art Bajonettverschluss mit der Antenne und dem Verteiler am Steuerstand verbunden. Die GPS-Antenne wird in ihre neuen Bohrlöcher geschraubt. Der Plotter wieder eingebaut und angeschlossen. Zeit für einen Funktionstest. Ich bin ein wenig aufgeregt, weil ich nun gleich sehen werde, ob mein Plan überhaupt funktioniert und sich der Plotter das Satellitensignal auch über die neue GPS-Antenne zieht, oder aber in seinen bisherigen Modus verharrt. Ich schalte die Automaten für die Elektronik am Steuerstand ein. Jetzt noch kurz am Plotter bestätigen, dass ich ihn natürlich nur als Redundanz nutze und nach Papierseekarten navigieren, wie es gewünscht ist > OK > … und er hat seine Positionsdaten. Kein Piepen mehr, kein Warten mehr bis er endlich nach fünf Minuten wusste, wo er ist.
Es ist schon fast halbzehn Uhr abends. Jetzt noch alle Teile wieder zusammenbauen, Die Kajüte wieder einräumen; aber vor allen Dingen – mit einem breiten Grinsen freuen.
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