Montag, 17. Juli 2023

17. Juli 2023, Jurmo (Finnland)

 Montag, 7. Juli


Wir schlafen mal wieder so richtig aus. Die Sonne weckt uns, als sie durch das Oberluk in unsere Bugkajüte scheint. Wir drehen uns einfach noch einmal im Bett um. Niemand wartet auf uns und wir haben keine Eile.

Der erste Kaffee des Tages weckt dann irgendwann unsere Lebensgeister und wir stellen uns mit dem vollen Pott ins Cockpit und gucken.

Unser Nachbar an Backbord legt gerade mit seiner Segelyacht ab. Der neben ihm liegende Finne steht bereits parat, um Hilfe zu leisten, denn der Seitenwind ist heute Morgen kräftig. Mit Mühe hat sich die Segelyacht rückwärts aus dem Liegeplatz gezogen, ohne nennenswert die beiden benachbarten Boote (also auch uns) zu touchieren. Doch jetzt hat der Skipper ein Problem. Der Seitenwind ist so stark, dass seine 3-köpfige Crew es nicht schafft, den Mooringhaken von der Mooringboje zu lösen. Mitschiffs liegt er angelehnt an einer benachbarten Mooringboje. Zwei Crewmitglieder ziehen an der Mooringleine, was das Zeug hält. Keine Chance die Yacht mit Muskelkraft gegen den Wind an die Boje zu ziehen.

Kein Wunder. Selbst eine Zehn-Meter-Segelyacht bringt es quer liegend, inklusive Mast, Baum und Takelage bereits auf eine Fläche von rund 15 m². Wenn dort der Wind draufdrückt kommen schnell mal hundert Kilogramm Druck zustande, die man mit Muskelkraft nicht mal eben überwindet.

Das Hafenkino ist gestartet. Da fast alle Zuschauer selbst ein Boot hier im Hafen haben, wird kurzerhand überlegt, wie die Situation in den Griff zu bekommen wäre, während einer dieser Personen schon mal sein Dinghy (Beiboot) klarmacht und zu der "Yacht in Not" rüberrudert. Vorschlag 1 kommt von dem Finnen, der uns mit seinem Motorboot am nächsten liegt. Er schlägt vor, dass wir unsere Heckleine soweit lösen, bis unser Heck an seinem Boot anlehnt. Dadurch wird die Mooringboje entlastet und kann von der "Yacht in Not" leichter zu sich rübergezogen werden, denn wir teilen uns die selbe Mooringboje.

Keine schlechte Idee. Wenigstens ist es einen Versuch wert. Also fieren (kontrolliertes Lockern) wir unsere Heckleine. Der Wind treibt uns sofort gegen das benachbarte Motorboot, während eine ausreichende Anzahl von Fendern Schäden an den Bootsrümpfen verhindert. Die Mooringboje ist sichtlich entlastet und lässt sich auch deutlich besser an die "Yacht in Not" heranziehen. Es fehlt jedoch noch ein Stück, um von Bord aus den recht niedrig über der Wasseroberfläche befindlichen Mootinghaken zu erreichen und auszuklinken.

Der Skipper der "Yacht in Not" befürchtet inzwischen aber auch, dass, wenn er ausgeklinkt wäre, er sofort im Hafen vertreiben und auf Grund laufen würde. Eine neue Lösung muss her. Die ist schnell gefunden. Der Helfer mit seinem Dinghy ist nun gefragt, eine Hilfsleine zu einer weiteren Mooringboje zu ziehen, die in Windrichtung liegt. An dieser Hilfsleine hängend, könnte der Mooringhaken gelöst und die Segelyacht anschließend mit Motorkraft in den Wind Richtung Hafenausfahrt gedreht werden. Während sie vorwärts führe, könne man von Bord aus leicht die Hilfsleine einholen.

Bis dann alle Leinen so platziert sind, dass dieses Manöver durchgeführt werden kann, ist noch viel Körpereinsatz von allen Beteiligten, uns eingeschlossen, notwendig. Doch das Wichtigste: Am Ende funktioniert dieser Plan und die Crew verlässt den Hafen, während sie sich vielfach in verschiedenen Sprachen für die Hilfe bedankt. Die, die hierbleiben und geholfen haben, sind irgendwie stolz, dass es am Ende geklappt hat. Oder nach dem Motto des A-Teams: "Ich finde es gut, wenn ein Plan funktioniert!"

Bevor wir uns dann selbst wieder mit unserer Heckleine in die alte Position bringen, greifen wir erstmal nach dem Kaffee. Der ist zwar nicht mehr ganz heiß, aber wen interessiert das jetzt schon?

Nach diesem gelungenen Tagesauftakt ist erst einmal Frühstücken angesagt. Später wollen wir bei dem schönen Wetter noch einmal eine größere Runde über die Insel Jurmo drehen.

Natürlich nicht ohne die Fotoapparate. Im Hafen legt gerade eine Fähre an. Wir sind dann etwas überrascht, wie viele Leute vom Boot auf die Insel strömen. Es müssen an die 30 Personen sein - auf unsere Insel!


Die Meute verteilt sich schnell. Ein Teil der Rucksacktouristen macht sich auf, um im westlichen Teil von Jurmo zu Zelten. Außer einer Trockentoilette gibt es dort am Strand keinen Komfort, denn der Boden besteht überwiegend aus faustgroßen Steinen.


Ein Teil der anderen Touristen wird hier gerade vom Sohn des Hafenmeisters, nicht älter als geschätzte 12 Jahre, mit dem Quad samt Anhänger zu ihrer Unterbringung gefahren. Der Vater selbst fährt ihm mit seinem Pickup und dem Gepäck der Touris hinterher.

Währenddessen strömen schon die ersten Neuankömmlinge auf den Högberget, der auf dieser Insel höchsten Erhebung. Wir sind entsetzt - so viele Menschen!

Der Högberget

Doch wir wollen heute weit in den Osten von Jurmo und sind uns sicher, dass wir dort alleine sind. Das nächste Quad rollt an uns vorbei. Irgend eine Einheimische mit einem kleinen Kind auf dem Schoß. Das funktioniert halt nur da, wo es keine Polizei gibt. Paradiesische Zustände (Nichts gegen die Polizei!)


Endlose Weite und für uns kehrt jetzt Ruhe ein ...


Das Meer ist nirgendwo weiter als fünf Gehminuten entfernt ...



Wir entdecken einen Geißklee-Bläuling (oben und unten der selbe Schmetterling).

Eine Bachstelze mustert uns mit ihrer Beute im Schnabel ...


Blickrichtung: Nordost







Da geht's ins Naturschutzgebiet



Vorbei geht es erneut an mehreren Steinkreisen, die hierMunkringar genannt werden. Wie alt diese Steinkreise sind und zu welchem Zweck sie gedient haben ist nicht überliefert. Nicht einmal, ob sie im historischen Sinne wirklich alt sind. Immerhin bestehen sie aus so vielen Steinen, dass man ausschließen kann, dass sie lediglich von Touristen aus Langeweile errichtet wurden.









Wir nähern uns dem östlichen Ende von Jurmo und können zum ersten Mal das Nordufer und Südufer gleichzeitig sehen ...

Das erinnert uns ein wenig an Skagen (nördlichster Punkt Dänemarks, wo Nordsee und Ostsee auf einandertreffen). Nur das wir hier alleine sind.








Oben: Zwei mutige Austernfischer suchen auf einer vorgelagerten Sandbank nach Nahrung.

Unten: Eine Seeschwalbe auf Futtersuche ...



 

Über elf Kilometer waren wir heute zu Fuss unterwegs. Das ist der Track der BergfexApp ...




Dieser Alpenstrandläufer hat 2 Beine, ich habe es gesehen. Er schafft es tatsächlich bei Böen von 5 - 6 Bft auf einem Bein zu stehen.




Das war' s für heute von uns, inklusive Sonnenuntergang. Für Morgen hat uns das regnerische Wetter noch einen Tag Jurmo verordnet.

Während ich das hier abends schreibe, bläst schon wieder der Starkwind seit Stunden durch den Hafen. Ari krängt und schaukelt, während draußen der Wind heult.

Bleibt gespannt, wir sind es auch.

Harry & Katrin



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