Freitag, 23. August 2019

23.08.2019_Jurmo

Freitag, 23. August


Die Nacht ist trotz viel Wind gut gegangen und wir haben auch ganz gut geschlafen. Erstaunlich, wie man sich an eine Geräuschkulisse gewöhnen kann. Wir haben 19°C, Sonnenschein bei leichter Bewölkung. Im Windschatten genügt ein T-Shirt, im Wind brauchen wir mindestens 2 dicke Pullis, denn der Wind bläst.

Wir machen uns auf, um die Insel zu erkunden. Jurmo ist etwa 5 km lang und einen km breit und läuft an den Längsseiten zu schmalen Landzugen aus.


Jurmo ist ein Lebensraum für viele seltene Seevögel. Auf rund einem Drittel im Südwesten der Insel ist das Betreten von April bis Juli, der Brutzeit der Vögel, verboten. Die finnische Stadt Turku unterhält hier eine ornithologische Station. Das Dorf Jurmo findet bereits 1540 Erwähnung im Grundbuch. Es gibt eine kleine Alpakazucht und eine historische Windmühle. Archäologische Überreste von vier Steinringen, den sogenannten "Munkringar" (Mönchsringe), liegen im nördlichen Teil. Ihr Zweck ist bis heute nicht bekannt.

Finnland hat übrigens rund 180.000 (!) Inseln, von denen rund die Hälfte in Binnenseen liegt. Nationalbaum ist die Hänge-Birke. Die Sprache ist genau genommen nicht finnisch, sondern "Suomi", ein eigener Sprachstamm, der mit schwedisch oder russisch nicht viel gemein hat und schwer zu erlernen sein soll. In Suomi gibt es 15 Fälle. Die Worte gehen einem schwer über die Zunge:

Bitte = olkaa hyvä
Danke = kiittää oder Kiitos
Guten Tag = Hyvää päivää

Da belassen wir es besser beim "Hei" = Hallo (analog dem Schwedischen)

Wo liegt Jurmo?

Da Jurmo im Außenbereich der Schären des sogenannten Turku-Archipels liegt, ist die Vegetation entsprechend karg. Im Inselzentrum gibt es einen kleinen Wald, der überwiegend aus Kiefern und Erlen besteht. Der Rest ist eher tundrenartig, nur ohne Dauerfrostboden. Die Landschaft wird geprägt durch den Bewuchs von Erika, Wacholder, Blaubeeren, Ebereschen und dergleichen. Dabei wächst  der Wacholder hier überwiegend flach wie die Erika und nicht in Büschen. Nachfolgend aus der Kaninchenperspektive gut zu sehen.


Der Nordwesten mit dem Dorf "Jurmo"

Blick zurück Richtung Hafen. Rechts ein paar Ebereschen. Manche schwören auf deren Beerendestilat.


Jurma


Vorgelagerte Schären auf der Ostseite

Fast schon Alpin.


Kein Gipfelkreuz - mehr Richtfestcharakter.






Erinnert an Preiselbeeren - Ich kenne sie allerdings nur kleiner.

Jugendstielbänke mit Libellenornamenten auf dem örtlichen Friedhof


Der Reiseführer verweist auf diese alten Grabsteine, auf welchen noch die Berufe der hier verstorbenen niedergeschrieben sind. Leider ist mein Suomi etwas eingerostet. Was wir auf dem oberen Foto erkennen konnten: hier liegt einer der vielen Lotsen dieser Insel.


Diese Art Glockenblumen habe ich auf vielen Schären gesehen, jedoch noch nie geblogt. Bitteschön ...

Die beidenPilze hier sind für Carsten.



Hier kann man gut erkennen, wie Frisuren die Persönlichkeit verändern. Oben (also das Alpaka): niedliche Frisur. Unten: Doofe Frisur ...



Hier die letzten Meter meiner Everest Besteigung - Ich weiß gar nicht, wie das Bild hier reingerutscht ist.



Stilleben: Erika Stein, by Katrin
Was sonst noch so in der Tundra wächst ...




Alte Holzmühle

Als wir von unserer Fotosafari zurück an Bord sind, ist auch das schöne Wetter für heute vorbei. Als ich die Fotos am Laptop einlese, ist die Schräglage der Ari durch den Winddruck schon so groß, das die GoPro langsam über den Salontisch auf die Leeseite rutscht. Da sind sie also, die angesagten Böen mit 30 Knoten (Windstärke 7). Selbst im Hafen haben wir jetzt so um die 20 cm Welle und von den Wellenkämmen wird selbst hier die Gischt abgeblasen. Der Regen hängt quer in der Luft und daher sind im Cockpit die Sitzbänke nur zur Hälfte nass. Alles im Windschatten bleibt trocken. Das ist auch noch eine Stunde später so. Gegen 20:oo (21:oo Ortszeit) geht das Ganze langsam seinem Ende zu. Die Sonne kommt vereinzelt durch und es entwickelt sich ein wunderschöner Sonnenuntergang, während einzelne Wolkenfetzen noch im Eiltempo über den Himmel getrieben werden.



Ich platziere die GoPro auf dem Festland, stelle die Automatik auf "Filmen mit einem Bild je Sekunde". Das läuft dann bis der Akku leer ist so an die zwei Stunden und ergibt am Ende einen Zeitrafferfilm von 2 Minuten, vorausgesetzt, niemand nimmt zwischenzeitlich die Kamera mit :-)

Über Nacht wird der Wind von derzeit SW auf NNW drehen und etwa auf die Hälfte abflauen. Da wir ca. 28 Seemeilen nach Norden weiter möchten, müssten wir Stunden unter Motor fahren. Das verhagelt meine Statistik und geht daher nicht. Also bleiben wir noch einen Tag hier und stricken uns ein Paar Alpakasocken.
Spaß beiseite: wir gönnen uns noch einen weiteren Tag für die Inselerkundung und düsen am Sonntag mit dem aufkommenden Südwind gen Norden

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