Samstag, 3. August 2019

02.08.2019_Nynäshamn

Kurzentschlossen bin ich heute noch einen Tag in Nynäshamn geblieben, denn der noch ausstehende Weg nach Stockholm mahnt bei sieben Tagen Zeit nicht zur Eile. Und dann war da noch mein Hinweis im letzten Blog, das ich es hier weniger lohnenswert finde.

Irgendetwas gibt es immer, denke ich mir und ziehe erneut los. Damit hinterher niemand sagt, ich hätte keinen Blick für Details. Meine Ode an Nynäsham …

Nynäsham hat etwa 15.000 Einwohner und gehört von der Lage her bereits zur Provinz Stockholm. Was Nynäshamn nicht zu haben scheint, ist eine Altstadt (ein alter Dorfkern hätte mir auch genügt), denn weder zu Fuß noch im Internet finde ich irgendwo Historisches. An den Preisen der Restaurants und Minibars am Kai gemessen, erscheint diese Stadt wie ein schwedisches Sylt. Allerdings sind Restaurants – hier: „Restaurang“ – sowieso deutlich teurer als im deutschen Durchschnitt. Das wundert mich nur insoweit, als mir die Supermarktpreise in etwa vergleichbar zu Deutschland erscheinen und Schweden nach meiner Kenntnis nicht grundsätzlich höhere Einkommen haben. 

Dennoch sind Restaurants und Minibars sehr gut besucht. Am Tag sitzt man gerne bei derzeit 25° - 28° C mit einem Eis oder einem kühlen Getränk in der Hand auf dieser schön angelegten Holztreppe und schaut direkt in den Sportboothafen. Gut, ich kann es mir nicht verkneifen: An dieser Stelle befindet sich etwa 30 – 40 m entfernt eine Bootstankstelle, die Fäkalienabsauganlage sowie eine Reinigungsanlage, an der man seine Yacht mit den Hochdruckstrahler waschen kann. Eines von Beiden ist also nur suboptimal platziert. 



Das lässt die Touristen augenscheinlich unbeeindruckt und der Eine oder Andere ist einfach froh, mal eine Pause einlegen zu können …


In der Fischräucherei stehen die Menschen Schlange und in den kleinen Butiken nebenan gibt es den üblichen Tinnef, wie sonst nur in Touristenhochburgen üblich.


Im Internet finde ich den Hinweis, dass es in der nahen Gegend ein Tierreservat, das Käringboda, gibt. Ein Naturschutzgebiet mit „Wald, Bergblick und Weideland“ ist auf der Seite der Kommune zu lesen. Wo haben die sich den Berg geliehen frage ich mich und stelle gleichzeitig fest, dass die Entfernung fußläufig nicht passt. Ich muss mir etwas anderes suchen. 

Unterwegs sehe ich dann noch dieses Schmuckstück und beglückwünsche den Fahrer zu seinem top erhaltenen Youngtimer. 


Ist aber keine schwedische Sehenswürdigkeit, denke ich mir und suche weiter.

Dann geht es den Fährhafen entlang, wo phasenweise lange Autoschlangen, bzw. deren Insassen, auf ihre Verschiffung warten. Und was fällt mir auf? 


Eine polnische Fähre – eingetragen im Schiffsregister NASSAU. Nein, nicht der Luftkurort in Rheinland-Pfalz, der zum Bistum des ehemaligen und gut bekannten „First Class Bischoff“ Franz-Peter Tebartz-van Elst gehört. Nein, ich meine das Nassau auf den Bahamas. Auch bekannt als Steuerparadies. Erstaunlich das die EU das für eine innerhalb der EU Staaten verkehrende Fähre durchgehen lässt. Der Frachter aus dem letzten und vorletzten Blog hatte übrigens auch eine Eintragung im Schiffsregister NASSAU. „Ausflaggung“ nennt sich das ganze offiziell und hilft neben der Steuerumgehung auch noch dabei die Arbeitsrechte für die Besatzung überschaubar zu halten. Gern gewählt ist alternativ noch Valletta auf Malta, wo sich sogar rein postalisch und ohne Anreise eine Firma gründen lässt. Schaden, dass das mit dem eigenen Auto nicht funktioniert. Ich schweife mal wieder ab.

Nein, ich habe heute keine schlechte Laune. Ganz im Gegenteil. Also such ich weiter – nach den schönen Dingen und Augenblicken des Lebens und ich werde fündig. An einem Fußgängerweg zwischen Fährhafen und Supermarkt, ihr wisst schon – ICA, entdecke ich auf einer Wiese mit Wildblumen einige Schmetterlinge.



Ein Stück weiter, ein Anblick der sagt: „Es gab besseren Zeiten“. Nicht nur, dass dieses schöne Holzboot gestrandet am Ufer liegt. Auch das „Waterfront“, eine internationale Restaurant- und Beach Bar-Gruppe, ist, zumindest dieses, dauerhaft geschlossen.


Damit wirklich niemand sagen kann, ich hätte mich nicht bemüht. Hinter dem „Waterfront“ liegt ein verlassener Parkplatz. Neben einem Sandhügel entdecke ich diesen abgelegenen Weg. Später erkenne ich, dass es sich hier um einen ehemaligen, zugewucherten Bahndamm handelt. Wo mich dieser Weg wohl hinführen mag? Finden wir es heraus …



Was hier so verlockend nach Natur aussieht, ist nichts weiter als die kommunale Kläranlage. 

Aber so leicht lasse ich mich nicht unterkriegen und suche weiter nach etwas sehenswürdigen oder zumindest einem Detail für einen schönen Schnappschuss.

Ich bin in einer Art Industriegebiet. Dieser Sattelzug fällt mir aus zwei Gründen auf. 


Erstens scheint er Überlänge und eine außergewöhnliche Achsverteilung zu haben, zweitens erinnert er mich an den amerikanischen Actionfilm „Tango und Cash“. In diesem 1989 erschienenen Film mit Kurt Russel (Gabriel Cash) und Sylvester Stallone (Raymond Tango) kommt es zu einer Verfolgungsjagt in der Tango mit seinem PKW (ich glaube es war ein Maserati) einen Sattelschlepper stoppt, der in meiner Erinnerung genau so ausgesehen hat. Er zieht seinen Revolver, zielt auf den Tank des Tanklastzuges und drückt ab. Natürlich ist der Tanklastzug nicht explodiert, sondern durch das Loch rieselt der weiße Koks auf den dunklen Asphalt. Ja, ist halt ein „Männerfilm“ für alle unter 30. Dieser Truck hier hat allerdings nur 90 – 3082, flüssig N.A.G. geladen. Zu gut deutsch: Epoxy Harz, vermutlich für die Herstellung von Klebstoff, offiziell zumindest. Einen Revolver, um das zu testen habe, ich gerade nicht zur Hand.

Ich suche also weiter nach dem Schönen.

Diese Bucht befindet sich direkt steuerbord des Sattelschleppers, also auf seiner … nah? … genau, rechten Seite.

Industrieromantik vom Feinsten. Denkt Euch jetzt einfach einen Sonnenuntergang hinzu und die Stimmung ist perfekt – oder? Jede Frau schmilzt dahin, wenn Du mit ihr im Auto sitzend in dieser Bucht auf den Sonnenuntergang wartest. Nein, nicht … ?


Dann achtet mal auf das Wohnmobil am linken Rand des Fotos. Das nennt man auch „Hard Core Caravaning”

Gut, Schluß für heute, ich gebe es auf und bleibe dabei. Nichts Sehenswertes in Nynäshamn. 

Der Yachthafen – ja, ganz nett und unterhaltsam. Heute am Freitag, spielen sogar mehrere kleine Bands auf. Leider zeitweise zur selben Zeit, was den Hörgenuss doch arg begrenzt. Ja, ich höre schon Katrin mit mir schimpfen: „Kannst Du auch mal was positiv sehen“? Okay, ich versuch`s. 

Die hier spielenden Bands sind, trotz ihrer wirklich guten Musikcover, zeitweise eine echte Herausforderung, selbst für Multi Tasking fähige Ohren, die separat hören, abspeichern und nacheinander genießen können. 

Morgen geht es weiter.
Bleibt mir gewogen und weiter neugierig.


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