Samstag, 03. August 2019, Nynäshamn – Söder-Viken
Es war ein unspektakulärer Segeltag – aber, es war ein Segeltag! Kurz vor 11:00 Uhr verließ ich Nynäshamn zusammen mit einer ganzen Flottille anderer Segler, als hätten wir uns verabredet gehabt. Weil ich noch unter Motor fuhr, war ganz entspannt Zeit für ein paar Fotos.
Eine schwedische Fähre macht ihren Fahrgastwechsel. Links der Yachthafen. Vor der Fähre, ein Ende weiter rechts, liegt dann das Industriegebiet (s.u.). Der Camper ist weg, aber mein Sattelschlepper steht noch dort.
Und als der hier an mir vorbeiflog, kam mir der Gedanke, dass „Taxifahrer“ in Schweden auch kein schlechter Job sein muss. Vorausgesetzt auf dem Wasser …:
Ich hatte heute eigentlich guten Wind mit 4 Beaufort. Der kam mir allerdings, wie meist, mehr oder weniger direkt entgegen. Also kreuzte ich die gesamte Strecke. Da sich der Wind auf keine genaue Richtung einigen konnte, pendelte er so vor mir hin und her, was mich dann letztendlich in Schlangenlinien segeln lässt. Der heutige AIS Track dürfte lustig aussehen.
Der Tag hat mich Stockholm rund 15 Seemeilen näher gebracht, wofür ich wegen des Kreuzens über 20 Seemeilen gefahren bin. 17 Seemeilen davon gesegelt. Damit bin ich zufrieden. Ich habe eine schöne Bucht gefunden und eine Runde mit dem Kajak gedreht.
Luftlinie bin ich nur noch 19 Seemeilen vom Vasa-Gästhamn Stockholm entfernt. Um dort über das Wasser hinzukommen, sind es geschätzt aber noch etwa 50 Seemeilen Entfernung. Ich habe noch sieben Tage Zeit. Das halte ich für schaffbar :-)
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| Mein heutiger Ankerplatz |
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| Flechten an einem Granitfelsen, fast wie gemalt |
Sonntag, 04. August Söder-Viken nach Myrholmen (Björnö)
Morgens, 9:30 Uhr, in Schweden, gibt es …, nein – keine Knoppers, obwohl ich welche da habe. Sowohl die klassischen Waffeln, als auch die Riegel. Ich habe auf der bisherigen Reise überhaupt kaum genascht, muss ich gerade feststellen.
Dafür habe ich mich heute zum Frühstück mit meinem letzten Kardamom-Knut belohnt. Sechs hatte ich vorsorglich gekauft – man weiß ja nie. Nun sind sie alle. Ich muss dringen zu ICA. Aber mal ehrlich, sehen die Dinger nicht lecker aus? Tässchen Kaffee aus der Pressokanne dazu. Ein handfestes Frühstück, wie es alte Seebären lieben :-)
Wo war ich stehen geblieben? Genau, morgens, 9:30 Uhr, in Schweden, habe ich heute meine Anker gelichtet. Der Himmel ist grau, vereinzelt fallen ein paar Regentropfen und mit 13°C ist es heute noch vergleichsweise kühl.
Aus meiner Bucht auslaufend, habe ich auf meiner Steuerbordseite einen Kormoranfelsen. Während einige bereits nach der letzten Futtersuche ihre Flügel zum Trocknen spreizen, sind andere noch dabei ihr Frühstücksbuffet auf dem Wasser zusammen zu stellen. Nun lässt es sich nicht vermeiden, dass sich ab und zu meine Fahrroute mit der, der Kormorane schneidet. Sie flüchten, jedoch immer in meiner Fahrtrichtung, um sich dann einige Meter vor meinem Boot wieder in ihr Wasserbüffet zu begeben. Das wiederholt sich mehrmals. Hatte ich mal erwähnt, dass in Afrika Gnus ein ähnliches Ansehen genießen, was ihre Intelligenz betrifft?
Während ich wieder Mal unter Motor gegen den kaum vorhandenen Wind fahre, kommt mir dieses Boot mit einem wunderschönen roten Gennaker entgegen. Das ist ein Segel, speziell für raumen Wind (Wind von schräg hinten) mit 2-3 Beaufort. Es ist alleine in etwa so groß, wie die komplette Standardbesegelung eines Bootes zusammen. Funktioniert, wie alle Segel, leider nur nicht, wenn man gegen den Wind fährt.
An einer Engstelle passiere ich relativ dicht einen Felsen, auf dem sich einige Möwen und Schwäne versammelt haben. Gut, denke ich mir, das macht sich heute gut im Blog. Aber – keines dieser Mistviecher schaut in die Kamera, lieber steckt sich der Schwan in der Mitte den Kopf in den Ar… (Entschuldigung):
Zwischen Dalarö im Norden und Ornö im Süden befindet sich an einer Gruppe kleinster Inseln, eine heißt: „Faglarö Island“, diese Wasser-Burganlage. Ein Name ist im Web nicht zu finden. Daher ist es vermutlich keine öffentliche Burg. Schön gelegen und in gutem Zustand ist sie allemal. Koordinaten (ca.): 59°05,9‘ Nord / 018°22.8‘ Ost
Autofähren, wie diese, fahren oft nur als „Brückenersatz“ zwischen zwei Straßenanbindungen, für einige hundert Meter oder wenige Kilometer, hin und her.
Alles, was man braucht:
Ein Dach über dem Kopf, Holzfeuer und mit dem Kanu zum Fischen rausfahren. Die Holzstelen rechts sind übrigens keine elektrische Oberleitung, sondern vermutlich etwas zum Aufhängen und Trocknen. Bärenfelle oder so … :-). Das kann man auch auf den höher auflösenden Originalfotos nicht erkennen.
Oder, wer es gerne etwas luxuriöser hat …, ist gerade keiner Zuhause, denn die Nationale weht nicht:
Und wieder einer, der mir mit Rückenwind entgegen kommt. Der hier fährt im sogenannten „Schmetterling“, d. h. ein Segel an steuerbord, das andere an backbord.
In dieser Bucht haben schon einige Boote festgemacht. Wie in Schweden oft üblich, wird in diesem Fall erst der Heckanker so ca. 30-40 Meter vor dem Felsen ins Wasser geworfen. Vorher sollte man ihn an eine entsprechend lange Leine geknotet haben, sonst ergibt es keinen Sinn. Währenddessen fährt man mit seinem Boot weiter auf die Schäre zu und lässt die Ankerleine langsam und auf Spannung auslaufen. Wenige zig Zentimeter vor oder auch über dem Felsen muss das Boot dann aufgestoppt werden, während eine zweite Person vom Bug des Bootes auf die Schäre runter oder rüber springt, um den Festmacher direkt am Felsen zu fixieren. Sind keine fertigen Ösen oder Ringe in den Granit gebohrt, so sucht man sich schnell eine andere Lösung. Ein in Ufernähe wachsender Baum tut es auch. Ist nichts vorhanden, so nimmt man Hammer und Schärennagel. Kein Witz. Es gibt im Bootszubehör tatsächlich Metallstifte unterschiedlicher Form, die zum Einschlagen in die Risse des Granits gedacht sind und ein Boot sicher halten sollen. Es dürfen auch mehrere Schärennägel verwendet werden. Macht sich einhand nur relativ schlecht.
Im Vordergrund die moderne Version der legendären Schärenkreuzer? Wer kennt sich aus?
Ja und dann bin ich auch schon da.
Dreieinhalb Stunden und 18 Seemeilen später. Mein heutiger Ankerplatz. Der gefällt mir richtig gut. Die Windabdeckung passt für den angesagten Nordost. Ein Fall für das Kajak und einen Extra-Tag hier in Myrholmen.
Montag, 05. August, Myrholmen (Björnö)
Nachdem über Nacht fast Windstille herrschte, hatte am frühen Morgen der Wind von NNO (NordNordOst) auf SSW (SüdSüdWest), also um 180°, gedreht.
Weiß jeder, wo SüdSüdWest liegt?
Crashkurs Himmelsrichtung und Winkelgradeinteilung: Ich habe da mal eine sogenannte Kompassrose (auch: Windrose) mitgebracht. Genauer gesagt eine 16-Punkte-Kompassrose, da sie 16 Himmelsrichtungen kennt. Eine 4-Punkte-Rose z.B., zeigt nur Nord-Ost-Süd-West.
Alle Himmelsrichtungen die das Wort Ost beinhalten, werden grundsätzlich durch ein „E“ wie East ersetzt, damit eine Verwechselung von „O“ Ost und „0“ Null ausgeschlossen wird.
Die dazugehörige Einteilung in Winkelgrad beginnt und endet im Norden bei 000° bzw. 360°, was hier das Selbe ist. Die Gradzahlen steigen im Uhrzeigersinn an. East = 090°, Süd = 180°, West = 270°. Die Gradzahlen werden immer dreistellig geschrieben und jede Ziffer einzeln gesprochen. Westen liegt beispielsweise in „zwo-sieben-null Grad“.
Bei dieser 16-Punkte Kompassrose liegt demnach jede der angezeigten Himmelsrichtungen um 360° geteilt durch 16 Richtungen = 22,5° auseinander. Wenn wir einen Kurs von 112,5° fahren, dann geht es also in Richtung ESE (Ost-Süd-Ost). Ein Kurs von 315° führt genau Richtung NordWest.
Der Wind hatte also über Nacht von NNE auf SSW gedreht. Statt mit dem Bug in Richtung Wind zu liegen, blies er nun auf das Heck von Ari. So liegt das Boot unruhig und der kleinere Heckanker muss die Hauptlast tragen. Das ist beides nicht gut und daher startete ich mit einem Ankermanöver in den Tag. Das heißt beide Anker aus dem Wasser holen, das Boot um 180° drehen und dann die Anker wieder neu setzen. Da hierzu der Motor laufen muss, hatte ich als Abfallprodukt wenigstens gleich einigermaßen warmes Wasser und die Batterien etwas geladen. Der neue Tag konnte also losgehen.
Mein Liegeplatz:
Die beiden „Bälle“ im Wasser sind meine Ankerbojen unter denen der Anker liegt. So weiß ich, wo die Anker sind und die, die neu in die Bucht kommen und vielleicht ebenfalls ankern wollen, wissen es auch.
Gestern hatte ich ja beschrieben, wie man per Heckanker an einer Schäre festmacht. Heute habe ich zufällig diese vorbereiteten Ringe gefunden, an denen man dann die Bugleine belegen würde.
Hier bin ich nach meiner Kajaktour versehentlich auf den Auslöser gekommen.
Mein Archipel und Ankerplatz …
Einer der Wenigen, die tatsächlich bei allen Windrichtungen Schutz bieten.
Bleibt mir gewogen und weiterhin neugierig.





















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