Weges des wechselhaften Wetters, haben wir uns den Besuch im Schifffahrtsmuseum Mariehamn für heute aufgehoben. Das Schiffahrtsmuseum befindet sich direkt am Kai der Pommern. Die Eintrittskarte für Museum + Segelschiff kostet 14,- EUR und kann über den aufgedruckten QR-Code separat eingelöst werden. Das ist gut so.
Während des Museumsbesuches haben wir auf das Fotografieren verzichtet. Zu umfangreich sind die Themen rund um Schiff und Seefahrt, als dass wir sie irgendwie hätten dokumentieren können, ohne den Inhalt zu kastrieren. Hier ist mit viel Liebe ein lebendiges Museum entstanden, für das sich nicht nur Erwachsene begeistern können. Gerade für Kinder gibt es an vielen Stellen Museum zum Anfassen und selber ausprobieren und für die ganz kleinen einen Spielbereich im Untergeschoss. Ganz Skandinavien typisch eben.
Die einzelnen Themenbereiche des Museums sind neben den Audioguides auch über Lautsprecher untermalt, die passende Geräusche einspielen und den Exponaten eine gewisse Dramatik verleihen. Da ist man zeitweise nicht mehr Museumsbesucher, sondern ein Teil der Ära der großen Handelsschiffe. Die sogenannten Flying P-Liner der Hamburger Reederei F. Laeisz, einer Reihe von Windjammern deren Namen alle mit "P" begannen wie der Pommern, Passat. Peking, usw. Insgesamt 8 Schiffe an der Zahl. Man nennt sie auch "Die Acht Schwestern". Alle in den Jahren um 1900 vom Stapel gelaufen. Drei von ihnen existieren noch. Originalmobiliar respektive originalegetreue Dekoration, lassen des Kapitäns Räumlichkeiten, wie Salon, Arbeitsbereich mit Sekretär, Schlaf- und Badezimmer (mit Badewanne!), zum Leben erwachen. Desgleichen gilt für die Offiziersmesse und deren Ruhebereiche, aber auch die Unterbringungen für Gäste und die Mannschaft. Die Kombüse, wo Herd und gebackenes Brot so stehen, als hätte der Smutje gerade für Sekunden seinen Arbeitsbereich verlassen. Nur ein Beispiel für eine phänomenale Sammlung von Museumsstücken zu einem Themenbereich.
Als wir das Schifffahrtesmuseum verlassen, sind wir erschlagen vom Umfang. Den Rest des Tages verbringen wir auf der Ari und bereiten unter anderem unsere nächste Etappe vor.
Montag, 19. August
Gegen 10:45 Ortszeit verlassen wir den Ost-Hafen von Mariehamn. Es ist leicht bewölkt und trocken bei 20°C. Außerhalb des geschützten Hafens sollen wir heute Südwestwind mit 13 Knoten, in Böen 26 Knoten haben. Den größten Teil der heutigen Route von 29 Seemeilen können wir bei guten Bedingungen entpannt unter Großsegel hinter uns bringen.
Wir segeln zunächst vorbei an Rödhamn, wo wir zuletzt zwei schöne Tage verbracht hatten.
Da sich der Schiffsverkehr der Alands auf den Hauptverkehrsrouten bündelt, sehen wir wieder einige dicke Pötte, jedoch ausschließlich Personenfähren.
Auch zwischen den Schären der Alands wird Fischzucht betrieben ...
Hier kreuzt eine Kabelfährverbindung unseren Weg. Das bedeutet: Besondere Vorsicht! Warum? Wie die Bezeichnung schon sagt, fahren diese Fähren nicht frei mittels Dieselantrieb und Schiffsschraube, sondern entlang eines quer durch das Wasser verlegten Kabels. Dieses befindet sich in der Tiefe und stellt ansich kein Hindernis dar. Jedoch beim Anfahren, Beschleunigen oder Aufstoppen der Fähre, werden die auftretenden Kräfte auf das Kabel übertragen, wodurch es sich mit Wucht teilweise bis zu einem halben Meter über die Wasseroberfläche spannt, um eine Sekunde später wieder im Wasser zu versinken. Das Stahlkabel von der Dimension, wie sie bei Gondelbahnen in den Alpen eingesetzt werden, hat vermutlich das Potenzial, ein Boot wie unseres mit einem Schlag in zwei Teile zu zerlegen. Kein Problem wenn man es weiß. Man quert die Fährlinie daher nur, wenn das gelbe Blinklicht über dem Steuerstand der Fähre erloschen ist.
Was macht den Unterschied zwischen den schwedischen Schären und den Alands aus?
Zunächst stellt man fest, dass man sich in den schwedischen Schären mit Booten von bis zu 2 Meter Tiefgang gut außerhalb der Fahrwege bewegen kann, auch wenn es hierzu einer elektronischen Seekarte bedarf. Es finden sich zwischen den einzelnen Schären genügend tiefe Passagen, so dass man fast überall eine individuelle Route findet.
Im Archipel von Aland verfügen grundsätzlich nur die "Hauptwasserwege" sowie ein paar "Nebenwege" über ausreichend tiefes Wasser, um von der Schifffahrt genutzt zu werden. Eine Ausnahme sind hier bei sehr guter Revierkenntnis Motorboote mit einem Tiefgang deutlich unter einem Meter. Wir stellen fest, dass sich daher die wenigen Schiffe und Boote an den Fahrwegen begegnen und nicht in der Weite wie andernorts auf dem Wasser verteilen. Da wir uns seit Mitte August jedoch bereits in der regionalen Nachsaison befinden, hält sich die Anzahl der Begegnungen mit anderen Wasserfahrzeugen stark in Grenzen.
Geologisch gesehen, bestehen die Schären in Aland weitestgehend aus rotem Granit. Dieser wird auch als Beimischung für den Asphalt genutzt. Daher sind hier Straßen und Fahrradwege rötlich.
Die Häuser wirken schlichter in ihrer Bauweise, insbesondere im Vergleich zu den schwedischen Häusern in der Nähe von größeren Städten. Auch die für die Schweden typische rote Fassade mit weißen Fenstern ist hier nicht so verbreitet. Wir sehen mehr Holzhäuser in unterschiedlichen dezenteren Farben.
Es gibt den Euro und Bier ist etwa viermal so teuer wie in Deutschland, kann dafür aber auch "normalprozentig" im Supermarkt erworben werden. Die Zollbestimmungen sind, was den Alkohol betrifft, fast schon liberal. Hier existiert ein eindeutiges West-Ost-Gefälle (Norwegen-Schweden-Finnland) was die schärfe der Bestimmungen betrifft.
Ansonsten ist viel Schweden in den Alands. Das wundert nicht, da man auch liest, dass Aland, wenn nicht finnisch-autonom dann gerne schwedisch, wäre.
Katrin gelingt dieser Schnappschuss eines Steinadlers, der, von uns augenscheinlich unbeeindrukt, nicht allzu hoch über uns seine Kreise zieht.
An unserem augenblicklichen Aufenthaltsort Foderholmen liegen wir relativ zentral im Alandarchipel, der 5.700 Inseln umfassen soll. Wir haben eine schöne wind- und strömungsgeschützte Bucht gefunden und weils es uns gut gefällt und die Zeit nicht drängt, bleiben wir einen weiteren Tag hier.
Sonntag, 20. August
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| Morgens, 4:3o, in Aland |
Wieder ist es leicht bewölkt und trocken bei rund 20°C. Irgendwie eine Art Idealwetter, wenn es so etwas gibt. Aber auch heute blasen ab Nachmittag wieder Starkwindböen. Wenn ich sage, dass wir in einer windgeschützten Bucht liegen, meint dies hier, das der Bootsrumpf und damit auch wir, die sich an Deck befinden, wenig Wind abbekommen. Das Mastende ragt bei knapp 20 Metern Höhe jedoch bei den meisten Schären so weit in die Höhe, dass es von den einzelnen Böen immer wieder einen Schubs erhält, der natürlich nach unten weitergegeben wird. So sitzt man bei wenig Wind im Cockpit oder auch unter Deck, während das Boot hin und her rollt. Beim Schlafen jedoch himmlisch.
Gegen Mittag ist es noch einigermaßen windstill und Katrin testet unsere Drohne. Nachdem ich selbst bereits 2 Drohnen in diesem Jahr versenkt habe, überkommt mich bei jedem Start ein ungutes Gefühl. Daher bin ich dann lieber Kajakfahren gegangen.
Im Wasser fallen mir beim Paddeln Schwärme von Ohrenquallen (Aurelia aurita) auf, die überwiegend dicht unter der Wasseroberfläche unterwegs sind.
Das Wasser wirkt hier glasklar und aus dem Kajak heraus, kann ich geschätzt 1,5 Meter tief auf den Grund sehen. Kleine Muscheln sind dort, wo der Kies am Meeresboden nicht von Wasserpflanzen überdeckt ist. Hier und da springen kleine Fische. Vermutlich jagt gerade ein Barsch oder Hecht in der Nähe des Schilfs.
Am Himmel kann ich später erneut einen Steinadler beobachten. Später kommt, relativ laut schreiend, ein Jungtier hinzu. Beide kreisen über dem Wald der großen Schäre. Was hier ihre Beute sein könnte, frage ich mich. Wikipedia nennt hier "mittelgroße, bodenbewohnende Säuger", doch auf all meinen Schärenwanderungen habe ich noch nie ein Säugetier gesehen. Gut Rinder und Schafe, die dort zum Weiden zeitweise "abgesetzt" werden, schon. Jedoch keine, die dort beheimatet zu sein scheinen. Überhaupt scheinen die Schären ausschließlich von Vögeln und Insekten bewohnt zu sein. Details sind selbst im Internet nicht ohne Weiters zu finden.
Als ich wieder zu Ari zurück komme, werten Katrin und ich erst einmal unser Film- und Fotomaterial aus. Die Drohne hat also überlebt. Wir sortieren Fotos aus, schreiben Blog und machen uns Gedanken zum morgigen Törn. Es wird ein kurzer bei wenig Wind, soviel wissen wir schon. Dennoch kann das Ergebnis ja aufregend sein. Bleibt gespannt.













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