Samstag, 3. August 2019

01.08.2019_Oxelösund - Nynäshamn

Nach den eher gemächlichen Etappen der letzten Tage, sollte ich heute meinem Ziel Stockholm einen großen Schritt näher kommen. 

Es war ein taktischer Törn, was die Planung betraf, denn seit rund zwei Wochen hat sich eine stabile Wetterlage mit Wind aus Nord-Ost bis Ost aufgebaut. Ungünstig, wenn man segeln möchte und das Ziel im Nordosten liegt. Heute, so sagte der Seewetterbericht, sollte sich ein kleines Fenster auftun, welches ganz gut segelbaren Wind aus Nord brächte. Mit einem harten Amwindkurs (Wind von ungefähr 35° schräg vorn) würde ich das gerade so aussegeln können, vorausgesetzt, der Wind ist stark genug. Da unterschieden sich die einzelnen Wettermodelle deutlich in ihrer Vorhersage. Eines hatten alle gemeinsam. Ich musste Oxelösund gegen 4:00 Uhr – 5:00 Uhr verlassen haben. Das Windsystem würde dann hinter mir direkt in eine Leichtwindphase mit drehenden Winden übergehen. Nur in diesem Zeitfenster und immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort, könnte ich diesen Wind nutzen. Vorausgesetzt, die Wettervorhersage irrt nicht.

Um 2:30 Uhr, noch bevor mein Wecker klingelte, wachte ich auf. Und weil die Vorfreude groß war, prüfte ich noch einmal, ob sich an der Wettervorhersage etwas geändert hatte. Das war nicht der Fall. Zahnbürste in den Mund gesteckt, Frühstück und Verpflegung für Unterwegs vorbereitet und während ich das Logbuch für den heutigen Tag schon mal mit den grundlegenden Daten füllte, schob ich mir neben dem Kaffee noch ein Marmeladenbrötchen in den Mund. Wer mich kennt weiß, was das für mich um diese Uhrzeit bedeutet. Gegen 3:45 Uhr bereitete ich das Ablegemanöver vor. Für 3:58 Uhr notiere ich im Logbuch: „Motor an“. Wir haben wenig Wind im Hafen. Für das Ablegen ist das gut – gleichzeitig frage ich mich, ob der Wetterbericht doch wieder mal daneben liegt, denn eigentlich sollte es jetzt bereits merklich aufbriesen. Egal, jetzt bin ich unterwegs und fahre so oder so weiter.


Es ist bereits so hell, dass die Lichter im Frachthafen mehr wie die Kerzen an einem Weihnachtsbau alles einfach noch schöner machen, auch wenn man ohne sie gut sehen kann. Ein großes Frachtschiff treibt gerade geräuschlos auf den Kai zu, um dort anzulegen. Wie von Geisterhand, den nirgendwo kann ich einen Menschen sehen. Ich mache Schnappschüsse mit dem Fotoapparat und die GoPro läuft parallel. Wir haben gerade mal 14°C, aber ich empfinde alles als optimal. Die Temperatur, die Stimmung, die Vorfreude. Um 4:25 Uhr soll die Sonne aufgehen. Bis dahin möchte ich, um im Zeitrahmen zu bleiben, Oxelösund schon zwei, drei Meilen hinter mir gelassen haben.

Und dann sind sie da. Der Wind und der Sonnenaufgang. Ich setzte die Segel in ihrer vollen Fläche und mache bei drei Windstärken sechs Knoten Fahrt. Damit könnte ich für heute gut leben.



Wenige Minuten nacheinander kommen mir zwei große Frachtschiffe entgegen. Ansonsten bin ich mal wieder alleine. Alles ist perfekt. 


Weil wir eine fast durchgehende Wolkendecke haben, macht die aufgehende Sonne ihr Lichtspiel und ich genieße den Anblick. Es ist noch nicht mal 5:00 Uhr. Ab sechs Uhr wird der Wind deutlich auffrischen. 



Am Vormittag habe ich dann in den Böen fünf Beaufort, als Grundwind jedoch um die drei Beaufort. Das macht die Sache etwas ruppig, denn ich lasse die volle Segelfläche zunächst noch gesetzt, um nicht innerhalb dieses Windgebietes „nach hinten durchgereicht zu werden“ und am Schluss in der Flaute zu verhungern. Doch an diesem Tag soll alles gut werden. Der Wind nimmt sogar noch zu. Böen bis 22 Knoten, Windstärke sechs. Jetzt muss ich reffen und verkleinere die Segelfläche auf geschätzt 70%. Es baut sich im Laufe der Zeit eine See von gut einem Meter auf. Ari schneidet sich mit gemäßigter Krängung (Schräglage) durch die Wellen. Was für ein Spaß. Ab und zu kommt ein kleiner Teil der Welle, die vorne gegen den Bug klatscht, auch auf dem Luftweg hinten im Cockpit an. Das darf so sein und wird genossen.


Nach dreiviertel meines Weges muss ich von meinem Ost Kurs auf Nord abdrehen. Da dort der Wind herkommt heißt das, Motor an oder unter Segeln aufkreuzen. Ich entscheide mich für Letzteres. Dadurch verdoppelt sich in etwa die noch zu fahrende Strecke, aber eben auch der Spaß, weil ich nicht motoren muss. Und so schaffe ich es an diesem Tag 48 Seemeilen der insgesamt 56 Seemeilen segelnd im Kielwasser zu lassen. Als ich im Hafen ankomme ist es gerade mal Mittag. Was für ein Tag.

Die schwedische Version einer Seebrügge?
Nachdem ich Klarschiff gemacht und mein Liegegeld (hier 350,- SEK) beim Hafenmeister bezahlt habe, gönne ich mir erst mal ein Eis. Wir haben hier nämlich schon wieder 25°C im Schatten und Schatten ist hier im Hafen nicht. 

Natürlich ein „Daim“-Eis, wenn ich schon in Schweden bin.
Nynäshamn

Es folgt ein kurzer Stadtbummel, den ich hier als weniger lohnenswert empfinde. Am Abend gönne ich mir an einem Imbiss noch ein Hamburger Menü und weil alles selber zubereitet wird, sind der Hamburger mit 200 g Fleischeinlage und die Fritten richtig lecker und der perfekte Abschluss für diesen ebenso perfekten Tag. Das Ganze samt Cola für umgerechnet unter 12,- EUR. 



Pläne für morgen habe ich noch nicht. Wie auch. Es ist 23:00 Uhr durch und ich schreibe gerade diese Zeile für den Blog Blogs. Wahrscheinlich geht es morgen aber wieder Ankern. Ich werde mich selbst überraschen.

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