Mittwoch, 7. August 2019

06.-07.08.2019_Ankern in den Schären_Teil 6

Dienstag, 06. August, Myrholmen – Gällnö-Hemfladen

Vom Donner geweckt, verlasse ich mein Bett, um mir im Cockpit ein Blick von der Lage zu verschaffen. Es ist kurz nach 8:00 Uhr. Der Himmel sieht etwas bedrohlich aus, das Wasser ist spiegelglatt, dann fallen die ersten Regentropfen. Mehrere Graureiher erheben sich in die Lüfte. Gut, es sieht mehr nach Flucht aus. Liegt es an mir, weil ich nur im Slip bekleidet bin oder weil ich unerwartet auftauche? Egal.
Wenig später wärmt der Backofen den nur 16°C warmen Salon. Es duftet nach Kaffee und frischen Brötchen. Draußen prasselt der Regen. Ich frühstücke und sehe mir währenddessen den Seewetterbericht auf dem Tablett an. Anschließend plane ich die heutige Route und lege potenzielle Ankerplätze fest, die zur angesagten Windrichtung passen.


Der Regen hat inzwischen aufgehört und die Sonne ist an der einen oder anderen Stelle hinter den Wolken zu erahnen. Das Wasser ist wieder spiegelglatt, als wäre nichts gewesen.

So habe ich heute den Heckanker aus dem Wasser gezogen. 


Ton und Reste einer kelpartigen Wasserplanze. Das lasse ich jetzt während der Fahrt in der Sonne trocknen. So lässt es sich am Ende besser reinigen.

Als ich die geschützte Bucht verlasse fällt mir auf, wir haben 4 Knoten Ostwind. Vorhergesagt waren 9 Knoten Südwind. So wird das heute sicher kein Segeltag, aber der Tag ist ja noch nicht zu Ende.

Habt Ihr Euch auch schon gefragt: „Wie baut man eigentlich auf einer Schäre und wie kommen die Baustoffe, Baugeräte und -maschinen dort hin?“ Nun, zum Beispiel mit einem solchen Spezialschiff, das nicht nur LKW transportieren kann, sondern ihnen ermöglicht, über eine Rampe direkt vom Schiff auf die Schäre zu fahren.


So geht es natürlich auch

Und dann war es soweit. Ein wenig Wind – direkt von achtern – das geht nur im „Schmetterling“ (ein Segel auf Backbord – das andere auf Steuerbord). Das erfordert sehr konzentriertes Segeln von Hand, denn bei nur wenigen Grad Abweichung von der Ideallinie fällt eines der beiden Segel zusammen (unseemännisch ausgedrückt).



Schärenromantik ist, wenn Du im Winter in diesem Pavillon mit einem heißen Glögg sitzt, und in den Sonnenuntergang schaust.



Wer hier lebt, sollte von Beruf her Schriftsteller sein, sonst hast Du einen aufwändigen Weg zur Arbeit.



Das ist die modernere Häusergeneration, wie wir sie schön öfter in der Nähe schwedischer Städte gesehen haben. Vorteil, sie gehen von weitem farblich in der Natur unter und die großen Fensterflächen lassen viel Licht und Wärme hinein.




Durch Zufall in der Ferne entdeckt. Auf diesem im Wasser stehenden Betonfundament befindet sich eine vielleicht 30 – 40 cm hohe Skulptur einer knienden Rubensdame. Neben ihr hat sich eine Möwe niedergelassen:


Ein stolzer Graureiher
Beeindruckend und bedrohend zugleich.

Mein heutiger Ankerplatz. Das Panoramabild verzerrt die Perspektive. In natura bin ich durch die Ufer fast eingeschlossen, wie auf einen Binnensee.


Wir befinden uns jetzt bereits im Stockholmer Schärengarten. Bevor ich Freitagmittag im Stockholmer Vasahamn einlaufe, habe ich nur noch einen Zwischenstopp am Donnerstag geplant. Einen Tag bleibe ich also noch hier.




Mittwoch, 07. August,  Gällnö-Hemfladen

Der Tag startet mit Sonnenschein bei leichter Bewölkung und angenehmen 23°C den gesamten Tag über. 

Um das Boot herum schwirren rund ein Dutzend blaue Libellen kurz über der Wasserfläche hin und her. Da sie sehr schnell fliegen, kann ich sie mit dem Fotoapparat nicht einzeln fokussieren. So entsteht nachfolgendes Bild, auf dem man überwiegend das Seegras erkennt. Es ist die Sorte Libellen, die ich bereits im Figeholm-Post verewigt hatte. Das hiesige Seegras wiederum, gehört zu einer robusteren Sorte. Für mich bedeutet es, dass es sich nicht, wie vor drei Wochen geschehen, um den Anker schmiegt und damit kaum ablösbar ist. Im Gegenteil kann man diese Sorte durch mehrmaligen Heben und Senken von Anker und Ankerkette weitestgehend lösen. Es sollte morgen also weder Überraschungen noch Probleme damit geben.



Meine heutige Kajaktour führt mich zwischen den einzelnen Inseln dieses Archipels hindurch.



Stellenweise wächst das Schilf in den Flachwasserbereichen so weit abseits des Ufers, dass es die Durchfahrten zwischen den Inseln schließt. Es entstehen neue Biotope. Das habe ich auch schon an anderen Ankerplätzen feststellen können (auch im Vergleich mit der Seekarte).


Heute bin ich beim Paddeln auf eine Familie von Wildgänsen gestoßen, die auf einem flachen Felsen einer bewaldeten Schäre, nahe des Ufers ihre Mittagsruhe machte. Ein Tier beobachtet, während die anderen augenscheinlich schlafen. Um sie nicht zu stören, habe ich den Fotoapparat nicht bemüht, sondern bin in einem kleinen Kreis um die Tiere herumgepaddelt ohne offensichtlich hinzugucken. Man hat mich registriert, ein zweites Tier hat den Hals gereckt, mich als ungefährlich eingestuft, also keine Flucht, weiterschlafen.
Warum ich das so ausführlich beschreibe? Es ist mein Eindruck, dass im Rahmen des Umweltschutzes Tiere gerne so dargestellt werden, als wäre eine Koexistenz mit dem Menschen nicht möglich. Daher bräuchten einige Tierarten sogar völlig isolierte Lebensräume, um nicht auszusterben. Ich halte das nur für bedingt richtig. Meiner Erfahrung nach geht es hier nicht um die Frage nach dem OB (… das so sein muss), sondern vielmehr WIE wir mit Wildtieren umgehen. Ein wenig Abstand, Respekt und Einfühlungsvermögen genügen in den meisten Fällen und die Begegnung ist für beide Seiten (Tier und Mensch) von „Interesse“. Tiere wissen ohnehin das wir da sind, bevor wir sie überhaupt bemerken. Das gilt für den scheuen Graureiher (siehe Blog vom 26. Juli, Saltö), für einen Steinbock, Gams oder Murmeltier in den Alpen, oder auch für diverse Haie, sobald du im Meer baden gehst. Sie wissen, dass du da bist! Du wirst registriert, ggf. beobachtet und manchmal hast du das Glück, dass man sich gegenseitig mit Neugier beobachtet. Das ist dann der Augenblick in dem Du Dein Handy zückst und schnell ein Foto, oder besser noch ein Selfie mit Tier schießt. Eine aufregende Begegnung für Mensch und Tier – oder nicht? Ich habe freilebende Seerobben in Dänemark gesehen, die sich sichtlich in der Situation geaalt haben, von diversen Menschen am Strand fotografiert zu werden. Respektsabstand vorausgesetzt und anfassen verboten – das versteht sich von selbst.
Die wahren Verbrechen an der Tierwelt gehen ohnehin nicht vom „Privatmann Mensch“ aus, sondern sind rein wirtschaftlich geprägt. 
Ich schweife ab.

Mal ein anderer Blick auf den Ankerplatz. Und ja, das ist Meerwasser – kein Binnensee!

Etwa 200 m von meinem Ankerplatz entfernt liegt diese kleine Restauration, die offensichtlich ganztägig gut besucht ist. Wer nicht ohnehin mit dem Motorboot unterwegs ist, lässt, wie einige der ankernden Segelyachten, sein Dinghi zu Wasser und rudert oder motort dort hin. Ein wahres Idyll.


Morgen geht’s es zur letzten Ankerbucht bevor ich am Freitag in Stockholm einlaufe. Ab nächster Woche berichten Katrin und ich dann wieder gemeinsam und zwar aus den Ålands, die zwischen Stockholm und Finnland liegen und dem großen Archipel vor Turku (finn. Festland).


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