Das haben wir getan ... und anderen Bootes zugesehen, die den Hafen verließen. Eins war klar: das Rausfahren durch die Wellen vor dem Hafen wird gar nicht so schlimm. Aber das Ablegen bei immer noch beständigen 6 Bft im Hafen beschäftigte uns etwas länger. Als wir einen Plan hatten, zogen wir uns an, machten das Boot klar und machten uns kurz nach halb elf Uhr ans Ablegen. Keine Chance - der Wind kam vom schräg vorn und drückte uns wieder an den Steg, kaum dass wir mit der Nase 2 m weg waren.
Plan B muss her. Als wir uns noch berieten, kam eine lustige Fünfertruppe deutscher Segler, auf dem Weg zu ihrem Boot, vorbei und fragte, ob sie uns bei diesem Wind nicht beim Ablegen zur Hand gehen sollten. Auf unsere Bitte hin schoben sie den Bug von Ari in den Wind, ich löste die letzte Leine, Harry gab Gas und mit viel Gejohle und einem "na, dann mal viel Spaß da draußen" von unseren Helfern ging es Richtung Hafenausfahrt.
Die Wellen hinter der Außenmole hatten geschätzt einen Meter Höhe und erheblich etwas gegen unser Vorankommen. Aber unser dicker Diesel schob Ari beherzt durchs Wasser. Nach diversen Salzwasserduschen über Ari und uns hatten wir den Flachwasserteil, der die Insel umgibt, hinter uns, konnten etwas vom Wind abfallen und das Vorsegel setzen. Nur mit Vorsegel und Hilfe von satten 6-7 Bft Wind und einer saftigen Welle mit gut 1,5 m Höhe kamen wir schnell auf 7,5 - 8 ktn Bootsgeschwindigkeit. Wenn wir die von schräg hinten auflaufende Welle gut trafen, surften wir auf ihr hinab und erreichten damit Spitzen bis 10 und 11 ktn. Was will der Mensch mehr?!! Es brauchte nicht viel Kraft, um den Kurs zu halten Vielmehr war ein sehr konzentriertes Steuern gefragt, damit Ari nicht vor den Welle querschlägt.
Wir lösten uns im einstündigen Takt ab. Länger war zwar auch machbar, aber es reichte, um unter Deck zufrieden in einen Kurz-Schlummer zu driften. Danach freute man sich schon wieder auf seine Ruderwache; es machte heute einfach zu viel Spaß.
Die von hinten auflaufende Welle nahm mitten auf dem Kattegat eine beachtliche Höhe an. In manchen Fällen war es ganz gut, dass man - am Ruder stehend - nicht sah, was da angerauscht kam.
Es reichte, wenn man spürte, wie das Heck des Bootes von der Welle angehoben wurde und die Welle unter uns durchrauschte. Ein bisschen wie das Schaukelschiff im Vergnügungspark - nur nasser.
Die Freiwache hat neben dem Schlummern viel Zeit damit verbracht, Fotos und Filme zu machen.
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| Dieser Surfer heizte am Eingang des Sundes an uns vorbei. |
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| Schloß Kronsburg von der Wasserseite |
Nach nicht ganz 9 Stunden (genauer 8 Stunden 50 Minuten) kamen wir in Helsingør an. Wir hatten 62,5 Seemeilen im Kielwasser. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit unter Genua (also nur mit Vorsegel) betrug über 8,3 ktn. Wir waren insgesamt 7 Stunden rein segelnd unterwegs. Das ist doch mal eine Entschädigung für die doofen Fahrten unter Motor.
Erst waren wir enttäuscht, dass der Yachthafen im Norden der Stadt rappelvoll war. Keine Chance zum Anlegen. Aber auf dem Hinweg, der uns bereits hier vorbeiführte war an der Kaimauer zu lesen, das man jetzt auch im Stadthafen direkt am Schloß festmachen darf. Also eine knappe Meile weiter und ... uns erwarteten völlig leere, nagelneue Bootsstege. Das muss unser Glückstag sein.
Das Anlegen klappte bei immer noch 5-6 Bft , diesmal direkt von der Seite, gut.
Jetzt liegen wir mit direktem Blick auf das Schloß zusammen mit einem weiteren Segler und einem Traditionsschiff, lassen uns von den Windböen schaukeln und versuchen gar nicht erst, dieses dümmliche Grinsen abzulegen. Was für ein Wahnsinns-Segeltag!






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