Montag, 12. Juni 2017

11.+12.06.2017 Aus dem Paradies geworfen / Leirvik + Haugesund (NO)

Mit dem Aufwachen war eins sofort klar - hier stimmt was nicht. Entweder hat uns jemand einen Baustellen-Scheinwerfer auf den Steg gestellt oder ... tatsächlich - die Sonne scheint.
Strahlend blauer Himmel, kaum ein Wölkchen zu sehen, angenehme Temperaturen. Wie schön, dass wir heute abfahren .... Petrus ist ein Arschloch!

Ich war schon traurig, als wir ablegten. Wir hatten erst überlegt, hier einen Tag zu verlängern, um diesen einen Sonnentag hier genießen zu können. Aber leider manifestiert sich Dienstag, eventuell mit dem Mittwoch, ein sehr schönes Wetterfenster, um mit frischem Nordwestwind die West- bis Südwestküste Norwegens herunter zu rutschen. Wir können es uns leider nicht leisten, nach dem nächsten Winddreher hier oben festzuhängen. Die norwegische Westküste hat diverse Stellen, an denen es bei zu kräftigen westlichen Winden schnell sehr unangenehm werden kann.


Wir mussten also los.... mit ziemlich langen Gesichtern fuhren wir den Maurangerfjord hinunter.
Noch einen Blick auf den großen Wasserfall am Eingang des Fjords ...




... und schon sahen wir, was uns in unserem Zielgebiet erwartet. Na, was wohl?! Klar! Regen!


Das Wetter gönnte uns noch ein paar Minuten im T-Shirt im Cockpit, bis es uns erst eine fette sechs (6 Bft) direkt auf die Nase schickte und hinterher noch kalten Regen.


Der Regen zog vom Festland über den Fjord. Während wir noch ein wenig trocken bleiben dürfen, wird der Nebenarm bereits abgeduscht:



Zwischendurch versuchten wir es mit Segeln. Aber die Böen mit bis zu 7 Bft zwangen uns zum Reffen der Segel. Dies verursacht einen ziemlich stumpfen Wendewinkel - die Bavaria ist nicht gerade ein Regattaboot. Mir selbst bekam die Schräglage auch nicht; meine Schmerzen meldeten sich deutlich, wodurch mir jeder Elan genommen wurde, das Boot etwas besser zu trimmen.
Daimt nichts schlimmer wird, ging ich bei den Segelmanövern (Segel raus, Wende, Wende .... Segel rein) ans Steuer und Harry mühte sich mit dem Tuch ab. Danach wechselten wir wieder und ich versuchte irgendwo eine schmerzfreie Lage für meinen Körper zu finden.
Nach einer Stunde Segeln, gefühlt auf gleicher Höhe, nur ein paar Mal das Ufer gewechselt zu haben, holten wir die Segel ein und fuhren, nah unter Land - zu Abdeckung für Wind und Welle, unter Motor weiter.

Nach sechseinhalb Stunden kamen wir in Leirvik an. Da es Harry noch nicht spannend genug war, nahm er die schmale Einfahrt zwischen den Vorschären. Und natürlich kam uns direkt an der schmalsten Stelle jemand entgegen - wenn auch ein sehr kleiner:



Danach hieß es schon: klar bei Fender, Leinen und Bootshaken! Wir legten im wunderbar leeren Hafen in totaler Windstille sehr entspannt an.


Während Harry sich etwas von der Fahrt erholte, stiefelte ich mit einem Großteil unserer Wäsche zum Servicegebäude. Hier in Leirvik ist die Nutzung von Waschmaschine und Trockner kostenlos - das sollte man nach drei Wochen Urlaub ausnutzen.
Am Abend suchte ich mir eine Apotheke im Ort, die möglichst früh öffnet - mein Vorrat an Schmerztabetten neigt sich dem Ende entgegen. Wie schön - in fünf Minuten Entfernung was gefunden. Schön, auch mal Glück zu haben.

Montag, 12.06.2017
Über den heutigen Tag gibt es nicht viel zu berichten. Bei Regen standen wir auf. Während ich zur Apotheke ging, kümmerte sich Harry ums Frühstück. Danach Boot und uns klarmachen und ab. Zum Glück im Trocknen, der Regen war für heute durch. Die Fahrt war von vornherein wieder eine Motorfahrt. Der Wind war mit zwei Beaufort zu schwach zum Segeln und kam uns wieder direkt auf die Nase. Somit blieben wir unter Motor, ich in Schonhaltung unter Deck und alle Richtung Süd.
Neben dem Hafengelände baute man wieder fleißig an einer neuen Bohrinsel:


Das vierte gelbe "Standbein" liegt noch im Hafen Leirvik, man sieht es auf den Fotos im gestrigen Post.

Wenig Wind und Welle sind sehr günstig für die großen Dinge hier auf dem Wasser.
Noch in der Anfahrt zur Sletta (freies Seegebiet ohne  Vorschären zwischen Leirvik und Haugesund) kam uns ein alter Bekannte aus Stavanger entgegen. Der riesige Schwimmkran "Saipem 7000":


Ihm entgegen kommt ein Schleppverband. Hier schleppt der Kleine den Großen; an einer bestimmt 200 m langen Schlepptrosse.

Nach gut vier Stunden hatten wir und der Motor die 27 Seemeilen geschafft. Noch ein bisschen schären gucken ...


... und schon liegen wir wieder im Stadthafen von Haugesund.
Gerade, als ich hier am Schreiben bin, höre ich draußen sehr lautes Getöse. Man musste zweimal durchs Fenster schauen - so etwas sieht man nicht oft. Also schnell den Fotoapparat geschnappt und zum Niedergang geflitzt. Wirklich beeindruckend:


Heute Abend geht es früh ins Bett. Wir hoffen auf das Zutreffen der Wettervorhersage und machen uns morgen auf einen möglichst langen Schlag die Westküste hinunter. Ob wir abends bzw. nachts anlegen oder bis in den Mittwoch durchfahren, das wissen wir noch nicht. Das wird je nach Wind- und Wetterlage unterwegs endgültig entschieden. Fest steht: vier Uhr aufstehen, fünf Uhr ablegen.
Na dann - gute Nacht!

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