Aber: es war kalt. Das Thermometer zeigte um sieben Uhr ganze 6 °C. Also schnell den Heizlüfter angeworfen, damit uns die Frühstückseier nicht einfrieren.
Als wir, um Ari startklar zu machten, die Leitung zum Landstrom abnahmen und bereits ein paar Festmachermacherleinen einholten, sprach uns unsere norwegische Nachbarin auf bestem Deutsch an. Ob wir jetzt rausfahren wollten? Als wir da bejaten, zog sie ein sorgenvolles Gesicht und berichtete, dass der norwegische Wetterbericht für den Küstenabschnitt vor Egersund 5 bis 6 Bft angesagt hat und sie uns abraten würde, aufs Meer rauszufahren. Ich warf gleich einen prüfenden Blick auf "meine" Wetterdienste (Gribdaten und die App "windyty") und fand nur den uns schon bekannten schmalen Streifen mit fünf Bft direkt vor der Küste; weiter draußen nur noch 4 Bft. Unsere Nachbarin antwortete mit einem Lächeln "vielleicht sehen wir uns ja gleich wieder" und wir legten ab.
Ich machte mir schon so meine Gedanken. Einige Küstenabschnitte - wie hier vor Egersund - reagieren empfindlich mit gefährlichen Wellen auf Windrichtung und -stärke. Abwarten, ansehen und richtig reagieren - so unser Plan für böses Wetter.
Bevor es richtig losgehen konnte, mussten wir erstmal tanken. Die viele Fahrerei unter Motor hatte unseren Dieseltank gut zur Hälfte leergesaugt. Keine 500 m vom Hafen, kurz vor der Einfahrt in den Egersund, fanden wir schon die erste Möglichkeit.
Die anschließende Fahrt durch den Egersund war sehr schön. So viele schöne Ecken, die regelrecht danach riefen, zu bleiben und zu ankern.
![]() |
| mein neues Traumhaus ... |
![]() |
| reicht es? |
![]() |
| ... passt :-) |
Ausgerechnet beim letzten, sehr eng stehenden, Tonnenpaar vor dem freien Wasser hatte sich ein Schiff positioniert. Genau zwischen den Tonnen hatte es sich mit vier Stahlseilen im Grund verankert und ein kleines Boot samt Mensch seilte sich ab. Was auch immer sie dort taten - es blieb ungünstig.
Mit Geschick umfuhr Harry Boot und Stahlseile (welche schräg ins Wasser abtauchten), ohne uns dadurch im flacheren Wasser in Schwierigkeiten zu bringen.
Der Wind war tatsächlich kräftig, aber es waren nicht mehr als ganz knappe 5 Bft. Ungefährlich, "meine" Wetterdienste hatten Recht behalten - zum Glück.
Weil wir kreuzen mussten, ging es erst einmal wieder weg vom Festland, statt parallel dazu.
Wind (mit später guten 4 Bft) und Welle (gut 1m) waren perfekt; wir hatten bestes Segelwetter und dadurch glänzende Laune:
Später nahmen Wind und Welle ab und schon auf der ersten Kreuz zurück zum Festland drehte der Wind gnädigerweise so, dass wir tatsächlich auf einem Kurs entlang der Küste bleiben konnten.
Wir waren zwar nur noch mit 4-5 Knoten Geschwindigkeit unterwegs, aber diese kleine Segelwelt war geradezu perfekt: Sonne, nur ein wenig Dünung, lauer Wind ... Urlaub halt.
Zwischendrin flogen, nach einem Dringlichkeitsruf an alle Schiffe über Funk und einer folgenden Meldung auf norwegisch, welche wir leider nicht verstanden, immer wieder Hubschrauber vom offenen Wasser Richtung Festland. Sie sahen nicht unbedingt suchend aus, aber beruhigend fanden wir das nicht. Oft ist in solchen Situationen jemand über Bord gegangen.
Wir schauten vorsichtshalber etwas aufmerksamer aufs Wasser.
Gegend Abend zog der Himmel zu, es wurde merklich kälter und der Wunsch, endlich anzukommen, immer größer.
Nach 10 Stunden erreichten wir unseren Zielhafen Tananger, auf der westlichen Rückseite von Stavanger:
Nach dem Anlegen an den Schwimmstegen gönnten wir uns auf diesen schönen Segeltag einen Sherry. Danach gingen wir im nahen Hotel die Liegegebühr bezahlen. Die ganze Summe auf einmal; 100 norw. Kronen (sind rund 10 €). An solche Preise könnten wir uns gewöhnen; normal ist das doppelte.
Hungrig freuten wir uns auf (vorgekochtes) Curry mit Reis. Nach einem Bierchen beim Bildergucken zog es uns in die Koje - zuviel Sonne und frische Luft machen einfach müde.
Morgen zuckeln wir die restlichen 15 Seemeilen nach Stavanger und werden das Wochenende wohl dort verbringen. Der Preikestolen ruft.















Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen