Samstag, 17. Juni 2017

16./17.06.2017 Die Ostsee hat uns wieder / Ålbæk (DK)

Wir wussten, dass mit gut 90 Seemeilen eine ordentliche Tagesstrecke vor uns lag. Immerhin schafft unser schwimmendes Wohnmobil im Schnitt 6-7 Knoten an Geschwindigkeit. Wir rechneten mit (6 ktn * 94 sm=) rund 15 Stunden Reisezeit.

Als wir pünktlich wie die Maurer kurz nach fünf Uhr den Hafen verließen, schwante uns schon so einiges.



Es war für die angesagte Windgeschwindigkeit ein wenig zu ruhig. In den Vorschären wurde es schon deutlicher und draußen auf dem offenen Meer dann klar - der Wind ist zu schwach.



Die Welle entsprach mit hier schon einem Meter zwar den Vorhersagen, aber der Wind mit mauen 3 Bft überhaupt nicht. Vor allem segelt sich das bescheiden bis gar nicht. Die hohe Welle, oder besser gesagt alte Dünung, von schräg hinten schaukelte das Boot mit so wenig Druck in den Segeln über alle Achsen. Also Segel wieder runter und weiter unter Motorkraft. Wir hatten noch die Hoffnung, dass sich der Wind weiter draußen auf dem Meer schon finden wird. Immerhin war ab Nachmittag ein Starkwindgebiet für das westliche Skagerrak bis Höhe Kristiansand angesagt. Dessen Ausläufer sollten uns gut bis Skagen wehen. Sollten ...
Letzten Endes lief den gesamten Weg der Motor, teilweise mit Unterstützung der Genua und Wellen aus zwei Richtungen mit bis zu 2 m Höhe. Schön ist irgendwie anders, aber mitten auf dem Skagerrak kannste schlecht sagen " ick will nich mehr".

Katamaranfähren sind so unglaublich schnell... diese hier war nett und fuhr einen Bogen um uns.

Am nördlichen Horn von Dänemark, dem Zusammenfluss von Nord- und Ostsee verabschieden wir uns mit einer kleinen Dose Fertig-Cocktail von der Nordsee und begrüßen unsere Ostsee.

Die Skyline von Skagens Ostsee-Seite aus
In Skagen angekommen bestätigte sich unsere, ein paar Meilen vor dem Hafen geäußerte, Befürchtung. Es war Freitag und somit der Hafen voll von schwedischen und dänischen Booten in Partylaune. Es waren lediglich noch einzelne Plätze an Stegen frei, wo man mit Leinen am Steg und das anderen Ende des Bootes mit Anker festmacht. Auf dieses Spielchen hatten wir mit 4 Bft starkem und schräg in den Hafen einfallendem Wind überhaupt keine Lust.

Wir drehten ab, sammelten Fender und Leinen wieder ein und verließen den vollen und lauten Hafen; trotz alle Müdigkeit nach mittlerweile 15 Stunden Fahrt. Ich eilte unter Deck und suchte in den Karten nach dem nächsten, geeigneten Hafen an der dänischen Küste. Die Wahl fiel auf Ålbæk (Olbäk augesprochen). Ein eher kleinerer Hafen für Fischerei- und Sportboote, nur 9 sm entfernt und unsere nächste Hoffnung, Er sollte doch als Nothafen für eine Nacht reichen ...
Weit gefehlt - dieser kleine  Hafen ist ein Geheimtipp - also jedenfalls für uns.
Klein - ja, aber knuffig, liebevoll erhalten und gepflegt. Die WC- und Duschräume sind sehr einfach, der eigentliche Ort 1,5 km entfernt - aber die Stege in bestem Zustand, Strom und Wasser im Preis enthalten, einige schon historische Boote (sehr gut erhalten) in den Boxen und ..... sehr ruhig.





2 Minuten vor 21 Uhr legten wir hier an und waren einfach nur selig.
Nach der langen Schaukelei auf der Nordsee waren wir müde und ein wenig abgekämpft.
Wir "trösteten" uns mit einer großen Portion Miracoli und einer Flasche Rotwein. Das letzte Glas trinken wir im Cockpit. Es ist da bereits 23 Uhr und immer noch schön hell.

Samstag, 17.06.
Ausschlafen, lange Frühstücken, der zweite Kaffee wird im Cockpit geschlürft.
Während ich mich anschließend um den Abwasch des Geschirrs kümmere, befreit Harry das Boot von seiner Salzkruste. Da hilft nur viel Wasser und viel schrubben.



Fertig!
Ålbæk hat links und rechts vom Hafen wunderbaren Sandstrand. Wir packen uns ein paar Sachen ein und marschieren mit dem Fotoapparat in der Hand los.








Leider sind wir nicht sehr weit gekommen. Durch den gestrigen anstrengenden Tag tut meine Verletzung wieder arg weh; das Laufen fällt mir immer schwerer. Wir bummeln zurück, sammeln noch ein paar mehr Muscheln und gammeln im Boot so richtig vor uns hin.




Morgen werden wir uns weiter auf den Rückweg machen - hoffentlich segelnd. Die Vorhersagen versprechen Wind in 4-5 Bft, aber unsere Erfahrung der letzte Wochen lässt uns skeptisch bleiben. Schön wäre es schon, noch ein paar Meilen unter Segeln voranzukommen.




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