Freitag, 26. Mai 2023

26. Mai 2023, Västervik - Katsholm

Freitag, 26. Mai


Heute soll es endlich richtig losgehen. Wir wollen für die nächsten Tage ankern und uns dabei Stück für Stück nach Norden bewegen. Frische Vorräte für etwa zwei Wochen haben wir an Bord. Jetzt müssen nur noch die beiden Wassertanks mit insgesamt 360 Liter Volumen mit Frischwasser gefüllt werden.


Wir haben es nicht eilig, denn die heutige Ankerbucht liegt keine 5 sm (9 km) entfernt. Wir starten gegen Mittag und gönnen uns vorher noch eine ausgiebige Dusche in den wirklich schönen Sanitäranlagen der Marina.


Auf dem Weg ...

Wir haben heute etwas Spezielles vor. Wir möchten nicht, wie zuletzt, einfach den Anker in der Bucht werfen, sondern direkt an den Schärenfelsen festmachen, so dass wir jederzeit vom Boot direkt an Land können.

Anhand der Seekarte hat uns Katrin bereits mögliche Plätze innerhalb einer recht gut geschützten Bucht herausgesucht. Für unser Vorhaben benötigen wir Felsen, die zum Wasser hin, insbesondere unter Wasser, steil abfallen, damit wir mit unseren 185 cm Tiefgang dicht genug heranfahren können.

Zunächst macht man dann vor Ort eine "Testanfahrt" um festzustellen, ob die Gegebenheiten in der Realität auch so ausfallen, wie wir uns das anhand der Seekarte vorgestellt hatten. Wir stoppen das Boot etwa einen Meter vor dem Fels auf und schauen abwechseln am Bug prüfend ins Wasser, während der andere am Steuer steht und darauf achtet, das dass Boot nicht unbemerkt zu sehr vertreibt.

Die Wassertiefe sieht gut aus, denn selbst kurz vor dem Felsen kann man den Grund trotz des klaren Wassers nicht erkennen. Nur der Fels selbst fällt etwa im 45° Winkel ab und verschwindet dann irgendwo unter der Wasseroberfläche in der Tiefe, die hier so bei gut fünf Metern liegt.

Nun muss das Ufer allerdings so beschaffen sein, dass man sicher von Bord überspringen kann. Das passt.

Zuletzt ist es noch schön, wenn man zum Festmachen des Bootes keine Schärennägel in die Felsspalten hämmern muss, sondern im Idealfall Bäume und Büsche findet, die den Festmachern (Leinen zum Befestigen des Bootes) genügend Halt geben. Das ist hier der Fall.

Wir sind uns einig - hier legen wir an!

Schnell ist das Boot rückwärts in die Mitte der Bucht gefahren. Hier lassen wir es treiben, während noch einmal die gesamte benötigte Ausrüstung kontrolliert wird. Alles muss bereit liegen und keine Leine darf vertörnt sein.

Zu guter Letzt muss auch der Heckanker prepariert sein, denn normaler Weise haben die Segelyachten am Heck keinen Anker. Wir nutzen für dieses Manöver unseren mit 16 kg etwas leichteren Zweitanker, der ansonsten in der Backskiste liegt (so eine Art Kofferraum bei Booten).

An diesen Anker haben wir 5 m Kette (-nvorlauf) und 20 m Festmacherseil angeschäkelt. Los geht´s. 

Wir fahren frontal mit kleinster Fahrt auf den Felsen zu und Katrin wirft auf mein Zeichen etwa 30 m vor dem Felsen den Anker vom Heck ins Wasser, dass dort gut 6 m tief ist. Die Ankerleine löst sich Schlaufe für Schlaufe. Das Ende, das vorher noch um eine der Winschen gewickelt ist, halte ich in der Linken, während ich mit der Rechten Steuerrad und Gashebel bediene.

Katrin rennt währenddessen zum Bug, greift sich eine der beiden Festmacherleinen, mach sich zu Sprung bereit, und ruft mir die Distanz bis zum Fels zu. Auf Ihr: "STOPP", schalte ich in den Rückwärtsgang bis das Boot aufstoppt. Katrin ist derweil bereits rüber gesprungen und steht sicher auf der Felsschräge mit der Leine in der Hand.

Ich belege am Heck die Ankerleine und ziehe sie soweit fest, dass der Bug gerade so den Fels nicht berührt, während Katrin immer wieder die entsprechenden Komandos gibt, damit ich weiß, was vorne los ist.

Alles läuft wie im Bilderbuch.


Auf dem Bild oben stimmen wir uns gerade ab, welche der beiden Festmacher wohl wo am besten zu platziert wären. Das Boot liegt jetzt an der Schäre vor Anker. So dicht, dass Katrin ohne Schwierigkeiten wieder an Bord steigen kann.

Doch nach kurzer Zeit wird klar, dass die heutigen Windböen das Boot bereits recht unruhig vor dem Felsen schwoien lassen und es zeitweise diesem bedenklich nahe kommt. Heute haben wir Böen mit 4 Beaufort. Morgen Mittag bis morgen Nacht sollen es 6 Beaufort in Böen werden und die Windabdeckung hier am Ankerplatz ist trotz der mehrere Meter hohen Felsen und der Bewaldung schlechter als zunächst angenommen.

Wir entscheiden uns, wieder alle Leinen zu lösen, den Anker aufzuholen und zurück nach Västervik zu fahren, wo wir morgen Nacht im geschützten Hafen abwettern wollen.



Das ist der Track der heutigen Hinfahrt in verschiedenen Zoomstufen am Ziel.
 

Unser Boot ist hier nicht Maßstabsgerecht ...


Jetzt liegen wir wieder in Västervik und lassen uns für morgen etwas passendes einfallen. Für heute verabschieden wir uns mit diesem Sonnenuntergang ...


Bleibt uns gewogen.

Harry & Katrin









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