Mittwoch, 10. Mai
Ari ist wieder unterwegs. Dieses Jahr geht es in die östliche Ostsee. Ich starte zusammen mit Gerd. Gestern haben wir zusammen Vorräte gebunkert. Heute Vormittag brechen wir zu unserem ersten Schlag auf. Es soll bis TJÄRÖ, einer kleinen Insel im Norden der Hanö-Bucht gehen. Rund 24 Stunden werden wir auf dieser ersten Etappe unterwegs sein.
| Kurz vor dem Start in Neuhof |
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| Das Wetter ist uns gewogen und wir sind bestens gelaunt. |
| Die Rapsfelder im Strelasund, südlich Rügen, sind in voller Blüte. |
Die ersten 10 Seemeilen durch den Strelasund müssen wir motoren, denn der Wind mit 16 kn, 4 Bft., kommt genau von dort wo wir hin wollen. Aufkreuzen unter Segeln ist für uns aufgrund der für heute geplanten Gesamtdistanz von rund 150 sm, knapp 280 km, keine Option.
Zwei Stunden später können wir im Greifswalder Bodden die Segel setzen. Hart am Wind kämpfen wir um jedes Grad Höhe bei 16 - 26 Knoten (4 - 6 Bft.) Wind aus südost. Dazu kommt uns noch eine recht kabbelige Welle entgegen, die uns zusätzlich bremst. Die Abdrift ist groß und so können wir den Kurs Richtung Landtief, auf die freie Ostsee, kaum halten. Wir steuern per Hand und ohne Autopiloten um bloß keinen Meter zu verschenken.
Dann schließt auch noch dieser Schüttgut-Frachter von hinten auf und wir drohen in sein Fahrwasser vertrieben zu werden. Unangenehm dicht passiert er uns in kleiner Fahrt an Backbord.
Wenig später kommt uns durch die eigene Abdrift eine der Fahrwassertonnen dann auf den letzten Metern viel zu nahe, so dass wir tatsächlich noch den Diesel starten müssen, um auszuweichen.
Gegen 14 Uhr haben wir endlich Thiessow und das Landtief passiert und befinden uns in der freien Ostsee, südöstlich Rügen auf dem Weg nach Bornholm. Die See beträgt geschätzt ledig 0,8 Meter, trotz der 4 - 6 Windstärken. Die Welle ist hier deutlich angenehmer als im Bodden. Gerd steuert bester Laune das Boot, während ich langsam aber sicher seekrank werde. Ich folge meinem Standardprocedere und nehme, eigentlich rechtzeitig, eine Reisetablette. Dennoch wird es mir in den nächsten 5 - 6 Stunden alles andere als gut gehen.
Auf halbem Weg zwischen Rügen und Bornholm trifft man auf dieses riesige Windkraftfeld. Genau genommen sind es zwei Felder mit den Namen Wikinger und Wickinger Süd, deren 70 Windenergieanlagen hier bereits 2018 in Betrieb gingen. Jede 165 Meter hoch und mit einem Rotordurchmesser von 135 Metern (Quelle: Wikipedia).
Inzwischen ist es etwa 22 Uhr und wir segeln südwestlich der Insel Bornholm in den Sonnenuntergang, während der Autopilot das Boot steuert.
Nachdem es bei sternklarem Himmel nur etwa dreieinhalb Stunden lang richtig dunkel war, zeigt sich gegen drei Uhr bereits das erste Sonnenlicht am Horizont (Bild oben).
Und das war der Sonnenaufgang am Donnerstag Morgen, nordwestlich von Bornholm ...
Gegen sechs Uhr löst mich Gerd am Steuer ab und ich haue mich für rund drei Stunden in die Koje. Insgesamt ein unspektakulärer aber schöner Segeltörn. Am späten Vormittag laufen wir dann in die westliche Bucht von TJÄRÖ ein und werfen den Anker. Um 11:38 Uhr notiere ich im Logbuch: "Motor aus".
Die Sonne scheint und wir gönnen uns jetzt erstmal ein üppiges Frühstück, während wir diese Aussicht haben ...
Der Track unseres heutigen Törns ...
Von Neuhof nach Tjärö
Distanz nach GPS: 148 nautische Meilen, rund 274 km.
Distanz, Fahrt durchs Wasser: 156 nautische Meilen, knapp 290 km.
Die Differenz von acht Seemeilen entsteht durch die Gegenströmung.
134 Seemeilen der Gesamtdistanz konnten wir unter Segeln zurücklegen.
22 Seemeilen fuhren wir mit Dieselantrieb.
Dauer: von Mittwoch, 10:26, bis Donnerstag, 11:27, insgesamt 25 Stunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 5,9 Knoten, rund 11 km/h












Wie schön, dass alles gut gelaufen ist und wir "Daheimgebliebenen" mit diesen tollen Berichten dabei sein können. Liebe Grüße Christine (Frau von Gerd)
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