Sonntag, 14. Mai
Nach dem Frühstück und den obligatorischen Törnvorbereitungen starten wir gegen halbzehn den Diesel und holen dann in der westlichen Bucht von Tjärö den Anker auf. Letzterer sitzt dann auf den letzten Metern tatsächlich irgendwo auf dem Grund fest. Vorsichtig überfahre ich ihn, sozusagen in "falscher Zugrichtung" und habe Glück. Der untergetauchte Ankerball springt an die Wasseroberfläche und signalisiert: "Anker frei".
Nach etwa 15 Minuten sind wir "klar zum Auslaufen".
Wir verlassen die Bucht in südlicher Richtung. Der Wind kommt aus OstSüdost, also von dort wo wir hin wollen (Warum erwähne ich das eigentlich noch, denn gefühlt kommt der Wind fast immer von dort, wo man hin will). Im Augenblick sind es nur 7 Knoten Wind, also leichte 3 Bft. Das reicht wegen der Welle von rund 0,3 Metern leider nicht mehr zum Segeln, doch etwas südlicher, wenige Seemeilen vor der Küste, sollen es laut Seewetterbericht 12-16 kn Wind, also 4 Bft. sein.
So fahren wir rund eine Stunde und 5,5 gefahrene Seemeilen. Der Wind briest innerhalb weniger Minuten tatsächlich auf 11 kn. Sofort werden volle Segel gesetzt und der Motor verstummt. Doch genauso schnell ist der Wind wieder weg. Wir starten den Motor und holen die Segel wieder ein.
Kurze Zeit später die selbe Situation. Jetzt haben wir Glück und der Wind ist zumindest einigermaßen beständig. In Schlagenlinien geht es mit Kurs 150° - 170° Richtung Südosten bis fast Süd. Da wollen wir zwar nicht hin, jedoch wird uns dieser Kurs nach 6 Stunden und rund 35 Seemeilen an die Ausgangsposition bringen, an der wir durch aufkreuzen, also eine 90°-Wende, endlich unserem Ziel, der Insel Utklippan, entgegenfahren. So unser Plan.
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Die Sonne zumindest, zeigt sich von der besten Seite (bei 9°C Außentemperatur).
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Das Bild oben zeigt einen Screenshot unseres Plotters (Navigationsgerätes). Wir segeln gerade mit Kurs 133° (Richtung Südost). Tjärö liegt am Ende der magentafarbenen Linie. An Steuerbord (rechts) kommt gerade die "Fox Luna" (grün), ein nur rund 100 m langer Tanker mit Ziel Karlskrona (links) auf uns zu. Wir machen gerade 4,8 kn (knapp 9 km/h) Fahrt. Links oben liegt die kleine Insel UTKLIPPAN, die wir heute anlaufen wollen. Kurz darüber, links befindet sich bereits der Kalmarsund, eine Wasserstraße zwischen dem schwedischen Festland und der Insel Øland, welcher wir in den nächsten Tagen nach Norden folgen werden.
Die Tageshöchsttemperatur von 9°C auf dem Wasser ist erreicht. Dennoch brennt die Sonne und Gerd (oberes Bild/unten, links) schützt sich so gut es geht gegen die Kälte und gleichzeitig den Sonnenbrand.
Im Augenblick wird die Sonne gerade von den Segeln verdeckt (oben). Das macht es für Gerd besonders frisch. Daher wechseln wir uns am Steuerrad ab.
Es ist fast 15:00 Uhr und wir können Utklippan schon recht gut an Steuerbord erkennen.
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Utklippan (Fotografiert aus gut 5 km Entfernung)
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Utklippan, Quelle Navionics Seekarte
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Wir segeln gerade rund 3 sm westlich von Utklippan in nördlicher Richtung. Der Wind hat gerade aufgefrischt und auf ost gedreht. Keine schlechte Voraussetzung, um noch ein paar Seemeilen weiter zu segeln. Wir beschließen genau das zu tun und Utklippan mit seinem eher winzigen Hafenbecken, bei den derzeit 16 Knoten Wind, an Steuerbord liegen zu lassen.
Es wird langsam Abend, als uns klar wird, dass uns im Kalmarsund bald der Wind ausgehen wird. Wir beschließen, den nächsten Hafen anzulaufen, den wir noch unter Segel ansteuern können. Das ist Sandhamn in sieben Seemeilen Entfernung, am südöstlichen Eingang des Kalmarsundes. Der Wind bleibt uns gewogen und so segeln wir bis eine Seemeile vor den Hafen, wo wir dann den Motor starten, um die Segel einzuholen.
Die Sonne steht bereits tief, als wir auf den Hafen von Sandhamn zulaufen. Gegen 21:00 Uhr liegen wir fest vertäut am Pier. Während Gerd uns noch am Kassenautomaten ehrlich macht, schmeiße ich uns ein paar Nudeln ins Wasser. Ein nicht ganz einfacher, aber gelungener Segeltag.
Oben seht Ihr den Track (die GPS-Aufzeichnung) unseres heutigen Törns. Von Tjärö nach Sandhamn sind es nur 50 km Luftlinie. Durch das Aufkreuzen unter Segeln waren wir insgesamt 60,5 Seemeilen (112 km) unterwegs.
Morgen bleiben wir voraussichtlich noch einen Tag hier, denn der Wind steht nicht günstig für einen Törn nach Norden durch den Kalmarsund.
Bleibt uns gewogen und weiterhin neugierig. Wir sind es auch.
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