Mittwoch, 15. September
Der Tag beginnt, wie die letzten Tage auch, denn um fünf Uhr klingelt der Wecker. Unser morgentlicher Ablauf wird von Mal zu Mal effizienter und so verlassen wir bereits um sechs die Hafenausfahrt. Die Sonne ist kurz vor dem Aufgehen.
Wir haben Kurs südost und müssen zunächst noch das Fahrwasser des Wirtschafts- und Fährhafens Rønne kreuzen. Das machen wir lieber noch unter Maschine, doch es gibt im Augenblick keinen Schiffsverkehr dort und auch auf dem AIS sind keine Signale von einlaufenden Schiffen zu erkennen. Nach 1,8 Seemeilen haben wir das Fahrwasser hinter uns und setzen unsere Segel. Zunächst haben wir noch bescheidene 9 Knoten Wind (3 Bft) der entgegen der Vorhersage noch sehr südlich weht - also wieder AmWindKurs. Doch das liegt wohl mehr daran, dass der Südostwind um das Kap von Rønne herumweht und daher nur scheinbar aus Süden kommt. Wenig später können wir bei voller Segelfläche und elf Knoten Halbwind (Wind genau von der Seite) unter optimalen Bedingungen auf Kurs 210° Richtung Rügen gehen. Warum auch immer haben wir knapp einen Knoten Gegenstrom, machen aber immer noch um die 7,5 Knoten Fahrt nach GPS. Es soll für uns eine Art Rekordfahrt werden, ohne dass wir das angestrebt hätten.
Gegen sieben erhebt sich die Sonne langsam über den Horizont.
Noch ist die See flach und die Fahrt sehr entspannt. Bis heute Nachmittag wird der Wind etwas zunehmen und die Böen bis auf gut 20 Knoten ansteigen. Die See wird zum Schluss in Spitzen nicht mehr als knapp anderthalb Meter betragen, als wir das schmale Fahrwasser bei Thiessow, südöstlich Rügen, passieren. Der Autopilot meistert die leicht schräg von hinten auflaufende Welle des Ostwindes immer wieder gut und steuert Ari in schlangenlinien durch die See, damit wir letztendlich auf einen in etwa geraden Kurs kommen. Das schaffen wir per Hand auch nicht besser.
Die Überfahrt von Bornholm nach Rügen verläuft unspektakulär. Wir haben daher nur etwas Filmmaterial aber keine wirklich guten Fotos.
Gegen 16:00 laufen wir dann in den Hafen von Lauterbach, im nördlichen Greifswalder Boden ein. Zu unserer Überraschung ist der Hafen fast voll und wir haben Glück, dass wir noch einen guten Liegeplatz an unserem Lieblingssteg direkt an einer Ladesäule, bekommen.
Von Hafen zu Hafen waren wir, fast auf die Minute genau, zehn Stunden unterwegs. Die Distanz auf der von uns gefahrenen Route beträgt 78,1 sm (~145 km) nach Logge und 73,2 sm (~136 km) nach GPS.
Noch einmal zur Erläuterung für die Nicht-Segler: Die Logge (das kleine Geberrad unter dem Bug) misst die Fahrt durch das Wasser. Das GPS misst die Fahrt über Grund. Würde das Wasser sich nicht bewegen, wären beide Ergebnisse gleich. Durch Strömung und Seegang bedingt, weicht das Ergebnis in der Praxis immer ab. In diesem Fall sind wir sozusagen 145 km durch das Wasser gefahren, um 136 km voran zu kommen, weil uns die Strömung auf der Gesamtdistanz um 9 km "zurückgedrängt" hat.
Nach dem Start in Bornholm und vor dem Ziel in Lauterbach waren wir für einen Zeitraum von gut einer Stunde mit nur etwa fünf Knoten Geschwindigkeit (bei Motorbetrieb und später nur mit Großsegel) unterwegs, was das Ergesamtergebnis bezüglich der Geschwindigkeit auch noch einmal aufwertet. Wir sind stolz auf unsere Bavaria, den von vielen gern belächelten Segelcruiser. Für eine Nicht-Sport-Segelyacht, ein Ergenis bei dem wir uns ganz entspannt zurücklehnen können. 😎
Hier in Lauterbach machen wir morgen, also heute, nur später, einen Ruhetag. Bis spätestens Samstag wollen bzw. müssen wir in Neuhof sein.
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