Donnerstag, 09. September
Die Sonne geht heute im Frühnebel auf. Um Halbacht sitzen wir mit dem ersten Kaffee im Cockpit. Auf allen Oberflächen glitzern noch kleine Tautropfen. Die Sonne durchdringt immer mehr den schwindenden Nebel.
DESSI, die ständig zwischen Öland und Kalmar pendelnde Personenfähre, kommt gerade in den Hafen gefahren.
12°C beträgt aktuell die offizielle Kalmar-Temperatur. Die Sonne wärmt noch mit Zurückhaltung und das Teakholz an Deck beginnt langsam zu trocknen. Wir beschließen heute draußen zu Frühstücken - Katrin ganz mutig in Shorts.
Uns tut alles weh. Muskelkater und Verspannungen vom gestrigen Segeln. Katrin war ja mit den Segel rein - Segel raus, Segel trimmen, Aktionen beschäftigt und ich hatte weite Teile des Törns per Hand gesteuert, weil der Autopilot nicht die Höhe am Wind erzielen konnte, wie ich manuell. Auch wenn die gestrigen Fotos Entspannung vermitteln, so gilt das bestenfalls für den mentalen Teil der Reise. Es war dieses Mal recht sportlich.
Weil wir nicht genau wissen, wann wir wieder neue Vorräte bekommen werden, machen wir noch eine Einkaufsrunde, die wir mit einem Stadtbummel verbinden.
Im Anschluss steht noch "Wanten spannen" auf dem Programm. Wanten sind die Stahlseile, die den Mast stehend in seiner Position halten. Beim gestrigen Segeln fiel uns erneut auf, dass bei starker Krängung (Schräglage des Bootes), die Wanten in Lee (der jeweils nicht belasteten Seite), durchhängen. Zeit haben wir für das Gesamtprogramm, weil der Wind erst gegen Mittag günstiger für uns weht. Außerdem ist unser Liegeplatz ja bis 11:59 bezahlt und der Hafen Kalmar sowieso fast leer.
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| Das Kalmar Slot liegt zu dieser Zeit immer noch im zarten Nebelschleier. |
Gut anderhalb Seemeilen fahren wir zunächst unter Maschine, bis wir das enge Fahrwasser bei Kalmar passiert und noch einige Untiefen im Anschluss hinter uns gelassen haben. Dann setzen wir volle Segel und kreuzen durch den Kalmarsund Richtung Süden. Außer uns sind nur zwei weitere Segelyachten gut verteilt auf der riesigen Wasserfläche zu sehen. Dennoch ist es möglich, dass uns eines der Beiden richtig in die Quere kommt. Wir haben Glück und die "Vorfahrt".
Abgesehen von der suboptimalen Windrichtung (Wind von da, wo wir hinwollen), ist es ein wirklich toller Segeltag. Sonnenschein, 20° C, 4 Beaufort und nur etwa 30 cm Welle, lassen uns im AmWindKurs (schräg gegen den Wind) noch knappe 7 Knoten fahren - allerdings nur durch´s Wasser. Nach GPS sind es gut 0,5 Knoten weniger, weil wir Gegenstrom, unter anderem aufgrund des Südwindes, haben.
Es könnte schlimmer sein ... 😁
Um 15:30 haben wir den Leuchtturm GARPEN vor dem Hafen von Bergkvara querab an Steuerbord, während Katrin gerade die letzten Daten zum aktuellen Eintrag im Logbuch ergänzt.
Anmerkung: Während ich diesen Post schreibe, ist es gerade kurz nach 22:00. Auch wenn ich die Qualität skandinavischer Datennetze schon vielfach gelobt habe, muss ich heute mal rügen. Ein Datennetz, ist dann schlecht, wenn der "DOWNLOAD" der Akkukapazität deines Laptops schneller ist, als der UPLOAD von zwei Dutzend bereits kleingerechneter Urlaubsfotos. So hier in Kristianopel, dem schwedischen Mecklenburg Vorpommern, des Datennetzes.
Kaffee & Kuchen ist zeitlich überfällig und so wird schnell eine Kanne oder besser ein Kännchen, Mokka aufgesetzt und der heute gekaufte Kardamomknut ausgepackt (und natürlich auch gegessen).
Gut, dass so ein Schiffsherd kardanisch aufgehängt ist, sonst würde der Genuss bei Schräglage nicht im Gaumen, sondern auf dem Boden landen.
Während Katrin angestrengt auf den Plotter schaut, kommt im ansonsten leeren Kalmarsund noch ein "Störenfried" angeschippert.
... die nur gut 60 Meter lange "Walter Hammann". Da sie hinter uns durch muss und dort wegen des Tiefgangs nicht großartig ausweichen kann, weichen wir ein wenig von unserem Kurs ab, werden schneller und kommen damit zum Schluss auf ein CPA von gut 0,4 nm (rund 750 m).
Nach knapp sieben Stunden Fahrt, haben wir 41 Seemeilen im Kielwasser gelassen. 39 sm davon sind wir gesegelt - und damit sehr zufrieden.
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| Blick im Hafen Kristianopel Richtung Osten. |
Einige haben es sich hier schon gemütlich gemacht ...
... wir machen uns jetzt erst mal auf die Schnelle eine Pizza und die essen wir draußen, während gerade die Sonne untergeht.
Morgen bleiben wir voraussichtlich noch hier. Es wird sich lohnen.
Wir beenden diesen Post mit unserem heutigen Track.
GUTE NACHT!

























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