Dienstag, 30. Juli 2019

28.-29.07.2019_Ankern in den Schären_Teil 4

Sonntag, 28. Juli, Morsholmen – Arkösund

Das ist der Sonnenuntergang, den ich gestern Abend noch erleben durfte, während ich am letzten Blog schrieb.



Um 11:47 Uhr notiere ich: „Zwei weitere Adler über Väggö gesichtet. Vermutlich Seeadler, da sie eher schwarz als braun sind. Sicher bin ich mir nicht, da die Entfernung selbst für mein 600´er Tele zu weit ist, um Details zu erkennen oder einen brauchbaren Schnappschuss zu machen.“

Insgesamt ging es heute bei gewohnt sommerlichen Temperaturen dem nächsten Ziel entgegen. Es geht weiter Richtung Norden in den Arkösund. Das macht knappe 22 Seemeilen. Das Foto entstand während der sechs Seemeilen, bei denen ich segelbaren Wind hatte. Wenn er nicht direkt von vorne kam, hatte ich den Wind von 30 – 0° backbord oder 0 – 30° steuerbord. Das ist genau der Bereich, der nicht direkt segelbar ist. Da die Fahrwasser heute zum Teil sehr eng waren (siehe Seekarten), kam auch kreuzen für mich alleine nicht in Frage. 



An dieser Art „Ausflugsdampfer“ erkennt man, dass Stockholm nicht mehr sehr weit sein kann.



Nachfolgend zwei Seekarten zu meinem heutigen Törn. Sie vermitteln in etwa einen Eindruck aus wie vielen Schären hier die Inselwelt besteht und wie dicht diese teilweise zusammenstehen. In die elektronischen Seekarten kann man hineinzoomen, wodurch es dann deutlich übersichtlicher wird. Das macht die Fahrwege dann allerdings auch nicht breiter als sie nun einmal sind. Start bei 1 und Ziel bei 17. Das macht 21,7 Seemeilen und hat genau vier Stunden inklusive der Ankermanöver gedauert.






Mein heutiger Ankerplatz – besser gesagt, mein Gegenüber

… und etwas weiter rechts geschaut, sieht es so 

Alles in allem ist mir im Arkösund zu viel Trubel. Mehrere Häfen mit entsprechendem Sportbootsverkehr, insbesondere Motorboote und Jetskis. Viele scheinen hier zeigen zu müssen, was ihr Boot so drauf hat. Ein wenig wie Berlin, Kurfürstendamm. Kann man mal machen – braucht man aber nicht öfter.




Montag, 29. Juli, Arkösund – Askär / Beten (2 sm südöstlich der Stadt Oxelösund)

Um 9:25 Uhr starte ich die Maschine. Die Anker sind schnell gelichtet, jedoch hängen dicke Tonklumpen an ihnen. Dieses Mal werde ich die Anker während der Fahrt reinigen. Das tue ich dann bei kleiner Fahrt, während ich mich noch im Arkösund befinde. Zum Schluss noch das Teakholz am Heck mit der Bürste geschrubbt, wo sich der Ton gar nicht lösen mag. Nach einer Viertelstunde bin ich mit dem Ergebnis zufrieden und kann mich wieder auf´s Steuern konzentrieren.

Unterwegs stelle ich für mich fest, dass der schöne Teil des zwischen Kalmarsund und Stockholm befindlichen Schärengartens im Arkösund geendet hat. Hier, auf dem Weg Richtung Oxelösund sind die Schären weit auseinander, klein und kahl. Nichts, was sich lohnenswerter Weise fotografieren ließe. 

Dennoch ist heute ein besonderer Tag. 
Ich habe mir notiert, dass wir heute mit Vollendung der 14. Seemeile gleichzeitig genau  10.000 Seemeilen  
in sieben Jahren mit eigenen Booten auf Ost- und Nordsee gesegelt sind. 

Der besondere Moment war um 11:50:38 auf den Koordinaten   
58°37‘,621 Nord  und  017° 07‘,054 Ost   
und ist auf dem Foto unten festgehalten.



Darauf mal ganz schwedisch: „SKOL“  

Die neunte Saison segeln Katrin und ich insgesamt überhaupt erst. Die ersten beiden Jahre auf der Berliner Havel. Doch beim Binnensegeln schreibt man üblicher Weise kein Logbuch, wozu auch. Daher gibt es für diesen Zeitraum keine Aufzeichnungen.

Nach knapp 16 Seemeilen hatte ich heute auch schon mein Tagesziel erreicht. 

Zuvor hatte ich noch einzelne Fotos von der Stadt Oxelösund geschossen. Aus der Ferne ist das nicht übermäßig einladend, denn man sieht nur den Industriehafen. Das Zentrum des Ortes soll laut Reiseführer aber sehenswert sein. Da die See morgen rau wird und ich eventuell meinen Ankerplatz aufgeben muss, habe ich vielleicht die Gelegenheit, dort einmal vorbei zu schauen.

Keine schlechte Idee, denn ich bin inzwischen den 11. Tag ohne Hafenbesuch unterwegs und habe seit 9 Tagen kein Land mehr betreten. Komisches Gefühl. Das bedeutet aber auch, dass ich seit 11 Tagen keinen Cent ausgegeben habe. Schönes Gefühl. 
Ich lassen mich morgen vom Wetter überraschen und entscheide dann. In weiteren 11 Tagen möchte ich in Stockholm sein. Dafür bin ich schon recht dicht dran und muss mir etwas einfallen lassen, wie ich die Tage bis dahin am schönsten nutze.



Dieser Frachter misst 226 m Länge. An der Höhe des roten Anstrichs kann man erkennen, dass er mehr oder weniger leer ist. Voll beladen schaut später nur ein ganz schmales „rotes Band“ aus dem Wasser. Dann würde man sagen: „Das ist ein schwarzer Frachter“.



Meine heutige Ankerbucht. 
Ich liege auf dem roten Punkt (wie immer). Von Südosten drückt ein ordentlicher Schwel in die Bucht. Da ich direkt im Wind (der aus Nordosten kommt) vor Anker liege, erwischt mich der Schwel genau querab. Dadurch rollt Ari über die Längsachse hin und her. Aber solange die Anker halten, ist alles im Spaßbereich. Mir ist auch wichtig auszuprobieren, wie ich Ari auch bei raueren Bedingungen unter Anker in den Griff bekommen. Einmal habe ich heute Mittag schon den Heckanker umgesetzt und vorne insgesamt 25 Meter Kette bei rund 4,5 Meter Wassertiefe gegeben. Jetzt liegt Sie gut in Wind und Welle und die Trackaufzeichnung des Plotters malt mir Stunde für Stunde einen dicken schwarzen Punkt auf den Bildschirm. Dieser entsteht, wenn das Boot immer wieder um denselben Punkt herum schwojet (Plusminus 6 – 8 Meter). Wandert der feine schwarze Stich der Trackaufzeichnung jedoch über die Stunden deutlich zu einer Seite aus, so rutscht einer der Anker und ich hätte Handlungsbedarf, denn keine 30 Meter entfernt umgeben mich die Granitfelsen des Ufers. Liege ich andersherum zu weit vom Ufer entfernt, werden Wind und Welle heftiger und die Anker müssen noch mehr Zugkräfte aushalten. Es gilt, den besten Kompromiss zu finden. Daher gilt es, neue Erfahrungen zu sammeln.



Und so sieht die Bucht in natura aus.


Diesen Klumpen, ein Gemisch aus Ton und Sand, habe ich heute Mittag beim Umsetzen des Ankers vom Grund hochgeholt. Keine Stunde vorher hatte ich das Deck im Nachgang zu heute Vormittag fein-gereinigt. Eigentlich ist man an Bord sowieso immer irgendwie beschäftigt. Langeweile hatte ich seit dem Start zumindest nie.


So, es ist jetzt 21:00 Uhr und ich erkläre den heutigen Blog für fertig. 
Die Sonne ist gerade auf der Rückseite meiner Schäre verschwunden. Das Ankerlicht ist an und vorsorglich lasse ich in dieser Bucht auch noch das AIS über Nacht laufen, damit niemand sagen kann, er hätte mich nicht sehen können.

Bleibt mir gewogen und neugierig.

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