Sonntag, 28. Juli 2019

25.-27.07.2019_Ankern in den Schären_Teil 3

Donnerstag, 25. Juli, Krokö – Vindåsen




Der heutige Törnplan sieht eine Etappe von 13,9 sm vor. In etwas mehr als 3 Stunden werde ich angekommen sein. Es wird eine reine Fahrt unter Motor.




Wir haben schönstes Wetter. Ich messe an Bord im Schatten den ganzen Tag über um die 32°C und der Wind bläst oder besser gesagt, er haucht, mit 1-2 Beaufort.


Da ich im Cockpit bleiben und aufpassen muss, kann ich der Sonne, die mich vermutlich mit 40°C oder mehr brät, nicht ausweichen. Wozu segle ich eigentlich in Skandinavien, wenn wir hier Mittelmeertemperaturen haben? Ich muss mir etwas einfallen lassen und so baue ich mir aus der Abdeckung für unseren Steuerstand (einer Plane die diesen schützt, wenn wir nicht an Bord sind) einen Sonnenschutz, dem ich mit ein paar Spannklemmen am Achterstag befestige. Da mein Kurs derzeit Nord plus minus weniger Grad beträgt, schützt mich die Plane gut über die Mittagszeit zu der ich ja im Wesentlichen unterwegs bin.



Ein typisch Skandinavischer Leuchtturm


Miniaturdörfer wie dieses finden sich hier alle paar Seemeilen, aber nicht in jedem kann man frisch geräucherten Lachs kaufen:



Ja, und dann bin ich auch schon da, an meinem heutigen Ziel. Eine beschauliche Bucht.



Und, obwohl Badetemperatur bei mir erst ab mindestens 25°C Wassertemperatur beginnt, bin ich so aufgeheizt, dass ich mal was ganz verrücktes mache (für meine Maßstäbe) …





Circa 14:00 Uhr, noch ist es idyllisch. Doch kurz darauf kommen 3 schwedische Motoryachten an, die sich, vielleicht 50 m entfernt, zu einer gemeinsamen Yachtinsel vertäuen. Im Wilden Westen nannte man das Wagenburg. Man tat es um sich gegen die Indianer besser verteidigen zu können. Doch wir sind hier weder im Wilden Westen, noch gibt es etwas zu verteidigen. An Bord sind neben je einem Pärchen auch deren diverse Kinder und Papa hat natürlich an alles gedacht: Jetski, Schlauchboot, StandUpBoard und Sprungbrett bzw. Wasserrutsche. Die Kinder kreischen vor Vergnügen – die 3 Segelboote nebenan nicht. Als Papa dann mit dem Jetski auch noch zwischen den Segelbooten durchheizt (in der anderen Richtung wäre viel freier Platz gewesen) platz einer schwedischen Mitseglerin der Kragen. Mit klaren Anweisungen samt Fingerzeig verbannt sie den Fahrer, der sich entschuldigend zurückzieht. Doch der Tag läuft noch und jetzt muss jedes Kinder erst einmal auf einer Art aufblasbarer Insel per Jetski in etlichen Runden durch die Bucht gezogen werden. Das ist viel Motorlärm und Gejohle und wird erst dann ruhiger, als gegen 19:oo das Abendessen eingeläutet wird. 


Freitag, 26. Juli, Vindåsen – Saltö

Bis etwa 9:00 Uhr bleibt es in der Wagenburg ruhig, dann kehrt hörbar Leben ein. Gut, dass ich ohnehin in Kürze aufbreche. 

Bei Aufholen der Anker dauert es dann heute doch etwas länger. Beim Buganker läuft alles wie gewohnt, doch am Heck rührt sich nichts. Der Heckanker sitzt so fest, dass ich seinen Festmacher zunächst auf einer Winsch belege. Doch selbst winschen lässt sich der Festmacher nicht. Letztes Mittel – Gas geben. Ich gebe kurz Gas, der Anker bricht aus dem Grund. Der Rest ist Standard. Glück gehabt.

Es ist wie gestern, schönstes Sommerwetter und wieder schafft der Wind nicht mehr als 2 Beaufort. Doch zu meiner Ehrenrettung schaffe ich es mit viel Geduld zwei der knapp zwölf Seemeilen unter Segel zurück zu legen. 


Dieser kleine Junge hat offensichtlich deutlich mehr Spaß unter Motor unterwegs zu sein.
Als er sieht, dass ich ihn fotografiere, gibt er noch einmal alles und winkt mir später zu.


Um kurz vor 14:00 Uhr liege ich bereits vor Anker. Alleine, und das soll auch die ganze Zeit so bleiben. Wieder einmal Natur pur. Fast wie ein Binnensee, komplett von Inseln eingeschlossen und mit einem Durchmesser von gut einem Kilometer finde ich eine Bucht am südöstlichen Ende. Ich befinde ich jetzt in einem Schärenbereich, der dicht am schwedischen Festland liegt. Da sich in der Nachbarschaft keine größeren Siedlungen oder gar Städte befinden, ist die Anfahrt den Schweden offensichtlich zu weit. An der Schönheit der Natur kann es zumindest nicht liegen, sage ich mir. 


An den binnenseeähnlichen Meeresabschnitt schließen sich ausgedehnte Schilfgürtel an, hier und da durch große Felsen unterbrochen.


Zum Wiederholten Mal bin ich glücklich, dass ich mir letztes Jahr dieses Kajak zugelegt habe. Schon geht es los, um das Flachwasser zu erkunden.


Graureiher sind ausgesprochen scheu und schwer vor die Linse zu bekommen.


Samstag, 27. Juli, Saltö – Morsholmen

Gegen 11:00 Uhr lichte ich nacheinander die Anker. Wie immer stellt man erst hinterher fest, welchen Ankergrund man erwischt hat. Diesmal ist es Ton, in seiner reinsten Form. Meine schwarze Segelhose sieht aus, als hätte ich an einem Töpferkurs teilgenommen – ich korrigiere, das gesamte Bootsheck sieht aus, als hätte ich einen Töpferkurs durchgeführt. Ich bemühe mich, die Anker zunächst von den groben Tonresten mit der Hand zu befreien. Zwischendurch wasche ich meine Hände immer wieder mit Salzwasser ab. Es ist erstaunlich, wie gut Ton überall haftet. Die Hände fühlen sich nach dem Trocknen ganz glatt, fast seidig, an. Ich nehme mir einen Eimer, schöpfe Salzwasser und schütte Dutzende dieser Eimerinhalte auf das Deck, wische hier und da nach. Muss fürs Erste reichen. Nach 20 Minuten kann ich dann endlich abfahren.

Bei der Ausfahrt aus „meinem Binnensee“ kann ich einen Adler am Himmel kreisen sehen. Kurz darauf entdecke ich weitere drei Adler die in der Thermik ohne Flügelschlag zu schweben scheinen. Vermutlich eine Familie mit zwei Jungadlern. Fotografieren kann ich sie aufgrund der Entfernung nicht, freue mich aber dennoch immer über eine solche, nicht ganz alltägliche, Sichtung.
Die erste Sichtung eines anderen Bootes habe ich hingegen erst kurz bevor ich die Außenschären erreiche.

Der Wind kommt mir heute mit bis zu 15 Knoten (4 Beaufort) entgegen. Das macht das sonnige Wetter im Vergleich zu den letzten beiden Tagen deutlich erträglicher. Gleichzeitig ist es mit gemessenen 25°C auch objektiv etwas kühler. Doch der Gegenwind sorgt auch für Strömung und die kommt mir ebenfalls mit bis zu 0,9 Knoten entgegen. Das bremst deutlich. Durchs Wasser fahre ich mit 6,3 Knoten – nach GPS bewege ich mich dabei aber nur mit 5,4 Knoten vorwärts. Ich habe es ja nicht so weit, tröste ich mich. Rund 18 Seemeilen habe ich heute geplant.

Seit heute Morgen schon, fühle ich mich nicht ganz fit. Etwas schwindlig, gut das ist der Kreislauf, aber auch weich in den Beinen, nervös. Ich werde mich schonen. In den Außenschären habe ich dann eine Welle von rund 0,7 m, manchmal knapp einem Meter. Das ist eigentlich nicht viel. Die See ist heute aber kabbelig und Ari rollt etwas in den Wellen. Vorsichtshalber nehme ich eine Reisetablette. 

Irgendwann fühle ich mich besser und mir fällt diese Insel auf. Schon letztes Jahr fuhren wir hier vorbei. Von weitem kaum zu deuten. 


Zoomen wir etwas heran:



Eine Kormorankolonie! Man erkennt Kormorankolonien schon von weitem an den Nestern, die sich auf völlig kahlen bzw. abgestorbenen Bäumen befinden. Offensichtlich brüten Kormorane immer an derselben Stelle und ihre Hinterlassenschaften zerstören sowohl den Baum auf dem sie sitzen, als auch alles was direkt darunter ehemals gegrünt haben mag.



Mit dem Kajak ist man hier übrigens auch sehr gut unterwegs. In den Innenschären ist keine hohe Welle zu erwarten und Platz zum Zelten gibt es im Überfluss.

Aus meinen geplanten 18 sm wurden dann doch noch 22 sm. Mehrere Buchten die ich anlief, waren in Bezug auf Wind und Welle zu unruhig. So beschloss ich, obwohl ich bereits vor Anker lag, noch einmal umzuziehen.
Mein heutiger Ankerplatz:








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