Freitag, 19. Juli. Es ist fast 12:00 Uhr, als ich
in Figeholm am Freitag die Leinen losmache. Zuvor hatte ich noch Wasser
gebunkert, denn jetzt liegt ein wirklich schöner Teil des ostschwedischen
Schärengartens vor mir und ich möchte dort unbestimmte Zeit vor Anker
verbringen.
Ari hat zwei Wassertanks mit 210 ℓ und 150 ℓ. Das sollte für mich alleine bequem für 10-14 Tage reichen. Einen Großteil des Wassers, das wir zu Hause verbrauchen, geht in bester Qualität durch die Toilette in die Kanalisation. Was für eine Verschwendung. Ari benutzt zum Spülen Seewasser, weswegen die Süßwasservorräte ausschließlich zum Kochen und für die Körperhygiene benötigt werden. Beherzigt man dann noch die Philosophie, keinen Tropfen dieses Vorrates ungenutzt abfließen zu lassen (also zum Beispiel beim Händewaschen den Hahn zu schließen, solange ich die Hände in Wasser und Seife reinige) so stellt man fest, dass 360 Liter Wasser ein üppiger Vorrat sein können. Ich gebe zu, nach einem langen Winter muss ich das mit Beginn der neuen Saison auch erst immer wieder lernen.
Ari hat zwei Wassertanks mit 210 ℓ und 150 ℓ. Das sollte für mich alleine bequem für 10-14 Tage reichen. Einen Großteil des Wassers, das wir zu Hause verbrauchen, geht in bester Qualität durch die Toilette in die Kanalisation. Was für eine Verschwendung. Ari benutzt zum Spülen Seewasser, weswegen die Süßwasservorräte ausschließlich zum Kochen und für die Körperhygiene benötigt werden. Beherzigt man dann noch die Philosophie, keinen Tropfen dieses Vorrates ungenutzt abfließen zu lassen (also zum Beispiel beim Händewaschen den Hahn zu schließen, solange ich die Hände in Wasser und Seife reinige) so stellt man fest, dass 360 Liter Wasser ein üppiger Vorrat sein können. Ich gebe zu, nach einem langen Winter muss ich das mit Beginn der neuen Saison auch erst immer wieder lernen.
Mein heutiger Törn wird
mich nur etwa 10 Seemeilen weiter, in eine von mir anhand der Seekarte
ausgesuchte Bucht führen. Ob diese dann alle Ansprüche in Bezug auf den Schutz
vor Wind und Welle, aber auch der Landschaft, erfüllt, bleibt immer eine
Überraschung bis man vor Ort ist. Bis dahin habe ich einen interessanten Weg
durch die Schären vor mir.
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| Ein Amerikaner ... der ist wohl schon etwas länger unterwegs. |
Warmzeit wieder zurückzog, kamen diese sehr typischen Felseninseln zum Vorschein. Die meisten dieser Schären haben nur einen Durchmesser von einigen zig bis einigen hundert Metern. Manche „Stümpfe“ die noch gerade so aus dem Wasser schauen, sind nicht größer als ein Fußball. Über dem Wasser erheben sie sich meist nur für wenige Meter. Viele dieser Felsen reichen aber auch nur bis knapp unter die Wasseroberfläche, weswegen dieses Gebiet nicht ohne Seekarte befahren werden kann. Die vorhandenen Seezeichen unterstützen die Orientierung. Als Ortsunkundiger kann man sich jedoch nicht ausschließlich an den Seezeichen orientieren.
Nach knapp 12 sm und einer Fahrzeit von rund zweieinhalb Stunden liege ich bereits in der Zielbucht. Meine Laune ist gut, denn ich konnte zwischendurch noch unerwartet für drei Meilen segeln. Landschaftlich bin ich mit dieser Bucht sehr zufrieden. Mehrere kleine Inseln mit wiederum kleinen Buchten umschließen diese Bucht, die nur nach Südost geöffnet ist. Von dort kommen allerdings Wind und Welle. Nicht sehr stark, aber glücklich bin ich mit meinem Ankerplatz in dieser Beziehung nicht. Abwarten …
Ich lasse mein Kajak zu Wasser und erkunde die Gegend. Das Kajak kompensiert für mich die teilweise mangelnde Bewegung auf einem Segelboot und ermöglicht es, in Bereiche vorzudringen, die nur mit wenig Tiefgang erreichbar sind. Dort hoffe ich, ausgerüstet mit Film- und Fotokamera, einige Aufnahmen der Tier- und Pflanzenwelt machen zu können. Nicht speziell an diesem Ort, sondern generell, wenn ich unterwegs bin.
Gelegentlich mache ich auch
reine Tonaufnahmen. Für meinen Teil stelle ich fest, dass wir durch das hohe
Angebot an zum Teil wirklich hervorragendem Film- und Fotomaterial einen
gewissen Grad der Sättigung erreicht haben. Zwischenzeitlich muss ein neuer
Film noch etwas grellere Farben haben als die vorherigen und Fotos werden am PC
bis zum geht nicht mehr verfälscht, um sich irgendwie noch von der Masse
abheben zu können. Das sieht eine Weile lang sogar originell aus. Für mich ist
es jedoch an der Zeit, gelegentlich die Kopfhörer aufzusetzen und mir die
Geräuschkulisse eines meiner vergangenen Urlaubsorte anzuhören. Ein
faszinierendes Erlebnis, weil dein Hirn zu diesem Klang wieder Bilder aus der
Erinnerung zaubert, die du längst vergessen zu haben schienst. Ich schweife ab
…
Es ist Samstag, 20. Juli. Nachts gegen 3:30 Uhr werde ich wach und kontrollieren noch einmal den Anker, als auch die AnkerApp, welche zuletzt einwandfrei funktionierte. So auch heute. Alles in Ordnung. Wir haben um diese Zeit noch 17°C und die Sonne wird in einer knappen Stunde aufgehen. Das begieße ich mit einem „Sunsetter“ in diesem Fall ein Glas Waldbeersirup mit Mineralwasser, mache noch schnell ein Foto vom bevorstehenden Sonnenaufgang und dann aber wieder ab ins Bett. Das ist nicht meine Zeit.
Kurz nach 9:00 Uhr stehe ich auf. In Shorts und mit einem Pott Kaffee in der Hand, setze ich mich ins Cockpit. Was für ein Morgen. Die Sonne scheint. Es herrscht fast völlige Stille. Leise streicht in Böen der Wind hinter mir über die Sprayhood und ganz leise plätschern kleinste Wellen an das Boot. Etwa 150 Meter entfernt streiten sich gerade einige Kormorane mit Möwen um den Ansitz auf einem Kleinwagen-großen Felsen, der aus dem Wasser ragt. Die Kormorane gewinnen zu meinem Erstaunen. Gut, es war nur eine relativ kleine Möwenart. Egal, es herrscht wieder Ruhe.
Um Punkt 11:00 Uhr lasse ich
den Motor an und trage alle relevanten Daten in das Logbuch ein. Ideales Wetter
für einen sehr entspannten Segeltag. Doch ich habe es erneut nicht weit und
möchte bis zu meinem Ziel in rund 6 Seemeilen den Motor laufen lassen, um meine
Batterien zu laden und später heißes Wasser zum Duschen zu haben. Eigentlich
hieße es richtig: „Die Batterien von Ari laden“, denn meine laden sich am besten
beim Segeln.

In einer mir bereits bekannten Bucht soll der Anker fallen. Ich suche mir unter den noch freien Ankerplätzen eine Nische aus, die ich für mich alleine habe. Ja auch in Schweden gibt es in schönen Buchten schon einmal Gedränge unter den Booten, zumindest am Wochenende und in der Hochsaison. Wir haben gerade beides. Der Anker fällt, ich gebe Kette, mehr Kette, setze weiter zurück, noch mehr Kette, aber Ari vertreibt mir in Wind und Strömung völlig nach Steuerbord. Dort aber liegt das Ufer und auch einige Felsen. Diese sowohl über als auch unter Wasser. Ein Schwede hätte jetzt schnell seinen vorbereiteten Heckanker eingesetzt. Dieser liegt bei mir aber noch in der Backskiste (sozusagen der Kofferraum einer Yacht) zwischen den Fendern begraben und müsste für den Einsatz auch erst einmal vorbereitet werden. Dafür ist jetzt keine Zeit. Ich gebe noch mehr Kette und es gelingt mir, Ari in eine Minibucht zwischen den Felsen zu platzieren, doch die Wassertiefe reicht nicht mehr aus und ich habe leichten Grundkontakt. Der Bug geht in der Nächsten Böe nur wenige Zentimeter an einer Felskante vorbei. Immer wieder hat der 1,80 m tiefe und 2,5 Tonnen schwere Stahlkiel leichten Grundkontakt. Das kann er ab, sage ich, um mich zu beruhigen und stelle fest, dass ich mich in eine unangenehme Situation manövriert habe, aus der ich aus eigener Kraft nicht ohne weiteres heraus kommen werde. 
Taktische Überlegungen sind jetzt von Nöten. Eine kurze Weile habe ich in dieser Position noch Zeit, aber über Nacht so zu liegen – undenkbar.
Zunächst schaue ich mir den Seewetterbericht für diesen Standort noch einmal genau an. Morgen ab 16:00 Uhr soll der Wind von derzeit Südsüdost auf West drehen. Das würde meine Situation deutlich entschärfen, doch darauf allein kann ich nicht warten. Ich beschließe zunächst, den Heckanker einsatzbereit zu machen. Dieser 16 kg-Anker hat 5 m Kettenvorlauf, an dem dann eine Ankerleine (z. B einer der Festmacher) befestigt wird. Ich knote einen 30 m Festmacher an die Kette und belege das Ende des Festmachers am Heck der Ari. Ich lasse das Kajak zu Wasser und befestige es ebenfalls am Heck. Das Doppelpaddel liegt bereit und der Festmacher muss so platziert werden, dass er sich vom Wasser aus knotenfrei von Deck ziehen lässt. Jetzt bloß keinen Gedankenfehler machen.
Die nächste Herausforderung
ist es, den 16 kg Anker samt Kette in das Kajak zu bekommen. Die Frage ist
nämlich: Wer steigt zuerst ein? Da das Heck der Ari etwas zu hoch ist, um im
Kajak sitzend den Anker herunterzuheben, muss der Anker zuerst ins Kajak. Als
ich dazusteige, muss ich mir irgendwie den Anker vom Sitz auf die Oberschenkel
heben, während ich mich gleichzeitig unter dem Anker hindurch auf den Sitz
setze und irgendwie gelingt mir das auch. Die 5 m Kette befinden sich in einem
Eimer, den ich mir dann noch zwischen die Beine ins Kajak bugsiere. Das andere
Ende des 30 m Festmachers halte ich in der rechten Hand. Zuletzt greife ich
noch das Doppelpaddel und los geht’s gegen Wind und Strömung an eine Stelle,
die ich für das setzen des Ankers geeignet halte. Ich werfe den Anker über Bord
ohne mich im Kajak selbst zu versenken. Hauptsache die Kette, die zwischen
meinen Beinen durchschießt, bleibt nicht irgendwo an mir oder den Kajak hängen,
schießt es mir durch den Kopf. Doch der Anker samt Kette erreicht den ca. 6 m
tiefen Grund und auch der Festmacher hat sich sauber vom Bootsdeck
herunterziehen lassen. So weit so gut. Ich paddle zurück zu Ari, gehe an Bord
und setze die Ankerleine durch. Das Ende habe ich jetzt auf die Winsch gelegt
und so kann ich Ari Umdrehung für Umdrehung in Richtung Anker und damit weg vom
Ufer ziehen. So schaffe ich mir zunächst wenige Meter Luft zu den Felsen, die
das Boot zuletzt immer wieder sachte berührt hatte. Das genügt für´s Erste. Den
Rest erledigt hoffentlich morgen der Wind.
Sonntag, 21. Juli: Mit
meinem obligatorischen Kaffee sitze ich gegen 8:15 im Cockpit. Das Wetter ist
trüb, dennoch haben wir 21°C, konstant wie jeden Tag. Der Wind hat deutlich
nachgelassen und auch die Wasserströmung scheint es gut mit mir zu meinen.
Statt am Nachmittag, dreht der Wind bereits gegen 10:oo und schiebt jetzt
leicht von Steuerbord schräg vorn. Das nutze ich und setze beide Anker noch
einmal kräftig durch, was mich mit dem Heck wenigstens 15 m weit Richtung
Backbord aus der Gefahrenzone bringt. Jetzt bin ich wieder entspannt. Genau so
wollte ich gestern geankert haben!
Im Anschluss gönne ich mir eine Kajaktour. Obwohl es zeitweise regnet, bin ich überwältigt wie schön es hier ist. Ob ich mich hier im Reich tausender von Inseln oder aber in einem endlos scheinenden Labyrinth von Wasserwegen befinde, liegt ganz im Auge des Betrachters.
Hinter jedem Granitfelsen,
manchmal bewachsen oder sogar bewaldet, manchmal kahl, erschließen sich neue
Verzweigungen der Wasserfläche und weitere Inseln tauchen auf. Keine sieht aus
wie die andere. Alle unterschiedlich in Größe und Bewuchs. Mittendrin immer
wieder Reiher, Möwen, Kormorane, Windgänse und Kleinvögel. Auf den Schären
wiederum Inseln aus Wildblumen. Ausgedehnte Schilfbestände und die
unterschiedlichsten Arten von Gräsern stehen im Wasser, das hier einige Meter
und dort nur Zentimeter tief ist, so dass ich hier und da selbst mit dem Kajak
aufsetze. Wegen des schlechten Wetters filme ich ausschließlich mit der GoPro.
Daher mal keine Fotos.
Ich fühle mich gerade wie
die frühen Eroberer sich gefühlt haben müssen, die in der Ferne das neue Land
entdeckt haben, während Ari und die anderen Boote vielleicht nur 500 m
Luftlinie entfernt liegen. Hier wäre ich gut bedient gewesen eine
Navigationshilfe mitzunehmen, denn auf dem Rückweg merke ich, dass man hier
ganz schnell die Orientierung verliert. Doch ich verlasse mich auf mein Gespür
und das trügt mich selten.
Es ist fast High Noon als es Frühstück gibt. Kohldampf habe ich – aber richtigen!
Die meisten Yachten haben heute Vormittag das Idyll verlassen.
Inzwischen ist es so gut wie windstill. Nur die Regentropfen durchbrechen die sonst spiegelglatte Wasseroberfläche, ansonsten – völlige Ruhe. Kein Vogelpieps, kein menschlicher Laut, kein anderes Boot in Sicht. Ich fühle mich völlig alleine und tief zufrieden. Ich bin angekommen – in meinem Abenteuer.















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