Donnerstag, 18. Juli 2019

15.07.2019_Kristianopel-Kalmar

Nach dem morgendlichen Kaffee im Cockpit, bei dem ich den See-Wetterbericht studiere, war heute erst mal eine Bootswäsche angesagt. Die letzte Woche hat ihre Dreckspuren hinterlassen. Das Salzwasser ergibt zusammen mit dem Staub, der mit der Luft herumgewirbelt wird, regelmäßig einen schmierigen Grauschleier auf dem weißen Gelcoat (einer weißen Oberflächenbeschichtung aus Epoxitharz, die die gesamte Bootsoberfläche schützt). Auch feine Sandpartikel setzen sich darauf ab und lassen die eigentlich glänzende Gelcoat-Oberfläche mit den Jahren ermatten. Das gröbste muss also wenigstens wöchentlich zumindest abgespült werden.
Gegen 9:30 gab es Frühstück. Im Anschluss folgen Abwasch und die üblichen Vorbereitungen für die nächste Etappe und das Ablegen. Da gehen dann noch einmal locker 30 – 45 Minuten für organisatorische Dinge, nicht zuletzt auch für das Vorbereiten des Logbuches, drauf. Genug Zeit hatte ich, denn aufgrund des angesagten Windes, der erst am späten Vormittag auffrischen sollte, brauchte ich nicht vor 11.00 Uhr den Hafen zu verlassen.
Im Rahmen der Vorbereitungen musste ich feststellen: „Er ist tot Jim!“. Gemeint ist Redundanz Nr. 2, dass Tablet, welches mir zum Schluss doch noch so tapfer die Routenplanung berechnet hatte. Es starb an einem überalterten Akku. „Ruhe in Frieden.“
Um 11:23 notiere ich im Logbuch: Groß- und Vorsegel gesetzt, Wind aus Südwest, 13 Knoten (4 Beaufort), Kurs 40°, Log (Geschwindigkeit) 5,8 Knoten, See (Wellenhöhe) ca. 30 cm, wir sind mit einem schräg achterlichen Wind unterwegs, Temp. 22°C, der Himmel ist leicht bewölkt, die Sonne scheint. Viel entspannter geht es fast nicht.

Blick zurück auf Kristianopel

An Backbord (zu meiner Linken) sehe ich den Hafen von Kristianopel, an Steuerbord ist im Dunst schon Öland zu erkennen. Ich zähle insgesamt acht Segelbooten, die in Sichtweite mit mir Richtung Norden durch den Kalmarsund segeln. Es sollte ein herrlicher Tag werden.
Um 13:10 notiere ich: „Leuchtfeuer Utgrunden steuerbord querab in rd. 1,7 sm Entfernung.



Die Welle nimmt seit einiger Zeit zu. Ich schätze die signifikante Wellenhöhe auf ca. 80 cm. Einzelne Wellen dürften deutlich über einem Meter liegen. Sie rollen fast direkt von achtern auf das Boot zu. Der Autopilot hat seine Mühe den Kurs zu halten. Trotz des etwas kabbeligen Wassers ist es ein Riesenspaß. Vorsichtshalber nehme ich eine Reisetablette. Man weiß ja nie. Als Einhandsegler seekrank zu werden kann ich mir nicht leisten. Doch es soll an diesem Tag alles gut gehen.



Auch der Wind hat deutlich zugenommen. In Böen liegt er jetzt bei 23 Knoten, das ist eine satte 6 Beaufort. Aber Ari ist bei Rückenwind nicht zimperlich. Da geht noch einiges mehr, bevor ich reffen muss. In Spitzen machen wir knappe 8 Knoten Fahrt. Allerdings nur durch das Wasser. Wir haben etwa 0,7 Knoten Strömung gegen uns. Nach GPS erreichen wir daher nur eine zeitweise Spitzengeschwindigkeit von gut 7 Knoten über Grund.

Bevor ich nach Kalmar hineinfahre, gönne ich mir einen seeseitigen Blick auf das Schloss von Kalmar. 



Am Außenkai liegt ein Tanker und bunkert Kraftstoff. Im Hintergrund liegt die Kalmarsundbrücke, welche das Festland mit der Insel Öland verbindet. Unter dieser geht es morgen durch.



Gegen 16.oo Uhr laufe ich im Hafen von Kalmar ein. Es sieht nach Regen aus. Doch ich habe Glück und diesen Abend bleibt es trocken.



Eigentlich ist der Hafen bereits voll als ich ankomme. Glücklicher Weise kommt mir bereits an der Hafeneinfahrt ein sogenannter Harbour-Pilot in seinem Schlauchboot entgegen. 



Die sind dafür zuständig, Gäste zu einem geeigneten Liegeplatz zu lotsen. Ich bekomme eine Lücke in einen „toten Ecke“ des Hafens und muss mir die Mooringboje mit einer 15 m langen Motoryacht teilen. Das Anlegemanöver ist wegen des starken Windes und der ungeeigneten Notlücke nicht ganz einfach. Der Motorbooteigner sorgt sich etwas um seinen Lack, greift aber behände mit an und so bin ich eine gute halbe Stunde später fest. Um 16. 35 liege ich endlich vertäut an meinem heutigen Liegeplatz. 



Kassiert wird auch gleich am Boot, so dass ich nicht einmal nach einem "Hamnvart" (Hafenmeister) suchen muss. 300 Kronen pro Tag (rd. 30 EUR) sind an angemessener Preis für eine städtische Marina.

Da liege ich zwischen Liegeplatz 42 und 43 in die Ecke geschoben …



Am frühen Abend mache ich einen ausgiebigen Stadtbummel. Der sollte sich lohnen. Doch davon das nächste Mal mehr.



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