============Aufgrund Funkloch erst jetzt online===========
Donnerstag, 09.06.16
Ein Bummeltag - schließlich hatten wir heute nur einen kurzen Törn geplant.
Wir wollten in den nächsten Fjord westlich von uns. Dort sollte es laut Hafenguide eine schöne Ankerbucht geben. Da wir uns sowieso nicht trauen würden, dort irgendwo wirklich festzumachen, wollten nur mal gucken, ein paar Fotos schießen und danach in den kleinen Fischerhafen in der Nähe unterkommen. Gesamtstrecke keine 20 sm.
Immerhin sollte es am Freitag nochmal richtig die norwegische Küste runtergehen, bevor wir nach Skagen (Jütland, Dänemark) aufbrechen. Von dort sollte es am Sonntag zurück an die schwedische Westküste gehen.
Adieu, Stavern - auf zu neuen Ufern
Unterwegs ging es durch die äußere Schärenwelt der norwegischen Südküste. Anfangs noch unter Segel ging uns leider früh der Wind aus und wir fuhren unter Motor weiter. Hier sehen wir die Schäre Tvistein mit den vorgelagerten Trollskjaere (Troll-Schären). Leider waren keine Trolle zu Hause; wir sahen nur ein paar Kormorane, die in der Sonne ihre Flügel trockenwedelten.
Huch, hier gab es aber Schreck auf allen Seiten. Wir hatten die auf dem Wasser schwimmenden Damen nicht gesehen und sie dachten wohl, wir hätten ... naja, ging ja nochmal gut.
Ja, es war etwas kälter heute - nur noch 17°C, aber kalt genug für Schnee???
Nein, natürlich nicht. Das Weiße ist einfach nu Vogelsschei... - eine Kormorankolonie vor der Küste.
Wir fuhren in den Langangsfjord ein und bestaunten die Landschaft ...
... das Lot (der Tiefenmesser) zeigte beständig Werte von 60 m bis über 120 m - für uns Boddenplanscher auf den Schlag 100 m mehr als gewohnt.
Doch plötzlich änderte sich die Anzeige im Sekundentakt: 60 m, 50 m, 40 m, 30 m, 20 m, 10 m, 3 m, 60 m. Was war das denn? In der Karte war nichts vermerkt. Harry tippte hoffnungsvoll auf einen Wal unter uns, ich betete innerlich für irgendein Kraut, was da langwaberte. Wir werden es wohl nie rausbekommen ...
Wir fuhren weiter dien Fjord hinauf ...
... als ein auffälliges, schwarzen Schnellboot von hinten aufkam, Das sah zu offiziell aus ... ah, der Zoll. Ausgerechnet heute hatten wir unser Funkgerät nicht an. So verständigten wir uns per Handzeichen, ob sie was von uns wollten. Ja, sie wollten. Beide Boote stoppten auf und der norwegische Zoll kam mit ein wenig Abstand längsseits. Erstmal wollten sie wissen, ob wir englisch sprachen. Klar doch - ... ich verkrümelte mich hinter Harry und übernahm das Steuer. Klares Zeichen für ihn: dein Part.
Dann folgten Fragen nach woher, wohin, wie lange in Norwegen, ob wir etwas zu verzollen hätten. Und dann natürlich: haben wir Alkohol an Bord. Was für eine Frage ... :-) Harry antwortete wirklich sehr wahrheitsgemäß, vergaß auch nicht, die alkoholfreien Biere zu erwähnen - dafür hat er glatt die diversen Flaschen Cocktails vergessen. Egal, wir wirkten wohl langweilig genug, dass sich die beiden jungen Zöllner nicht mal die Mühe machten, Harrys Angaben an Bord zu überprüfen. Man wünschte sich noch gegenseitig einen schönen Tag und trennte sich wieder.
Kurz daraus zeigte sich die Einfahrt in die gepriesene Ankerbucht - na, dann schauen wir doch mal.
Nach ein paar Kreisen in den Becken der Bucht waren wir viel zu sehr begeistert, um sofort wieder abzudrehen. An vielen Stellen waren große und kleine Ösen in den Felsen verankert, an denen man festmachen konnte. Wir einigten uns schnell auf eine der hohen, steilen Wände (im Fotos vorne rechts).


Während Harry langsam Kreise fuhr, machte ich schnell das Boot für das Anlegen an der Felswand fertig: alle verfügbaren Fender wurde auf der Backbordseite verteilt, Leinen unterschiedlicher Länge vorbereitet und der Bootshaken aus der Verankerung genommen und bereitgelegt. Einmal fuhren wir noch vorbei um zu testen, ob ich überhaupt an die in der Felswand verankerten Ringe heranreichte und dann ... war es eigentlich gar nicht so schwer. Harry legte Ari sanft gegen den Wind an die Felswand, ich machte sie im Bugbereich fest, Harry am Heck ... feddich.
Nachdem wir unsere erste Euphorie über die Schönheit der Bucht ausgelebt hatten, schnappten wir uns am Nachmitttag das Dinghi und ruderten zur zentral gelegenen Schäre.
Dort legten wir an, zogen das Dinghi ans Land und kletterten auf den Felsen. Toll - was für eine Aussicht.

Zurück von unserem Ausflug dachte ich langsam ans Essen. Was gibt es Schöneres, als sich das Essen bei einer solch schönen Lage auch selbst zu jagen. Her mit der Angel! :-)
Mein lieber Kollege Dirk hatte mir das gute Stück zur Verfügung gestellt. Aufgepeppt mit einer dickeren Sehne und den richtigen Ködern konnte die Barschjagd beginnen. Nach ein paar Probewürfen saß auch alles wieder ... meine Angelkarriere ist immerhin gut 40 Jahre her.

Nach einer ganzen Weile entschied ich mich zu einer Pause ... und machte erstmal einen Salat. Der sättigt auch schon mal ... nicht wenig später, nach weiterer glückloser Zeit, entschieden wir uns, den Pizzaboden aus der Kühlbox zu nehmen. Das mit dem Fisch konnte wohl noch dauern.
Traurig waren wir nicht. Die Pizza war lecker und ich kann auch ohne Fang beim Angeln super entspannen.
Deshalb ging es nach dem Essen mit der Jagd auf Fisch weiter.

Als es kühler wurde und ich mich umziehen wollte, drückte ich Harry die Rute in die Hand.Er bekam eine kurze Einweisung, wie man sie auswirft, der Rest ist Lernen.
Was haben diese beiden Bilder miteinander zu tun?

Richtig - der Köder landete beim zweiten Wurf im Baum. Harry, Klettermaxe himself, machte sich sofort auf den Weg, um Fischi samt Haken wieder aus seinem grünen Gefängnis zu befreien.
Am Abend wurde es immer ruhiger in der Bucht. Ab und zu fuhr noch ein (meistens Motor-)Boot ein, blieb kurz und fuhr wieder ab.
Im beginnenden Sonnenuntergang gegen 22 Uhr war die Stimmung in der Bucht nicht mehr zu toppen. Wir spannten das große Moskitonetz über das Cockpit und legten uns mit einem (eingeschleusten) Cocktail auf die Bänke.
... bis es anfing zu regnen. Schade, wir hatten schon überlegt, den ersten Teil der Nacht draußen zu schlafen.
Der aufkommende Wind inklusive Richtungsänderung jagte mich noch zweimal in der Nacht raus, um die Leinen anders zu legen und die Fender umzuhängen. Ich war besonders gegen 1 Uhr wiedermal begeistert, wie hell es um diese Zeit immer noch war - und der Sonnenaufgang war nicht mehr fern.
10.06.16
Es stand schon gestern Abend fest, dass wir lieber auf die restliche Tour entlang der norwegischen Küste verzichteten, um hier länger bleiben zu können. DAS bekommen wir wohl nicht so schnell nochmal zu sehen.
Ansonsten keine Besonderheiten ... wir machten einfach Urlaub. Schliefen lange aus, frühstückten lange bis nach 11 Uhr, ich suchte verzweifelt und erfolglos Netzanbindung, um diesen Blog hochladen zu können, angeln, lesen, schlafen, usw. Am Abend machten wir uns nochmal mit dem Dinghi auf, um die Bucht weiter zu erkunden - vorher war es etwas zu windig dafür. Wir legten an verschiedenen Felsen an, kletterten herum und genossen die sich immer wieder verändernde Aussicht.
Am späten Abend schnappten wir uns unser Bettzeug und machten es uns im Cockpit gemütlich. Jeder auf eine Bank, was leckeres zu trinken auf den Tisch und der Sonne bei Beendigung ihrer Arbeit zusehen.
Morgen werden wir uns dann wohl auf den Weg zurück nach Schweden machen. Der Abschied wird uns schwer fallen.
Aber auf eines freuen wir uns schon - wir werden das erste Mal unseren neuen Crew-Hoodies tragen. Die wollten wir erst rausholen, wenn wir es bis nach Norwegen geschafft und in den Schären außerhalb eines Hafen über Nacht festgemacht haben - und die Temperatur dafür stimmt :)
So sehen sie aus:
































Die Hoodies sind klasse!
AntwortenLöschenUnd Norwegen! Diese Kulisse! Wir wollen auch!
...einfach wunderschön, ich kann verstehen, dass man da nicht mehr weg möchte :)