Samstag, 27. Mai 2017

27.05.2017 so müde / Mandal (NO)

Damit der Wind uns nach Westen, um den Südwestzipfel Norwegens lässt, mussten wir uns nach seinen Zeiten richten.
Im heutigen Fall heißt dies mal wieder Nachtfahrt,  um den günstigen Südwestwind zu nutzen, der uns von Skagen nach Norwegen segeln lässt.


Kurz nach unseren neuen norwegischen Freunden aus Oslo verließen auch wir gegen 11 Uhr den Hafen. Bewusst wählten wir eine Zeit der Flaute, um aus Skagen gen Osten heraus und um das kleine Horn herum nach Westen zu kommen. Das hieß erstmal wieder Fahrt unter Motor. Dabei kamen uns viele Fischer, teilweise noch mit ausgelegtem Schleppnetz, entgegen.



Nach knapp 3 Stunden passten Windstärke und -richtung und wir setzten die Segel.
Bis in die Nacht knüppelten wir "gegenan", auf engstem Kurs mit Wind fast von vorn, um so wenig wie möglich Höhe nach Norwegen zu verlieren.



Ungefähr ab Mitternacht drehte sich der Wind und kam nun direkt von vorn. Das hieß kreuzen, mal links am Kurs vorbei, mal rechts, um letzten Endes mit dreifachem Weg in die Richtung fahren zu können, aus der leider direkt der Wind weht. Man kann das gut am Track unserer Fahrt am Ende des Blogs erkennen. Mal so unter uns: kreuzen gegen den Wind ist Kacke!!! Der Wind kam mit 4 bis 5 Bft um die Ecke, die Welle knapp 1 m hoch - da ist selbst das Sitzen im Cockpit mit der Zeit anstrengend. Vom (sehr schrägen) Gang zur Toilette inklusive Auspellen aus den vielen Kleidungsschichten will ich gar nicht erst sprechen.



Anfangs hatten wir unsere 2h-Ruderwachen, über Nacht dann jeweils 4h. Ab Sonnenaufgang waren wir beide sooo müde. Durch die enorme Schräglage konnte man nur im Cockpit oder im Salon leidlich gut liegen. Durch den Lärm des vorbeirauschenden Wassers war unserer Schlafkajüte vorn im Boot kaum nutzbar.  Außerdem rollte man bei den vielen Wenden ständig durch die Gegend - meistens dann, wenn man so was ähnliches wie Schlaf gefunden hatte...


Da unsere beiden Verbraucherbatterien anscheinend gerade dabei sind, ganz langsam vor sich hin zu sterben, mussten wir in der Nacht den Stromgenerator laufen lassen. Das ging bei der Schräglage des Bootes nicht lange gut und nach 15 Minuten streikte der kleine Kerl ganz einfach. Gut, musste der Motor wieder ran. Und der ist auch nicht gerade leise ...
Zusammengefasst: eine unschöne, anstrengende Nacht mit zudem vielen großen Pötten, die alle nach Aufmerksamkeit schrien.
Der mit dem Sonnenaufgang aufkommende Küstennebel machte das Ganze einfach nur noch komplett. Normalerweise hätte ich Harry zur Sicherheit an Deck holen müssen, damit wir beide die Augen und Ohren nach draußen halten - ich brachte es einfach nicht übers Herz. Er sah beim Wachwechsel genauso müde aus wie ich - und ich ließ ihn schlafen. Die AIS-Signale in der Umgebung von 15 sm zeigte sowieso nicht viel Bewegung - passt schon.



Entgegen unseres heroischen Vorhabens, den am Nachmittag aufkommenden Südwind mitzunehmen und noch etwas die Küste hochzusegeln, bogen wir gegen Mittag in den nächsten Hafen ab.
... und dieser war ein Volltreffer. Nach einer 2-sm-langen Fahrt durch die Außenschären kamen wir durch eine kleine Durchfahrt in das "Hinterland". Hier liegt die Stadt Mandal und ihr uriger Stadthafen, links und rechts am Ufer.




Nach dem Anlegen reichte unsere Lust noch zum Bezahlen der Liegegebühr und endlich einer kleinen Mahlzeit, schon plumpsten wir in die Koje. Wir hatten gut 150 sm in 12 Stunden in den Knochen und spürten jede einzelne davon.
Nach drei Stunden ging es etwas besser, wir duschten in den nagelneuen WC-Anlagen des Hafens und ich zauberte anschließend eine ober-leckere Pizza aus dem kleinen Ofen unserer Pantry - inklusive Käserand!



Während ich hier schreibe hat Harry sich schon in die Koje verkrümelt. Er wurde irgendwie nicht richtig wach. Ich genieße noch etwas die Abendsonne unter dem neuen Sonnensegel im Cockpit.
Aber lange geht das auch nicht - ich freue mich auf meine Bettdecke :-)

Morgen nutzen wir den restlichen Südwind und fahren noch etwas die Küste hoch. Wie weit? - keine Ahnung. Nur so lange die Lust reicht. Ab Montag hängen wir sowieso wieder fest, weil Nordwestwind , teilweise in Starkwind-Ausgabe, aufkommt. Da wir nach Nordwesten müssen, machen wir wahrscheinlich ein wenig Landurlaub, bis der Wind wieder segelbar wird.

Wenn mir jemand etwas Gutes tun will - schickt viel Ostwind, ich will weiter nördlich, nach Stavanger :-)



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